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Der Innovation auf der Spur

Footprints

“Das kommerzielle Denken geht mir ab” – über die Pflege des Schwarms (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 5)

Der Raum, vor dem deutsche Zeitungsverleger Respekt haben könnten, misst keine 20 Quadratmeter und liegt in einem unscheinbaren Gebäude in einem unscheinbaren Dorf in den Ausläufern des bayerischen Waldes. Von hier aus dirigiert Michael Wagner einen Schwarm von fünf Fotografen, knapp fünfzig Online-Redakteuren und 1.500 freiwilligen Datenpflegern aus den Fußballvereinen Ostbayerns. Vor drei Jahren, im Alter von 16 Jahren, hat er die regionale Sportnachrichten-Website Fußball Passau gegründet und erreicht damit pro Tag etwa 10.000 Besucher, die zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Page-Impressions pro Monat verursachen. Mit einem regionalen Themenportal spielt er also mit in der Liga der kleineren bis mittleren Regionalzeitungsverlage.

Marian Semm: Herr Wagner, wie begeistert man fünfzig feste Mitarbeiter?

Michael Wagner: Am besten mit Unverbindlichkeit. Ich sage den Mitarbeitern “du kannst jederzeit aufhören, du verpflichtest dich zu nichts.”

Marian Semm: Aber sie sprechen sie schon aktiv an, sie warten nicht darauf, dass sie freiwillig zu Ihnen kommen.

Michael Wagner: Nein, eigentlich melden sich die Leute, die Lust haben mitzumachen, bei mir.

Fußball Passau pflegt den Schwarm, Honorar ist die Ausnahme.

Marian Semm: Honorar gibt es keins, richtig? Woher diese Anziehungskraft?

Michael Wagner: Wir haben schon ein Wir-Gefühl, die Leute merken, dass es uns wirklich um den Regionalfußball geht. Und bei uns lebt der Fußball. Alle paar Kilometer ein Verein, in jedem Ort. Das interessiert alle hier bei uns.

Marian Semm: Neben den fünfzig festen Mitarbeitern haben Sie auch noch 1500 Leute in den Vereinen, die die Profilseiten pflegen. Wie kümmert man sich um die?

Michael Wagner: Die bekommen einen Zugang und können ihre Angaben pflegen. Die machen das von sich aus. Kontakt haben wir kaum.

Marian Semm: Und das funktioniert wirklich alles ohne einen Cent Honorar?

Michael Wagner: Wir haben eine kleine Aufwandsentschädigung. Aber nur für Fotografen, wenn die für uns zu einem Spiel fahren. Ein geringes Benzingeld. Und in unserem Monatsmagazin Querpass, das ist gedruckt, da haben wir ab und zu einen Autoren, der bekommt 20 Cent für die Zeile – aber das ist die absolute Ausnahme, wir nehmen keine Beiträge an. Und Online gibt es nichts, das tät gar nicht gehen.

Marian Semm: Die Mitarbeiter machen das freiwillig.

Michael Wagner: Ich chatte mit vielen ganz regelmäßig über Skype und ab und zu telefoniere ich. Und hin und wieder gibt es auch Teamtreffen, zum Beispiel zum Saisonabschluss oder Weihnachtsfeiern. Auch damit sich die Mitarbeiter untereinander besser kennen lernen. Die wissen auch, dass da kein Millionengeschäft dahinter steckt. Das ist mir wichtig, dass es so bleibt.

Marian Semm: Sie wollen gar kein Geschäft machen?

Michael Wagner: Naja ein Geschäft wird es nie werde. Ich versuche momentan das Ganze finanziell aufzubauen, weil es zeitlich einfach nicht mehr anders geht. Seit August bin ich selbständig und lebe momentan vom Gründungszuschuss. Ich habe keine großen Belastungen – kein Auto, keine Freundin und das Zimmer hier stellt mir mein Vater zur Verfügung. Aber ein bisschen was brauche ich, momentan muss ich mit so 450 Euro im Monat auskommen.

Marian Semm: Ist das überhaupt möglich, mit FuPa Geld zu verdienen?

Michael Wagner: Möglich ist das schon, man muss es einfach mit der Zeit aufbauen. Wir bieten für Firmen interessante Werbeflächen.

Marian Semm: Aber über Vermarkter kommen Sie aber sicher nicht auf mehr als einen Euro für Tausend Seitenabrufe?

Michael Wagner: Eher weniger. Aber wir vermarkten auch selbst, und zwar lokal, dazu haben wir Bannerplätze auf der Startseite für 99 Euro pro Tag und auf den Ligenseiten für 25 Euro pro Monat. Auf die Startseite kommen an die 10.000 Nutzer pro Tag.

Marian Semm: Und um das zu ergänzen, produzieren Sie jetzt zum Online-Auftritt FuPa den gedruckten Querpass, ihr monatliches Fußballmagazin.

Michael Wagner: Das hat nichts mit dem Internet zu tun. So ein Magazin gab’s hier schon mal vor zehn Jahren, das hat uns gut gefallen, aber es gab es nur für kurze Zeit. Wir versuchen das jetzt halt wieder.

Marian Semm: Und da drucken Sie Ihre Internet-Artkel ab?

Michael Wagner, Betreiber von Fußball Passau und Herausgeber des regionalen Fußballmagazins Querpass.

Michael Wagner: Nein, überhaupt nicht. Online machen wir aktuelle Nachrichten und Statistik, im Magazin drucken wir nur Hintergrund und Sachen zum Schmunzeln. Alle Beiträge werden eigens und nur für das Magazin geschrieben. Das sind ganz andere Inhalte und Themen. Und Tabellen machen ja gar keinen Sinn in einem Monatsmagazin. Wir schreiben über Spieler aus der Region, die es zu was gebracht haben in der Bayernliga oder der zweiten Bundesliga, hier (zeigt auf eine Ausgabe): Unterhaching, FC Augsburg. Und haben ein Foto von der Spielerfrau des Monats, eine Rubrik “Talente der Region” und neulich haben wir festgestellt, dass es drei Brüder gibt, die in der gleichen Liga spielen, aber in drei verschiedenen Vereinen.

Marian Semm: Ich habe eben nachgezählt: In der Ausgabe Januar/Februar finde ich siebeneinhalb Seiten Werbung bei insgesamt 44 Seiten. Und es ähnelt mehr Kicker oder SportBild als dem regionalen Sportteil einer Zeitung. Das sieht nach Aufwand aus. Trägt sich denn das Magazin?

Michael Wagner: Ja, es trägt sich – und wir haben schon 300 feste Abonnenten bei einem Preis von 2,90 Euro. Die zweite Ausgabe wurde über 1000 mal verkauft.  Gedruckt haben wir zweieinhalbtausend Magazine, die meistenverkaufen wir an Tankstellen und auf dem Fußballplatz. Wir sind überzeugt, dass wir unsere Verkaufszahlen von Ausgabe zu Ausgabe steigern können, aber auch das ist schwer. Nicht alle jungen Leute sind dazu bereit, heutzutage ein Print-Magazin zu kaufen.

Marian Semm: Aber eine Werbung für ein Magazin – für wieviel Euro sagen Sie?

Michael Wagner: Für 350 Euro pro Seite.

Marian Semm: Also Werbung in einem Magazin mit 2.500 Exemplaren Auflage, die drei Mal so teuer ist, verkauft sich leichter als ein Banner auf einer Seite mit 10.000 Visits?

Michael Wagner: Das Internet muss man vielen halt erst mal erklären. Online-Werbung wird besser, aber es wird schon noch seine Zeit dauern, bis sich das durchgesetzt hat.

Marian Semm: Was sind Sie denn eigentlich? Unternehmer, klar. Und sonst? Journalist? Informatiker?

Michael Wagner: Nein, Journalist bin ich nicht. Überhaupt nicht. Das kann ich gar nicht. Ich war schlecht in Deutsch. Und ab und zu muss ich etwas schreiben. Schlimm. Da fühle ich mich unwohl. Ich bin Informatiker, Fotograf, Organisator, Ideengeber. Und Marketing mache ich auch. Aber bin ich Unternehmer? Formal bin ich Geschäftführer der FuPa GmbH. Aber mir fehlt die Kaltschnäuzigkeit und das kommerzielle Denken geht mir ab.

Marian Semm: Wo geht Ihre Reise denn hin?

Michael Wagner: Da gibt es einige Pläne. Aber über die rede ich nicht so gerne. Die Regionen Landshut und Straubing haben im letzten halben Jahr brutal zugelegt. Aber wir können da noch besser werden.

Marian Semm: Da sie ja ihre Datenbank schon mal haben, könnten Sie ja relativ einfach ihr Gebiet vergrößern.

Michael Wagner: Es gibt diese Gedanken. Aber die Datenbank allein ist es auch nicht. Es muss jemand dahinter stehen und in der Region präsent sein, die Leute kennen und das alles publik machen.

Mehr über Michael Wagner und seine Projekte FuPa und Querpass bei Christian Jakubetz und bei der Medienagentur Denk.

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Kommentare

  • 26. März 2010, 10:25 Uhr

    jw meint

    Interessant. Aber sehe ich das richtig, dass Sie auf die FuPa-Seite nicht verlinkt haben :(

    • 26. März 2010, 14:29 Uhr

      marian_semm meint

      Kleiner Tipp: Der erste Absatz… :)

      • 26. März 2010, 14:32 Uhr

        jw meint

        Extrem gut versteckte Links. Nichts für Brillenträger.

        • 26. März 2010, 14:41 Uhr

          marian_semm meint

          Oh, mir dämmert, ich muss mal mit dem Grafiker reden, ging mir selbst auch schon mal so…

          • 29. März 2010, 10:08 Uhr

            Markus meint

            Hallo!

            Dazu wird gar nicht zwingend ein Grafiker benötigt ;) Ganz einfach:

            - WordPress-Backend aufrufen
            - Im Menü “Design” den Editor aufrufen
            - Falls noch nicht ausgewählt, die Datei “Stylesheet (style.css)” aufrufen
            - In Zeile 33/34 (a {…} ) folgendes ergänzen: border-bottom: 1px solid
            - Schon sind die Links unterstrichen, dürfte also in Zukunft wesentlich leichter zu erkennen sein :)
            - Falls nur die Links direkt in den Blogposts unterstrichen werden sollen, dann ans Ende der Datei folgendes einfügen:
            .post a {border-bottom: 1px solid;}

            Fertig :)

  • 13. April 2010, 09:43 Uhr

    Josef Roßmann meint

    Ein hoch interessanter Beitrag. Michael Wagner ist sicherlich bewusst, was für einen ungeschliffenen Edelstein er da hat. Aus FuPa könnte man kommerziell sehr viel machen – wenn man das denn überhaupt will.
    Ich lese aus dem Beitrag aber eher heraus, dass das für ihn gar nicht das Ziel ist – was ihn nicht weniger sympathisch macht.

  • 8. Mai 2010, 05:42 Uhr

    vera meint

    Hab den Beitrag erst jetzt gesehen und nun endlich mal das RSS-Feed in meinen Reader geladen.

    Eigentlich schade, daß Michael nicht jemand mit derselben Wellenlänge und merkantiler Begabung zur Seite steht. Da steckt so viel drin, auch ohne es gnadenlos zu kommerzialisieren.

    Freue mich schon auf die Fortsetzung dieser Serie.

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