illustration

Suche

Neueste Kommentare

  • Hardy Prothmann: Hallo Herr Tews, Sie scheinen ein nervöser Mensch zu sein. Und leider auch nicht sonderlich logisch....
  • Andreas Tews: Blödsinn (ist zwar nur eine Korrektur, so wird es aber ungewollt nochmals zur Betonung)
  • Andreas Tews: Mir ist meine Zeit zu schade um auf Ihren Bödsinn länger als mit vier Sätzen zu antworten. Daher beende...
  • Hardy Prothmann: Hallo Herr Tews, schön, dass Sie auch ein wenig im Netz surfen und so gucken, was man über Sie so in...
  • Andreas Tews: Herr Prothmann hat im Interview die Online-Aktivitäten von Nussbaum Medien St. Leon-Rot angesprochen....

Archiv

2014
2013
2011
2010
2009

Der Innovation auf der Spur

Footprints

“Die meisten Verlage haben vergessen, wo sie herkommen” (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 3)

Auf der Suche nach profitablem Lokaljournalismus im Internet habe ich mich etwas ausführlicher mit Hardy Prothmann unterhalten, bekannt als Macher des heddesheimblogs, das in meinen Augen eine Art Prototyp für die Lokalzeitung 2.0 darstellen könnte. Ich wollte wissen, ob und wie so ein Lokalblog wirtschaftlich funktioniert und was er dafür tun muss. Zum Beispiel auf Urlaub verzichten…

Marian Semm: Sie betreiben seit Mai 2009 das heddesheimblog – waren Sie seitdem eigentlich in Urlaub?

Hardy Prothmann: Ich habe meinen Urlaub abgesagt, dabei war das meine Hochzeitsreise. Aber der Urlaub war geplant vor der Hochzeit, vor dem Start des Blogs. Der Urlaub fiel mit wichtigen Sitzungen zur geplanten Ansiedlung des Logistikunternehmens Pfenning zusammen. Aus diesem Thema ist das heddesheimblog entstanden. Meine Leserinnen und Leser haben von mir Informationen erwartet. Hätte ich Sie in dieser wichtigen Phase enttäuscht, wären vier Monate Arbeit vergebens gewesen.

Marian Semm: Wann können Sie davon leben?

Hardy Prothmann: Das heddesheimblog alleine rechnet sich nicht – das war mir von Beginn an klar. Mein Konzept sieht eine regionale Informationsplattform vor mit weiteren lokalen Blogs in den umliegenden Orten. Der technische Aufwand ist nur geringfügig größer, in der Summe kann ich den Werbekunden eine entsprechende Reichweite bieten.

Prototyp für die Lokalzeitung 2.0: Das heddesheimblog.

Prototyp für die Lokalzeitung 2.0: Das heddesheimblog.

Marian Semm: Es braucht also eine “kritische Masse” an Einwohnern, um hyperlokalen Journalismus zu betreiben?

Hardy Prothmann: Im Februar starte ich das dritte lokale Blog in der Römer-Stadt Ladenburg. Mit Heddesheim und Hirschberg decke ich dann einen Einzugsbereich von 35.000 Einwohnern ab, davon lässt sich leben. Ein Ortsblog innerhalb des Verbunds rechnet sich ab etwa 5000 Einwohnern. Drunter ist es unwahrscheinlich, dass es genug journalistische Themen gibt.

Marian Semm: Der Bürgermeister von Heddesheim ignoriert Sie wegen Ihrer mitunter harten Berichterstattung standhaft. Gehen die Hirschberger und Ladenburger Bürgermeister souveräner um mit Ihnen?

Hardy Prothmann: Das tun sie. Sie wissen um die Währung namens Aufmerksamkeit. Gerade hatte ich einen Termin beim Ladenburger Bürgermeister Rainer Ziegler. Der freut sich auf das neue Angebot. Sicherlich will er aber auch nicht den Fehler seines Heddesheimer Kollegen Kessler wiederholen, dessen pressefeindliches Verhalten seinem Image sehr geschadet hat. Ein Bürgermeister will – positive – Aufmerksamkeit für sein Ansehen und die politische Arbeit. Ich biete Aufmerksamkeit für meine Werbepartner.

Ziel 2010: Fünf Lokalblogs

Marian Semm: Und mit jedem weiteren Blog müssen Sie darüber nachdenken, wie Sie ihrer Frau erklären, den nächsten Urlaub zu verschieben?

Hardy Prothmann (lacht): Das kann ich nicht bringen. Wir fahren dieses Jahr in Urlaub. Ich arbeite schon jetzt mit freien Mitarbeitern zusammen und ich möchte den Regionalblog in diesem Jahr auf fünf Lokalblogs ausbauen. Dann werde ich drei bis vier Mitarbeiter beschäftigen können, Journalisten, Außendienstler, Techniker.

Marian Semm: Und die können Sie anständig bezahlen?

Hardy Prothmann: Was heißt anständig? Ich rechne meine Modelle mit einem Durchschnittsgehalt von 3.000 Euro brutto, der eine bekommt mehr, der andere weniger. Journalisten müssen anständig verdienen. Ich kann meinen Mitarbeitern momentan nur ein kleines Honorar bezahlen, etwa auf dem Niveau des Mannheimer Morgens. Es ist mir äußerst unangenehm, dass ich so wenig bezahlen kann. Alles weniger als 15 Euro pro Stunde ist unanständig und hat nichts mehr mit Verdienst zu tun, sondern nur mit Liebhaberei.

Marian Semm: 3000 Euro Monatsgehalt für drei bis vier Mitarbeiter, Technik, Räume – überschlagen sind das Kosten in der Größenordnung von 200.000 Euro. Wie spielen Sie das wieder ein?

Hardy Prothmann: Das Gros durch klassische Anzeigen in den Seitenspalten und in den Artikeln. Klassische Werbung also wie bei der Zeitung – mit dem Unterschied, dass Werbung im Internet 24 Stunden überall abrufbar zur Verfügung steht. Viele Betriebe haben zwar einen Internet-Auftritt, aber sie bekommen kaum Zugriffe. Die Werbung im Blog ist nachhaltig, darin wird nicht wie bei der Zeitung am nächsten Tag der Fisch eingewickelt. Ich komme den Anzeigenkunden, die einen Monat in einem Artikel gebucht haben entgegen und lasse die Werbung auch im Archiv noch stehen, das wirkt also dauerhaft – ich kann an den Statistiken sehen, dass das Archiv gut genutzt wird. Abgesehen davon verbessert die Dauer-Werbung, das sind ja Links, auch das Google-Ranking der Werbenden.

Marian Semm: Ihre Preisliste beginnt bei 5 Euro pro Anzeige im Terminkalender – lohnt es sich wirklich, das alles einzusammeln?

Hardy Prothmann: Auch Kleinvieh macht Mist. Und es geht auch deutlich teurer. Im vergangenen Jahr wollte die Unternehmensgruppe Pfenning, also der Anlassgeber für meinen Blog, ihre Website Pro-Heddesheim bewerben. Die Anzeige 600 mal 600 Pixel hat sich das Unternehmen mehrere tausend Euro kosten lassen. Ich habe gesagt: Ich bin das Tor zu denen, die Ihr erreichen wollt. Das Unternehmen hat eine 100 Millionen Euro Investion vor, da läßt man sich auch die Werbung etwas kosten. Abgesehen davon: Ich habe für 2010 bereits drei Zusagen von Partnern, die für ein ganzes Jahr eine gewisse Sichtbarkeit auf den Blogs buchen und da fließen auch größere Summen. Das werden Premiumpartner meiner Blogs.

Marian Semm: Was haben denn diese Kunden davon?

Hardy Prothmann: Die versprechen sich einen Imagetransfer, das heddesheimblog sei “modern” sagen sie, eine “tolle Idee”. Vor allem aber sind sie sind unzufrieden mit der Lokalzeitung, weil sie dort in der Berichterstattung nicht stattfinden. Hier wird über die großen Firmen berichtet und über Verbände. Die Mittelständler, Gewerbetreibenden und Selbstständigen sind extrem unzufrieden mit der Zeitung.

“Wenn die Kritik zum Storno führt, dann ist das eben so.”

Marian Semm: Gefährden Sie nicht mit dem wirtschaftlichen Erfolg ihre journalistische Unabhängigkeit?

Hardy Prothmann: Das ist ziemlich mühsam für mich, weil ich immer erklären muss, dass ich als Journalist unabhängig bin und dass trotz einer Anzeige oder einer Partnerschaft unabhängig berichtet wird. Offensichtlich ist man anderes gewohnt. Aber wenn es über einen Kunden negative Informationen geben sollte, werden wir darüber berichten. Wenn die Kritik zum Storno führt, dann ist das eben so.

Marian Semm: Welchen Raum nimmt überregionale Werbung in ihrer Planung ein? Ihre Homepage ziert momentan ein Werbebanner von AdScale? Oder was ist mit Google AdSense? Oder mit Provisionen aus Buchverkäufen bei Amazon?

Hardy Prothmann: Davon halte ich nichts. AdScene und AdSense nutze ich momentan noch, weil es ein wenig Geld bringt. Das nutze ich als Lückenfüller. Mittelfristig werde ich darauf verzichten können. Mit Amazon könnte ich zusammenarbeiten, aber ich bin Lokalpatriot. Ich schließe lieber eine Kooperation mit einem lokalen Buchhändler. Ein Beispiel, das ich verkaufen möchte: Der Buchhändler stellt mir Bücher zur Verfügung und bucht Werbung. Freie Mitarbeiter besprechen das Buch mit dem Hinweis auf unseren Sponsor: Dort könnt Ihr das kaufen. Außerdem denke ich über weitere Formate nach, beispielsweise bezahlte Portraits von Top-Gastronomie. Oder Publikationsflächen für Vereine oder kleine Unternehmen – allerdings werde ich die Beiträge prüfen, damit kein Vereinsgeschwurbel die Leserinnen und Leser langweilt.

Hardy Prothmann, Betreiber des heddesheimblogs. Foto: sap

Hardy Prothmann, Betreiber des heddesheimblogs. Foto: sap

Marian Semm: Und das machen die Buchhändler, die Vereine und Kleinunternehmer mit?

Hardy Prothmann: Ja, auch wenn es mühsam ist, die Rolle der Internetwerbung zu erklären. Für viele ist das ein noch nicht ausreichend bekanntes Medium. Außerdem freue ich mich, wenn bald ein Außendienstler diese Aufgabe übernimmt. Ich bin kein Anzeigenverkäufer, sondern Journalist. Sehr gut funktioniert es bei Kunden und Vereinsvorständen, die das Internet verstanden haben. In Heddesheim kommt erschwerend hinzu, dass manchen Unternehmer eine Werbung “zu heiß” ist. Die befürchten Nachteile bei der Gemeinde, wenn sie bei mir werben. Das wird sich aber legen.

Marian Semm: In den USA wird die Debatte um die Querfinanzierung des Nachrichtenjournalismus sehr intensiv geführt, da fällt häufig der Vorschlag, Journalismus durch Spenden zu ermöglichen – wäre das nichts für Sie?

Hardy Prothmann: Ich habe darüber nachgedacht, einen Spendenbutton anzubringen. Letztlich habe ich darauf verzichtet – und vermutlich auf einige hundert Euro pro Monat, die mir das vielleicht bringen würde. Tatsächlich glaube ich nicht, dass das in Deutschland funktioniert. Das könnte auch negativ wahr genommen werden, nach dem Motto: Jetzt hält er den Hut auf. Ein Gegenbeispiel ist Jens Weinreich, der sich mit dem DFB angelegt hat, verklagt wurde und um Spenden bat. Damit konnten die Fußballfans etwas anfangen, das hat funktioniert. Was ich mir aber vorstellen kann, sind spendenfinanzierte Projekte für aufwändig zu recherchierende Geschichten, die sonst nicht entstehen würden. Beispielsweise einen Beitrag zur Stadthistorie oder ein aufwändiges Vereinsportrait.

Marian Semm: Welche Rolle spielt Sport? Michael Wagner hat in Niederbayern mit seinem Fußball Passau ein kleines Imperium von Hobby-Berichterstattern aufgebaut.

Hardy Prothmann: Fußball Passau ist ein toller Erfolg, den ich genau beobachte. Glückwunsch an Michael Wagner. Ich verstehe nur wenig vom Fussball, sonst könnte ich mir das auch vorstellen – ein regionales Vereinsblog oder Sportblog. Dafür bräuchte ich aber einen Sportreporter. Fürs erste habe ich andere Prioritäten gesetzt.

Seitenabrufe aus der Dudenstraße

Marian Semm: Müssten Sie mit ihren Aktivitäten nicht eigentlich ganz massiv das Immunsystem des Mannheimer Morgens anregen?

Hardy Prothmann: Ich spüre nichts dergleichen. Ich weiß, dass man in der Redaktion über mich redet und ich kann Seitenabrufe aus der Dudenstraße in der Statistik sehen. Und im Lokalteil wird aber über Heddesheim gegenüber der vor-heddesheimblog-Ära überproportional viel berichtet. Wenn man allerdings genau hinschaut, ist das purer Bratwurstjournalismus: Zwei Artikel mit Allgemeinplätzen, Schwafelei und Gefälligkeiten und drei Terminankündigungen, die normalerweise in den Veranstaltungskalender gehören und als Pseudoartikel aufgepeppt sind. Das ist kein Journalismus.

Marian Semm: Mir drängt sich der Eindruck auf, dass Sie vom Geschäft leben, das der Mannheimer Morgen links liegen lässt?

Hardy Prothmann: Das ist wohl wahr. Die Online-Vermarktung beim Mannheimer Morgen wird wohl sehr stiefmütterlich betreut. Mir ist das ganz recht, ich sehe kaum regionale und schon gar keine lokale Werbung. Die möchte ich haben. Das ist Teil des Konzepts: Lokal-regionale Berichterstattung zum Anfassen und ebenso die Werbung.

Marian Semm: Könnte man also sagen, dass Lokalblogs wie das heddesheimblog in einer Nische operieren, die die Verlage für sich nicht sehen?

Hardy Prothmann: Meine Anzeigen sind komplettes Neugeschäft, der Zeitung nehme ich zunächst nichts weg. Wenn ich überhaupt jemandem weh tue, dann den Anzeigenverlagen. Der Mitteilungsblatt-Monopolist Nussbaum Medien merkt wohl, dass sein Modell auf lange Sicht bedroht ist und hat lokalmatador.de gestartet. Das Angebot hat aber kein gescheites Konzept: Hier mal eine Geschichte aus St. Leon-Roth, dort eine aus Heddesheim, dann aus Hockenheim, jeweils zig Kilometer dazwischen. An die Leser wird überhaupt nicht gedacht. Von dieser Seite habe ich nichts zu befürchten.

Marian Semm: Was halten Sie von Mitmachportalen wie myheimat?

Hardy Prothmann: Nichts. Das ist doch unanständig, einerseits wettern die Verlage gegen Google, andererseits sammeln sie hier kostenlos Content ein und entbinden sich der journalistischer Sorgfaltspflicht. Damit schaden sie der eigenen Produktgattung. Das ist die alte Denke “wie bekomme ich etwas gedruckt”. Das mag eine Zeit funktionieren, weil die Menschen erstmal neugierig drauf gucken, aber das nutzt sich schnell ab.

“Ich bin kein Blogger, sondern Journalist.”

Marian Semm: Vielleicht kommt es Lokalbloggern wie Ihnen…

Hardy Prothmann: Stopp. Ich bin kein Blogger, sondern Journalist. Ich nutze WordPress und Addons als CMS. Das Ergebnis ist Journalismus pur.

Marian Semm: Ok. Ihnen kommt es aber ganz gelegen, dass die Verlage bei Rückgang der Anzeigenumsätze sparen müssen – und auch die eine oder andere Stelle im Lokalen streichen?

Hardy Prothmann: Ich finde diese Strategie der Verlage hervorragend. Im Ernst: Versetzen Sie sich in die Position der Verlage. Die sind so groß, die sehen ihre Füße nicht mehr. Die sehen nicht, worauf sie stehen und dass der lokale Content exklusiv ist und damit wertvoll. Die Verlage denken immer an ihre Druckmaschine und wie sie diese auslasten können. Die denken alles in bedrucktem Papier. In der Steinzeit dachte man in Steintafeln. Irgendwann wurde mit Tinte geschrieben, dann gedruckt. Medien und deren Nutzung ändern sich. Lokaljournalismus wird im Internet eine neue Heimat finden – übrigens auch mobil.

Marian Semm: Ich finde interessant, dass auch Online-Redaktionen von Lokalzeitungen lieber spiegel.de nachheifern als internetgerecht Lokaljournalismus zu betreiben: Da ist der Wirbel um eine Sendung im WDR über ein Neurodermitismittel wichtiger als umfassende Lokalberichterstattung, da gibt es einen Liveticker über die Beerdingung von Robert Enke, da wird der Sonntags-Tatort online besprochen. Wenn ich die Lokalnachrichten aufrufe, finde ich dafür nur lieblos aus dem Printsystem kopierte Artikel. Finden Sie das schlau, dass der Tatort ausführlicher behandelt wird als die Lokalnachricht?

Hardy Prothmann: Aus meiner Sicht spricht nichts Grundsätzliches dagegen, überregionale Themen aufzugreifen. Beispiel: “Schlag den Raab” hatte aktuell 3,7 Millionen Zuschauer, fast 22 Prozent Marktanteil. Das haben sicher auch viele Heddesheimer gesehen und deshalb hat meine Kolumnistin Gabi das auch aufgegriffen. Mir persönlich ist wichtig, überregionale Phänomene zu regionalisieren und zu lokalisieren. Was bedeutet die Rekordverschuldung des Staates für unseren Ort? Wie wirkt sich die Schweinegrippe lokal aus? Ich hatte an einem Freitag im Herbst ein Interview dazu mit einem Heddesheimer Arzt gemacht und en passant erwähnt, dass in dieser Praxis ausreichend Impfstoff vorrätig sei. Am Montag drauf standen Patienten dort Schlange.

Am Allerwichtigsten: Guter Journalismus.

Marian Semm: Zeitungen denken in ihrem gedruckten Medium und in ihren Verbreitungsgebieten, Sie dagegen denken in einzelnen Orten.

Hardy Prothmann: Und: Ich verlinke nach außen – das fehlt mir bei den Lokalzeitungen. Wenn ich im Netz etwas entdecke, was lokal interessant ist, weise ich meine Leser darauf hin. Und ich lege manche Quellen über Verlinkung offen. Transparente Information ist wichtig. Auch das haben Verlage nicht verstanden. Wenn ich damit Leser zu anderen Seite führe, sage ich: Na und? Die wissen, wo sie hinmüssen, um solche Informationen zu finden. Am Allerwichtigsten aber ist guter Journalismus. Den finden Sie im Netz bei spiegel.de, sueddeutsche.de, welt.de, zeit.de und auch für den anderen Geschmack bei bild.de – aber typischerweise nicht bei den Regionalzeitungen. Dort wird nur die gedruckte Zeitung ins Netz gehievt. Online first hat da noch niemand gehört.

Marian Semm: Zeitungsverlage haben in vielerlei Beziehung die besseren Voraussetzungen, einen lokalen Blog zum Erfolg zu führen. Obwohl die Angst in den Verlagen wächst, sehe ich kaum vergleichbare Ansätze bei Verlagen, zumindest nicht, was den starken journalistischen Fokus hat, wie bei Ihnen. Können Sie sich das erklären?

Hardy Prothmann: Zeitungsverlage sind in erster Linie Druckmaschinenbetreiber, die denken nicht im Traum daran, etwas zu fördern, was die Auslastung der Maschinen in Gefahr bringt. Und Journalismus? Ganz ehrlich: Wie viele Redaktionen leisten sich das noch? Die meisten Verlage haben vergessen, wo sie herkommen. Von der Information. Nach dem Start des heddesheimblogs hat mir ein Leser gesagt: „Das können Sie doch so nicht schreiben?“ Ich fragte, warum? Der Leser: „Im Mannheimer Morgen habe ich noch nie so viel Kritik gelesen, das bin ich gar nicht gewohnt. Kriegen Sie da nicht Ärger?“

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (14 votes, average: 4.86 out of 5)
Loading ... Loading ...

Pingbacks

Kommentare

  • 23. Januar 2010, 03:35 Uhr

    vera meint

    ich habe schon den zweiten teil mit vergnügen gelesen und freue mich auf den 1., der mir noch ‘fehlt’ und den ich gleich lesen werde.

    respekt, hardy prothmann, für die nicht ganz einfache arbeit, und viel erfolg für das tolle konzept.
    danke, marian semm, für die vermittlung des gefühls, es gibt sie noch: journalisten, die leser für wichtig halten und sie ernst nehmen. und berater, die in der 2.0-welt vermitteln können.

  • 23. Januar 2010, 09:53 Uhr

    k (Köln) meint

    Hallo,

    ist der heddesheimblog tatsächlich so erfolgreich? Folgt man den Ausführungen von Herrn Merz (http://markus-merz.posterous.com/tag/hardyprothmann), wurde der Erfolg – ob willentlich oder nicht – von Herrn Prothmann deutlich überhöht dargestellt. Wenn dies tatsächlich so wäre, wie werden Werbetreibende reagieren?

    Herr Prothmann reagiert ansonsten sehr schnell und sehr ausführlich, wenn es in den Kommentarspalten der blogs jemand wagt, Kritik zu üben. Auf diese Frage der tatsächlichen Erreichbarkeit ist er bisher nicht eingegangen. Vielleicht hier?

    Grüße

    PS: immer noch lesenswert für den Umgangston von Herrn Prothmann mit Kritikern (nach dem Stichwort “Schei” suchen: http://www.berliner-journalisten.com/heft21_artikel4.php .).

  • 25. Januar 2010, 11:02 Uhr

    Thomas Berscheid meint

    Guten Morgen zusammen,
    ich drücke dem Macher dieses Blogs alle Daumen, dass es mit seiner unabhängigen Berichterstattung klappt! Gerade die lokale Presse fährt oft einen Schmusekurs mit der Politik und Industrie. Letzteres wird klar, wenn man bedenkt, wo das Geld für Werbung herkommt.
    Aus meiner eigene Erfahrung weiß ich, dass es sich lohnt, mit Nachrichten einen Markt aufzubauen. Wir haben vor 10 Jahren angefangen, über Georgien zu berichten. Mittlerweile sind wir Marktführer. Eine Sache, an der man täglich arbeiten muss und bei der man nicht die Hände in den Schoß legen kann. Insofern kann ich die Sache mit dem Urlaub und der verschobenen Hochzeitsreise sehr gut nachvollziehen.
    Beste Grüße
    Thomas Berscheid

  • 25. Januar 2010, 16:54 Uhr

    Markus Merz | Hamburg St. Georg meint

    Manueller Trackback:

    Nach den Besucherzahlen des Heddesheimblogs folgen die Personalkosten

    (…) Wer von den Anwesenden hat schon einmal einem typischen lokalen Geschäftsmann, sagen wir dem Metzger, 50 € für eine Anzeigenbuchung aus dem Kreuz geleiert? Sagen wir mit Mindestbuchung von sechs Monaten. Ach ja, im Internet. Auf einer Archivseite.

    Auf einer Archivseite des heddesheimblogs…

    http://markus-merz.posterous.com/nach-den-besucherzahlen-des-heddesheimblogs-f (Stichwort: http://markus-merz.posterous.com/tag/hardyprothmann)

  • 25. Januar 2010, 22:25 Uhr

    Björn meint

    Sorry, aber das ganze Konstrukt liest sich wie ein Luftschloss. Ist letztlich leider ganz einfache Mathematik mit etwas Beobachtung, was auf dem Blog läuft. 200.000 Euro…
    :-)

  • 26. Januar 2010, 19:25 Uhr

    Markus Merz | Hamburg St. Georg meint

    Es wird einfach mal Zeit aus dem aufgebauschten Luftschloss die Luft raus zu lassen. Das wäre die Aufgabe von geerdeten Beratern oder von praxisnahen Medienjournalisten.

    Stattdessen verbrennen sich einige Berater an der Praxis und einige Medienjournalisten erhitzen heiße Luft noch weiter.

    Im Stil von Dieter Bohlen und DSDS werden aktuell kantige Lokaljournalistenfrösche zum Prinzen geküsst. Das Prinzlein selber schwingt das große Wort und berichtet von possierlichen Kämpfen mit genervten Drachen.

    Es wäre mal Zeit das vorlaute Prinzlein nach seiner Exitstrategie zu befragen. Wahrscheinlich strebt es eine Karriere als streitbarer Podiumsdiskutant oder Consultant in Sachen ‘irgendwas mit Medien’:

    • 26. Januar 2010, 20:17 Uhr

      marian_semm meint

      Ich würde Ihnen ja gerne etwas entgegnen, Herr Merz, aber, hm, kann es sein, dass Sie in Ihrem Kommentar die Argumente vergessen haben?

      • 28. Januar 2010, 12:21 Uhr

        Markus Merz | Hamburg St. Georg meint

        Wer die Argumente sucht, der wird sie schon finden. Etwas weiter oben und auf meinem Mininotizblog, aber ich nahm mir einfach mal die Freiheit zum Selberdenken und -rechnen anzuregen.

  • 27. Januar 2010, 20:10 Uhr

    Christopher Schmidhofer meint

    marian_semm, genau das war es was ich dachte als ich Hr. Merz Beitrag gerade gelesen habe. Das klingt nach jmd. der einfach nur schlechte Luft verbreiten will. Es riecht auch ein wenig nach Angst. Angst vor dem Neuen? Angst vor Meinungsfreiheit?

    Die Konzentrierung der Gegen-Argumentation auf die betriebswirtschaftlichen Rechnungen kann ich nicht verstehen. Es geht hier zuallererst um freie Meinungsäußerung und den Vorwurf an den MM. Hierzu lese ich keine Argumente.
    Die betriebswirtschaftlichen Rechnungen (die Zahlen 3000 und 200.000) sind doch des Blogbetreibers Sache. Er wird es erreichen oder auch nicht. Inhaltlich hat das erstmal nichts miteinander zu tun. Ob potentiellen Anzeigekunden etwas anderes als die Wahrheit verkauft wird, weiß ich nicht. Ob es mich interessiert auch nicht – AdBlock macht die angezeigte Werbung in vielen Browsern schnell zunichte. Anzeigen werden Online nicht auf Dauer funktionieren, hier müssen andere Finanzierungsmodelle her. Aber das ist die Sache des Seitenbetreibers. Den Lesern geht es um Inhalte (Werbung wird eh gefiltert) und um einen Ausbruch aus der in den Printmedien zu augenscheinlich durchgeführten Zensur. Ich kenne zwar Heddesheim nicht so gut, auch wenn ich da ab und zu bin, doch scheint die ein oder andere positive reale Wirkung aus der Seite eingetreten zu sein. Das ist zu beachten und zu bewundern. Wenn ich einen engagierten arbeitssuchenden Journalisten finde, werde auch ich eine Lokalseite aufsetzen für meine Umgebung. Auch hier ist die Berichterstattung kläglich bis nicht vorhanden.
    Die Printmedien sind zu kritisieren und immer mehr Menschen merken das. Vgl. hierzu auch die Nachdenkseiten.
    Gruß
    Christopher Schmidhofer

    • 28. Januar 2010, 01:25 Uhr

      Hardy Prothmann meint

      Guten Tag!

      Mir scheint, dass ich in Herrn Merz so etwas wie einen digitalen Stalker gefunden habe.

      Das gehört wahrscheinlich zum Promileben dazu – selbst wenn man einfach nur ein Fröschlein ist.

      Eins ist sicher: Herr Merz ist sicher nicht mein Prinz ;-)

      Einen schönen Tag wünscht
      Hardy Prothmann

      • 28. Januar 2010, 12:27 Uhr

        Markus Merz | Hamburg St. Georg meint

        HP: Gut gegeben. Ich wünsche Ihnen nicht das Schicksal einer Sternschnuppe.

        CS: Bei mir riecht hier gar nichts. Sie sollten einfach mal den Hinweisen folgen und um die Ecke schauen.

  • 29. Januar 2010, 22:00 Uhr

    k (Köln) meint

    Hallo

    @ Herr Prothmann
    Wieder keine inhaltliche Antwort. Sind Ihre Besucherzahlen richtig oder nicht? Oder sinds die Suchmaschinen. Bis jetzt konnte man keine fundierte Entgegnung lesen. Haben Sie keine? Das ist dann so, als ob nicht die GfK die Einschaltquoten misst, sondern RTL/Sat1/Vox eigene Zahlen veröffentlicht, um die Spots teurer zu verkaufen. Die Leute, die bei Ihnen Werbung schalten, würde das interessieren. Und die wirkliche Relevanz des blogs könnte besser eingeschätzt werden.

    @ Herr Schmidhofer
    Sie müssen nicht Heddesheim kennen, um zu wissen, dass es da nicht um Gut gegen Böse, Robin Hood der Pressefreiheit gegen Sheriff of Nottingham (wahlweise Bürgermeister, MM unbotmäßige Vereinsvorsitzende usw.) geht. Hr. Prothmann hatte Zeit, sich auf einen akuten Konflikt daraufgesetzt, arbeitet sich jetzt an den Dorf“eliten“ ab und hält das ganze – nebenbei als Gemeinderat, ein Ehrenamt – am Kochen. Wer erwärmt sich für eine textkritische Besprechung eines Seniorennachmittags, nur um dem BM, der halt Verwaltungsmensch ist und kein Germanist, eins reinzuwürgen? Und natürlich ist es relevant, wenn er Zahlen bewusst oder unbewusst verzerrt; immerhin zieht er als moralische Instanz durch die Gegend.

    Grüße

  • 31. Januar 2010, 11:39 Uhr

    Marc meint

    Thomas Berscheid: “Gerade die lokale Presse fährt oft einen Schmusekurs mit der Politik und Industrie. Letzteres wird klar, wenn man bedenkt, wo das Geld für Werbung herkommt.”

    Vorneweg: Ich schreibe für “die lokale Presse”, frage mich aber dennoch, wieso in einem Blog oder einer Online-Zeitung, die ohne Abos noch mehr auf Werbung angewiesen sind, mehr sichergestellt sein soll, dass dort nicht auch irgendwann – wenn das Ding mal etabliert ist – nicht auch ein Schmusekurs gefahren wird. Ob dann mauve- anstelle rosafarben gekuschelt wird, ist letztendlich egal.

    Und allgemein: Allem Anfang wohnt ein Zauber inne. Daher wundert es mich nicht, wenn das Heddesheimblog viele Leserhinweise bekommt. Aber irgendwann wird auch das Blog nicht mehr allen Dingen nachgehen können und Prioritäten setzen. Nicht aus Platz- aber aus Zeitgründen, auch für Online-Journalisten hat der Tag nur 24 Stunden. Und dann werden auch dort – wie bei Tageszeitungen – enttäuschte Bürger sich abwenden, weil das Blog sie “ja dauernd ignoriert”.

    Ich glaube auch nicht, dass es ganz ohne “Bratwurstjournalismus”-Themen geht. Denn das ist ja gerade die Stärke gegenüber dem etablierten Blatt, dass Artikel über den Seniorenkaffee vom Nachbarschaftsverein – wegen Mangel an Druckfläche, Inhalt und Relevanz – weglässt. Natürlich kommt wenig dabei rum, aber das Enkelchen bei der Schulaufführung “gedruckt” zu sehen, und die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder zu beschreiben, zählt eben auch. Auch wegen der Anzeigenacquise. Denn selbst wenn nur die 100 Leute, die beim Seniorenkaffee waren (plus Anhang und Freunde) reinschauen, ist das für ein lokales Unternehmen schon interessant.

    • 12. Februar 2010, 02:19 Uhr

      Hardy Prothmann meint

      Guten Tag!

      :-) Besser hätte ich den Zustand vieler Lokal”zeitungen” nicht beschreiben können.
      Sie beschreiben Strategie, Verwertungskette, Selbstbewusstsein zwar nicht sonderlich intellektuell, aber insgesamt zutreffend.

      Nur eines konnten Sie nicht beschreiben, weil Sie es nicht verstanden haben. Das hat etwas mit Haltung zu tun. Denken Sie mal drüber nach.

      Einen schönen Tag wünscht
      Hardy Prothmann

  • 4. März 2010, 16:34 Uhr

    iphone kostenlos meint

    “Letztlich habe ich darauf verzichtet – und vermutlich auf einige hundert Euro pro Monat, die mir das vielleicht bringen würde” – du hast hier nen kleinen fehler :)

  • 14. November 2011, 22:29 Uhr

    Andreas Tews meint

    Herr Prothmann hat im Interview die Online-Aktivitäten von Nussbaum Medien St. Leon-Rot angesprochen. Das war zwar schon einige Monate her, ich möchte hierzu dennoch mit zeitlichem Verzug Stellung nehmen.

    Die Aussage von Herrn Prothmann:
    “Der Mitteilungsblatt-Monopolist Nussbaum Medien merkt wohl, dass sein Modell auf lange Sicht bedroht ist und hat lokalmatador.de gestartet. Das Angebot hat aber kein gescheites Konzept: Hier mal eine Geschichte aus St. Leon-Roth, dort eine aus Heddesheim, dann aus Hockenheim, jeweils zig Kilometer dazwischen. An die Leser wird überhaupt nicht gedacht. Von dieser Seite habe ich nichts zu befürchten.”
    (Anmerkung am Rande: Wir sind übrigens kein Monopolist sondern haben genügend Wettbewerber. Und natürlich haben wir schon lange erkannt, dass unsere Zukunft nicht ausschließlich im Drucken von Mitteilungsblättern besteht, sondern in der medienübergreifenden Verbreitung von lokalen Informationen.)

    Ich habe mich kurz nach der Erstveröffentlichung des Interviews gefragt, woher Herr Prothmann die Qualität unseres Konzepts kennt. Er hat mit uns nie gesprochen und konnte zum Zeitpunkt des Interviews wohl auch nicht beurteilen, an welchen Themen wir arbeiten. Lieber Herr Prothmann: Es gibt einen Unterschied zwischen einem Konzept und der Umsetzungsgeschwindigkeit. Nur weil nicht alle Ideen auf einen Schlag sichtbar werden, muss das nicht bedeuten, dass es kein Konzept gibt. Als Redakteur mit Ihrem Anspruch, sollten Sie mit der Sprache etwas genauer umgehen. Sie hätten formulieren können, dass Sie kein gescheites Konzept erkennen. Mehr aber auch nicht.

    Ich kann an dieser Stelle ganz klar zum Ausdruck bringen, dass wir genügend Ideen haben um unser Produkt weiter kontinuierlich zu verbessern. Uns kann in diesem Zusammenhang nichts Besseres passieren als von Marktbegleitern umgeben zu sein, die so selbstverliebt sind, dass sie sich auf das Schlechtreden von Wettbewerbern konzentrieren. Wir arbeiten daher ganz unabhängig von den persönlichen Einschätzungen des Herrn Prothmann weiter an unseren Angeboten.

    Eine Produktbroschüre zu unseren Innovationen finden sich auf:
    http://www.nussbaum-mediadaten.de

  • 15. November 2011, 12:03 Uhr

    Hardy Prothmann meint

    Hallo Herr Tews,

    schön, dass Sie auch ein wenig im Netz surfen und so gucken, was man über Sie so in Erfahrung bringen kann.

    Und wirklich sehr beeindruckend ist Ihr Zeitgefühl: „einige Monate her“, schreiben Sie. Konkret sind das 21, was fast zwei Jahre sind. Respekt!

    Verzeihen Sie den Ausdruck “kein gescheites Konzept”.

    Als “Redakteur meines Anspruchs” gehe ich mit der Sprache sehr genau um und bin trotzdessen gerne bereit, mich zu verbessern (dazu gehört auch, dass ich Ausdrücke wie „weiter kontinuierlich“ und ähnlichen Hohlquatsch vermeide).

    Ich korrigiere meine Aussage also: Selbstverständlich haben Sie vermutlich ein “Konzept”, ein “gescheites” kann ich nicht erkennen, wohl aber ein miserables. Ist Ihnen das so lieber? Trifft es das genauer? Oder muss ich noch konkreter werden?

    Was Sie als „schlechtreden“ bezeichnen, nenne ich eine Meinung haben. Auf den Punkt. Begründet.

    Woher nehmen Sie eigentlich die Berechtigung, zwischen schlecht und gut zu unterscheiden? Ich habe Gründe genannt, Sie lavieren rum.

    Das Rumschwurbeln überlasse ich Ihnen gerne – bislang habe ich sogar den Eindruck, den ich auch gerne nochmals ausdrücklich bestätige, dass Sie das wirklich sehr gut können.

    Schön, dass Sie Ideen haben und schön, dass Sie “weiter kontinuierlich verbessern”.

    Noch schöner, dass Sie mir dankbar sind. Nett ist übrigens Ihre Einschätzung: “Marktbegleiter”. Sehr luschdisch.

    Ganz ehrlich Herr Tews? Ich muss leider auf Ihre Begleitung verzichten. Denn wir haben leider nichts, tatsächlich nichts, gemein.

    Arbeiten Sie weiter an Ihren Angeboten – Verlautbarungsblättern ohne erkennbaren journalistischen Anspruch. Die Inhalte Ihrer „Informationen“ bezahlen ja meistens „Auftraggeber“.

    Ich mache das Gegenteil – ganz selbstverliebt und voller Stolz auf meine Leistung.

    Sind Sie stolz auf Ihre Anzeigenblätter? Diese Bürgermeister-was-bin-ich-toll-Verlautbarungsorgane?

    Diese miese Druckqualität? Diese Bleiwüsten, vom Steuerzahler bezahlt und von Ihnen per Abo noch mal versilbert?

    Bilden Sie sich darauf wirklich etwas ein? Ich vermute schon, sonst hätte ja der Restfunke von ich-weiß-nicht-was, Sie ja nicht zu einer Antwort bewegt.

    Die Frage, woher ich die Qualität Ihres Konzepts kenne, Herr Tews, ist einfach beantwortet: Ich schaue einfach, was Sie und Ihr Haus an (journalistisch) minderwertigem Zeugs produzieren und in die Öffentlichkeit bringen.

    Sie verzeihen, dass ich da nicht unbedingt noch weiter illusorisch nachhake und tatsächlich vermuten müsste, es könnte etwas wie ein (kluges) Konzept dahinter stecken?

    Ihre Behauptung, ich hätte mit Ihnen nie gesprochen, ist übrigens eine falsche Tatsachenbehauptung. Wir haben telefoniert: Soll ich die Gesprächsdaten und die Notiz raussuchen?

    Ich vermute, Sie ersparen mir die Mühe. Trotzdem darf ich an dieser Stelle eine kleine Geschichte erzählen:
    In dem von Ihnen verlegten Mitteilungsblatt der Gemeinde Heddesheim dufte der SPD-Fraktionschef Jürgen Merx eine Lüge über mich verbreiten. Keine Meinung, sondern eine falsche und unwahre Tatsachenbehauptung.
    Wäre ich irgend so ein prozesswütiger Idiot, hätte ich die Abmahnschraube drehen können. Ich habe mich für den zivilen Gang der Dinge entschieden und eine Gegendarstellung verfasst, die allen Regeln einer Gegendarstellung entspricht und diese an die Gemeinde gesandt.
    Der Bürgermeister erklärte sich (obwohl vermutlich presserechtlich verantwortlich) für nicht zuständig und hat diese Gegendarstellung an Sie weitergeleitet.
    Etwas später bekam ich Post von (vermutlich teuer bezahlten) Stuttgarter Anwälten, die ziemlich sicher Nussbaum-Medien bezahlt hat, um zu erklären, weshalb eine Gegendarstellung nicht zulässig sei.
    Eine weitere Auseinandersetzung in der Sache war mir echt zu blöd, weil ich an den Verstand der Leute glaube und nicht an institutionalisierte Monopole.

    Wenn man nun weiß, dass viele Gemeinden ein Heidengeld an Nussbaum-Medien zahlen, um die Mitteilungsblätter zu drucken, in denen die Bürgermeister ständig lächelnd alten Damen Blumen überreichen und ähnlich konzeptionell anspruchsvolle “Informationen” lokal verbreitet werden und umgekehrt Nussbaum-Medien aus der Portokasse Anwälte bezahlt, die berechtigte Einsprüche verhindern sollen, dann, ja dann, Herr Tews (das „lieber“ spare ich mir und wünsche mir das auch von Ihnen), hat man ungefähr eine Vorstellung von dem, was Sie als “Konzept” bezeichnen und muss sich fürchten, was Sie unter “weiter kontinuierlich verbessern” verstehen mögen.
    (Nicht nur Papier – auch Bildschirme sind geduldig. Sollte Ihnen der Satz zu lang gewesen sein, einfach noch mal lesen…)

    Haben Sie Interesse daran, dass ich den Vorgang öffentlich darlege, Herr Tews? Um den „journalistisch-redaktionell-hehren Anspruch“ der Nussbaum-Mediengruppe zu dokumentieren?

    Wenn ja, bitte ich um eine kurze Antwort, ich werde den Wunsch sofort und umgehend erfüllen.

    Wenn es nicht ganz so eilig ist, lassen Sie mir noch etwas Zeit, bitte. Ich sammle nebenbei ein wenig Material über die Nussbaum-Medien und werde, wenn es meine Zeit erlaubt, irgendwann ein Porträt über dieses „Unternehmen“ veröffentlichen.

    Dabei werde ich übrigens ungefragt von vielen Menschen unterstützt, die mir übers Internet einfach so Informationen über Ihr, also des Nussbaum-Medien-Verlags-Treiben, zusenden, weil sie sehr, sehr unzufrieden sind.

    Und da ich weiß, dass Sie teure Anwälte in Stuttgart jederzeit auch für andere bezahlen, die Ihre Kunden sind, vermute ich, dass Sie in eigener Sache noch viel mehr Geld auszugeben bereit sind. Deswegen muss das alles schon sehr, sehr genau sein.

    Aber das wird es.

    In diesem Sinne – allerbeste Grüße bis zum nächsten Mal.

    Hardy Prothmann

    P.S. Herr Tews, ich verstehe Ihren Unmut. Wie kann jemand schlecht darüber reden, dass die Nussbaum-Medien-Gruppe so lange so erfolgreich war, fragen Sie sich sicherlich.
    Haben Sie nicht jahrzehntelang für Ordnung gesorgt? Nie Kritik geäußert, sondern immer nur Wünsche erfüllt? Als so eine Art Weihnachtsmann ohne Rute? Immer zuverlässig im Dienste von Bürgermeister und deren diesen untergebenen Gemeinden?
    Und jetzt soll das alles schlecht sein? Nur weil so ein dahergelaufener Journalist kommt und kritisiert, dass Sie Verlautbarungsorgane verbreiten?
    Und weil irgendwelche Leute das alles auch noch glauben, was, ich zitiere einen Ihrer Vertreter, „ein kleiner, mittelloser Journalist“ so sagt? Und womöglich Abos kündigen?
    Das ist vermutlich echt bitter.
    Ich stehe jeden morgen auf und schaue gerne und kritisch in den Spiegel – das möchte ich Ihnen auch empfehlen. Manchmal hilft das, um auf andere Gedanken zu kommen.

  • 18. November 2011, 17:52 Uhr

    Andreas Tews meint

    Mir ist meine Zeit zu schade um auf Ihren Bödsinn länger als mit vier Sätzen zu antworten. Daher beende ich das meinerseits hiermit bevor es weiter hin und her geht. Antworten Sie was Sie wollen. Vielleicht interessiert es ja jemanden.

  • 18. November 2011, 17:53 Uhr

    Andreas Tews meint

    Blödsinn (ist zwar nur eine Korrektur, so wird es aber ungewollt nochmals zur Betonung)

  • 23. November 2011, 17:31 Uhr

    Hardy Prothmann meint

    Hallo Herr Tews,

    Sie scheinen ein nervöser Mensch zu sein. Und leider auch nicht sonderlich logisch. Lesen Sie einfach nochmal Ihren Kommentar, vielleicht kommen Sie ja drauf.

    Gruß
    Hardy Prothmann

Kommentar abgeben

*Pflichtfeld