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Der Innovation auf der Spur

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Multikanalproduktion und Redaktionsorganisation – das Fremdeln der Redaktionssysteme mit dem Fortschritt (Special zur IFRAexpo 2010)

Für Zeitungsverlage, die künftig mehr als nur Meldungen von gestern und vorgestern ins Web stellen möchten, ist die Investition in ein neues Redaktionssystem oder der Ausbau des bestehenden eine heikle Sache.

Multichannel Publishing, Redaktionscockpit, Planungstools, verteilte Suche, semantische Verschlagwortung – das waren die Buzzwords der vergangenen Jahre, aber unterm Strich läuft das ziemlich zäh mit den Innovationen. Man muss das nicht mit der atemberaubenden Schlagzahl von Apple, Google und Facebook vergleichen. Aber ich würde erwarten, dass nach 15 Jahren Internet sich auch bei den Herstellern von Redaktionssystemen eine gewisse Routine im Umgang mit Neuerungen eingestellt hätte. Jedoch, einige Präsentatoren der Branche klingen noch immer wie ein Eskimo, der ein Kamel verkaufen möchte. Wer mir das nicht glaubt, kann sich in der kommenden Woche in Hamburg selbst ein Bild davon machen (IFRAexpo, 4. bis 6. Oktober 2010).

Hersteller von Redaktionssystemen wäre gut angeraten, sich tiefer mit dem Umbruch der Branche und ihren Abläufen und Produkten besser auseinander zu setzen – und die Erkenntnisse daraus konsequenter in ihre Produktentwicklung und Entwicklungsprozesse einfließen lassen. Es genügt nicht, ein solides Satzsystem mit ein paar Extras (nichts anderes sind Redaktionssysteme bisher) hinzustellen. Die Innovationszyklen müssen massiv verkürzt und geöffnet werden und es muss ein wesentlich besseres Verständnis entwickelt werden, wie in Redaktionen gearbeitet wird. Ich glaube, dass sich die Zukunft der Hersteller an zwei Punkten entscheidet:

Erstens: Dem Umgang mit der Multikanalfähigkeit. Die endet nämlich nicht bei einer schicken Oberfläche für Reporter, sondern fängt dort erst an. Wie handhabt man einen sehr großen Datenbestand für Print, Web und was weiß ich, was noch kommen mag (und nicht nur den Stehsatz und die Produktion bis zehn Tage nach Erscheinungdatum)? Einen Datenbestand mit verschiedenen internen und externen Quellen (und nicht nur ein paar Agenturen)? Wie werden die Rechte nachgehalten? Wie wird eine effektive Suchfunktion intern und extern umgesetzt? Wie die Oberflächen für verschiedene Rollen angepasst? Wie eine medienneutrale Honorierung realisiert? Wie aktuelle Sportergebnisse und Tabellen für Print und Web? Wie aktuelle Veranstaltungsdaten? Integration externer Datenquellen, etwa bei Wahlen? Wie unterstützt das System bei der Suchmaschinenoptimierung?

Zweitens: Die Organisation der Redaktion. In welchem Verhältnis stehen Inhalte der Veranstaltungsdatenbank mit dem Redaktionskalender? Wie werden persönliche Terminkalender geführt? Wie werden Themen geplant? Wie wird die Themenplanung in die Veröffentlichung überführt? Welche Rolle spielt ein Blattkonzept? Wie werden Aufträge an Reporter, Fotografen, VJs, Infografiker, freie Mitarbeiter nachgehalten? Wie kann ein zentrales Kontaktmanagement realisiert werden? Und wie unterstützt das System bei der Redaktionsverwaltung und -steuerung? Welche Rahmenmerkmale für Recherchestandards, -prozesse und -werkzeuge bietet das System an? Wie können (Echtzeit-)Statistiken die Redaktion unterstützen?

Zu einigen Fragen habe ich noch nie von einem Redaktionssystemhersteller eine Antwort gehört. Und viele übrigen Antworten stellen mich oft nicht zufrieden. Die jüngere Vergangenheit hat mir da ein paar Erlebnisse beschert:

  • Wie kann es sein, dass in aktuellen Projekten noch immer Systemarchitekturen eingeführt werden, die eine nahezu hermetische Trennung zwischen Agentureingängen, Produktionsdatenbanken für gedruckte Produkte, einem Content-Management-System (CMS) und dem Archiv vorsehen? Wie soll in so einer Architektur das Maximale aus dem Inhaltsbestand geholt werden? Davon ist die Frage ob Free, Freemium oder Paid Content noch nicht mal berührt.
  • Wie kann es sein, dass sich ein Redakteur entscheiden muss, ob er jetzt in der Produktion, im Archiv oder bei den Agenturen sucht? Warum zeigt die Suche für Redakteure und für Web-Nutzer (in diesem Fall unerwünschterweise) voneinander abweichende Ergebnisse?
  • Wie kann es sein, dass ein Sporttabellenprogramm nicht in Echtzeit mit der Website integriert ist? Und warum müssen die Ergebnisse von Hand eingegeben werden? Warum kann das ein 19-jähriger Niederbayer besser?
  • Warum muss ein Redakteur drei nicht zusammengeführte Kalender im Blick halten? Das kann ein (kostenloser) Google-Apps-Kalender besser!
  • Wie kann es sein, dass das Redaktionssystem dem CMS diktiert, Nachrichten nach Ausgabegrenzen von Printprodukten zu gruppieren?
  • Wie kann es sein, dass der Lebenszyklus eines Artikels in der Produktionsdatenbank für Printprodukte diktiert, wie lange ein Artikel im Netz stehen soll, nämlich lächerliche zehn Tage?
  • Warum müssen Veranstaltung in drei verschiedenen Systemen jeweils manuell erfasst werden?

Fairerweise muss gesagt werden: In vielen Redaktionen tobt über viele Punkte auch ein Kampf. In vielen Häusern ist die Rolle der Multikanalpublikation nicht in der Strategie verankert – sondern oszilliert zwischen “Online first”, “Online last” und “besser erst mal nicht entscheiden”. Aber es ist nicht nur ein Henne-Ei-Problem – viele vordergründig attraktive Lösungen haben sich als wenig durchdacht herausgestellt und die Hersteller als zu wenig beweglich, schnell Impulse aufzunehmen und umzusetzen.

Zu meiner Zeit bei der IBM wurde ich im Monatstakt von Kollegen bedrängt, die bei Verlagen alten Redaktionssysteme (wir haben oben gelernt: eigentlich sind es Satzsysteme) ablösen wollten durch ein Standard-CMS. Ich habe das für ein so naives wie tollkühnes Ansinnen gehalten und abgelehnt – die Lücke zwischen einem CMS und einem Redaktionssystem erschien mir zu groß.

Und jetzt erlebe ich seit Jahren, wie sich eine andere Lücke nicht schließen will – nämlich die zwischen den Redaktionssystemen und den Anforderungen des Web-Publishings. Und mir erscheint ein Schritt nur zu logisch: Ein aktuelles, am Puls der Zeit gehaltenes CMS in den Mittelpunkt als zentrale Drehscheibe für alle Medien und das ganze ergänzt um ein Rumpf-Redaktionssystem, das die Veredelungsstufe Printprodukt abbildet. Sonst nichts.

Zu kühn der Gedanke? Fand ich auch mal. Aber die Zeiten ändern sich.

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Kommentare

  • 1. Oktober 2010, 10:24 Uhr

    Martin Huber meint

    Da können wir in vielen Teilen der Analyse voll zustimmen! Und liefern mit der gogol Publishing Cloud auch einen Lösungsansatz der genau das umsetzt, was sie fordern: “Ein aktuelles, am Puls der Zeit gehaltenes CMS in den Mittelpunkt als zentrale Drehscheibe für alle Medien und das ganze ergänzt um ein Rumpf-Redaktionssystem, das die Veredelungsstufe Printprodukt abbildet. Sonst nichts.”

    Damit wir die sich verkürzenden Innovations-Zyklen abbilden können, haben wir uns für eine Cloudbasierte-Architektur entschieden. So können wir regelmäßig neue Funktionen einbauen ohne dass der Anwender etwas tun muss.

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