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Der Innovation auf der Spur

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Auf Augenhöhe mit dem Platzhirschen – wie eine profitable Nur-Online-Regionalzeitung funktioniert (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 6)

Ich gebe zu, ein typisches Ortsblog ist es nicht. Ich bin trotzdem einem Tipp nachgegangen, noch dazu weil er ausgerechnet von Verlegerseite kam. Und so habe ich Frank Sczepurek kennen gelernt, einen Unternehmer aus dem Kölner Raum, der mit seinem Kompagnon eine – ja, was? –  eine Werbeagentur betreibt? Ein Systemhaus? Einen Internet-Service-Provider? Eine Denkfabrik für Online-Projekte? Eine Online-Zeitung?

Oberberg Online ist in all diesen Gebieten aktiv und versteht es wohl auch, diese Geschäftsfelder sinnvoll zu verknüpfen. Zehn Jahre ist jetzt Oberberg Aktuell eines dieser Standbeine, “Zeitung für die Region” wie es sich nennt. Es erreicht nach eigenen Angaben pro Tag mehr als 10.000 Besucher und liefert pro Monat mehr als 6 Millionen Page Impressions aus. Und diese Nur-Online-Zeitung ist profitabel, sagt Frank Sczepurek.

Marian Semm: Wann ist Ihnen gedämmert, dass die Zeitung auf Papier dem Tode geweiht ist?

Frank Sczepurek: Das war 1996 und es war mir sofort klar. Ich hatte mich damals mit dem Internet befasst und ziemlich schnell begriffen, was für neue Möglichkeiten sich damit bieten. Ich erinnere mich, wie ich auf einer Veranstaltung davon gesprochen hatte, dass man selbstverständlich Nachrichten online liest oder Reisen über das Internet buchen werde – dafür bin ich ziemlich belächelt worden. Und es kam genau so. Ich lag nur mit dem Tempo daneben – ich hätte gedacht, dass es schneller geht.

Marian Semm: Was muss man denn tun, um eine profitable Nur-Online-Lokalzeitung zu betreiben?

Oberberg Aktuell erreicht täglich mehr als zehntausend Unique User und liefert pro Monat mehr als sechs Millionen Page-Impressions aus.

Frank Sczepurek: Für unseren Fall gilt: Man muss Nebenwege beschreiten. Oberberg Aktuell alleine ist es nicht für uns. Die Zeitung ist ein Mittel zum Zweck, uns geht es um die Aufmerksamkeit und um die vielen Kundenkontakte, die wir über die Zeitung herstellen. Aber für uns war auch am ersten Tag klar, wenn wir eine Zeitung machen, dann muss das ein bestimmtes Niveau haben. Wir haben natürlich damals nach Köln geschaut und uns die seriöseste Tageszeitung Zeitung zum Vorbild genommen. Denn Qualität war uns sehr wichtig. Wir wollten kein Boulevardniveau haben.

Marian Semm: War ihnen klar, welcher Aufwand damit verbunden sein würde?

Frank Sczepurek: Wir haben uns von Anfang an die besten Leute geholt, die wir bekommen konnten. Wir hatten damals Webseiten für 13 Städte und Gemeinden programmiert. Dadurch waren wir sehr präsent in den Medien. Online-Pioniere hießen wir damals. Durch diese Tätigkeit konnten wir sehr gute Kontakte knüpfen.  Zum Start haben wir uns einen Sportressortleiter einer hiesigen Zeitung geholt und einen erfahrenen Lokaljournalisten. Wir haben gesagt: Ihr sorgt für den Inhalt, wir für die Vermarktung und die Technologie. Vorteil war auch: Wir waren um das Jahr 2000 in einigen Bereichen technologisch ganz vorne mit dabei, ich meine bundesweit. Wir hatten schon sehr früh eines der größten Multi-Player-Online-Spiele betrieben zum Beispiel. Und Oberberg Aktuell ist die zweite reine Internetzeitung überhaupt. Kurz danach wurde übrigens erst die Netzeitung gegründet.

Marian Semm: Die es heute schon nicht mehr gibt. Sie dagegen sind gewachsen.

Frank Sczepurek: Was die Netzeitung angeht, verstehe ich den Verleger nicht unbedingt, es ist doch klar, dass man erst mal investieren muss. Und vor allen Dingen durchhalten.  Ich persönlich halte es für sehr kritisch eine der ersten Internetzeitungen mit gewachsener Struktur und Kunden einfach abzuschalten. Gereade bei der Netzeitung war alleine die Bekanntheit im Internet enorm. Eine unglaubliche Markenbekanntheit wurde da zu Grabe getragen. Diesen Markenwert hätte man mit einer anderen Zeitung günstiger kaum erreichen können.  Mir hat die Netzeitung sehr gut gefallen. Wir haben durchgehalten – und heute arbeiten 16 feste Journalisten und Fotografen für uns. Dazu kommen viele Freie Mitarbeiter. Und wir haben eine schöne Technik sowie ein eigenes Rechenzentrum. Bei uns ist vieles automatisiert.

Marian Semm: Aber da arbeiten nicht alle 16 Mitarbeiter in Vollzeit, oder?

Frank Sczepurek: Nein. Ich muss ehrlich sagen, ich weiß es  im Augenblick nicht ganze genau, da die Zeitung von der Zuständigkeit des Personals völlig eigenständig läuft. Ich sehe nur die Gesamtkosten. Auch die Anzahl der freien Kräfte sind mir im Moment nicht bekannt. Ganz genau kann ich Ihnen das nur für unsere Entwicklungsabteilung und die Werbeagentur sagen, da Sie mir direkt unterstellt sind. Aber  es gibt viele, die aus Spaß am guten Journalismus mitarbeiten. Es gibt auch einige, die sind nicht ausgebildet, besitzen jedoch eine sensationelle Schreibe. Ich arbeite in der Firme generell gerne mit jungen Leuten zusammen, auch mit Schülern. Wenn ein gut ausgebildeter Journalist die im Bereich Online-Aktuell an die Hand nimmt und gut führt, kommt oft ein sehr respektables Ergebnis dabei heraus. Man muss auch sagen, dass die Mitarbeiter hier und da auch noch Unterstützung aus unserem Agenturbereich bekommen. Wir haben auch einige Leute, die uns auf freiwilliger Basis zuarbeiten. Denen gefällt das Produkt und die haben einfach Spaß daran, uns zu unterstützen.  Die Zahl dieser Leute wird übrigens nicht kleiner, nur weil wir auch wirtschaftlichen Erfolg haben, die Zahl dieser Leute wächst und wächst.

Marian Semm: Die Kosten für diese Mitarbeiter, für die Technik, für die Freien Mitarbeiter – sind die gedeckt durch die Vermarktung?

Frank Sczepurek, Betreiber der Nur-Online-Zeitung Oberberg Aktuell.

Frank Sczepurek: Die sind gedeckt durch die Vermarktung, in manchen Jahren haben wir auch einen bescheidenen Überschuss erwirtschaftet. Wobei es uns bei Oberberg Aktuell nicht auf den Überschuss ankommt, sondern auf die vielen lokalen Kontakte, die wir dadurch bekommen. Für die Firma ist Oberberg Aktuell ein Aushängeschild. Wir müssen lediglich unsere Mitarbeiter bezahlen und wir möchten nicht großartig drauflegen.

Marian Semm: Eine Zeitung in einem Gebiet wie dem Ihren käme auf einen lokalen Anzeigennettoumsatz in der Größenordnung von vielleicht zwei oder drei Millionen Euro pro Jahr. Wieviel Umsatz erreichen Sie?

Frank Sczepurek: Wir schaffen natürlich nicht so viel. Ich möchte es nicht genau sagen – jedenfalls liegen wir unter einer Million Euro. Das ist aber vor allem strukturell bedingt, bei uns ist der Aufbau des Vertriebs nicht so weit fortgeschritten. Wir haben noch einiges zu tun. Das Potenzial ist da, wir holen es nur noch nicht ab. Die Kunden kommen weitgehend auf uns zu und wollen schalten.  Zu deren Betreuung haben wir nur eine Mitarbeiterin, welche Anzeigen entgegennimmt und einbucht. Wir haben noch keinen ausgebauten Vertrieb. Wir arbeiten auch noch stärker an der Automatisierung der Werbeschaltung. Auch die notwendigen Adserver betrieben wir selbst in unserem Hause und passen diese auf unsere technischen Bedürfnisse an.

Marian Semm: Würde denn Oberberg Aktuell auch für sich alleine funktionieren, also ohne die Agentur?

Frank Sczepurek: Ich glaube schon, dass das funktionieren könnte. Aber es wäre ungleich schwieriger, weil die Befruchtung und der Know-How-Transfer innerhalb der Firma so wichtig sind. Was würde die journalistische Arbeit nützen, wenn das Verständnis für die Technologie fehlt? Wir sprechen von 16 Mitarbeitern, die dahinter stehen, das hört sich wenig an, aber es ist ungeheuer komplex. Nehmen wir die Fußball-Ergebnisse – die erfassen wir seit zehn Jahren just-in-time Sonntag abends. Desweiteren ziehen wir Ergebnisse aus verschiedenen Datenbanken automatisiert zusammen, ohne großen personellen Aufwand.

Marian Semm: Wussten Sie, dass viele Zeitungsverlage die Ergebnisse von Hand erfassen? Sonntag für Sonntag?

Frank Sczepurek: Das machen wir zum Teil auch – da wo es keine Datenbanken gibt, sind wir mittlerweile die Datenbank. Aber wir haben einen Vorteil, den die Zeitungen jetzt auch haben könnten, wenn sie sich drum gekümmert hätten: Wir werden seit vielen Jahren von den Menschen in der Region und von den Vereinen unterstützt, die schicken uns Spielberichte, Ergebnisse, Texte, Fotos, Neuigkeiten – zum großen Teil geht das automatisch über Webmasken, direkt in das System und zwar bis in die untersten Ligen. Sonst hätten wir sicher nicht so ein ausführliches Archiv, das geht immerhin zurück bis ins Jahr 2000 und wird immer wichtiger.

Marian Semm: Und die Lokalzeitungen in Ihrem Kreis, die Platzhirsche aus dem Hause der Kölnischen Rundschau? Haben die ihre Lichtungen nicht im Griff?

Frank Sczepurek: Platzhirsche gibt es. Und ich mag die eigentlich auch. Ich vermute aber, dass diese uns nicht mögen, was mir eher eine lokale Angelegenheit zu sein scheint. Die Zentrale handhabt das etwas souveräner.

Marian Semm: Sie setzen ja auch nicht die Zentrale unter Druck sondern die Außenstellen in Gummersbach und Waldbröl, oder?

Frank Sczepurek: Ja, da sind schon Redaktionen von Zeitungen aufgelöst und zusammen geführt worden. Ich weiß nicht, ob’s an uns lag.

Marian Semm: Das ist interessant – die Zeitungen bauen ab und Sie bauen auf, mit heute 16 Mitarbeitern, vielen Freien.

Frank Sczepurek: Ja, wir machen das Gegenteil. Und wir wissen die Aufmerksamkeit und Bekanntheit auch zu nutzen. Die Leute informieren sich hier, der eine geht in die Single-Börse, der andere spielt online oder beteiligt sich an unserem Jugendportal. Je höher die Bindung zu einem unserer Produkte, desto mehr Offenheit entsteht, andere Produkte aus unserem Haus zu nutzen. Wir haben einen geschlossenen Business-Kreislauf erschaffen! Oberberg Aktuell ist ein wichtiger Bestandteil. Aber eben nur ein Bestandteil, der zusammen mit den anderen Bereichen hervorragend funktioniert.

Marian Semm: Solche Kreisläufe habe ich vor zehn, zwölf Jahren in einigen Verlagen diskutiert, es ging immer darum, die Wertschöpfungskette zu erweitern. Das hat wohl ganz gut funktioniert in der Logistik und im Bereich Call-Center – allerdings ist mir nicht bekannt, dass irgendwo daraus eine tolle Online-Zeitung entstanden sein sollte. Sie haben auch so einen Kreislauf umgesetzt, aber mit ganz anderen Dienstleistungen. Ihre Online-Zeitung ist quasi nebenbei entstanden…

Frank Sczepurek: Ja, weil die Verlage nur an die Wertschöpfungkette in ihrer Tradition gedacht haben. Wir haben die Wertschöpfungskette in die Zukunft der Medien gedacht und denken die heute schon weiter.

Marian Semm: Wie sieht die Wertschöpfungskette von Oberberg Online konkret aus?

Frank Sczepurek: Für uns ist das Grundinstrument der PC, deshalb haben wir ein Systemhaus. Für die Leitungen den Providing-Bereich. Dann gehören dazu die Programmiertechnik und die Websites, dafür haben wir eine Agentur, die das entwickelt. Wir vermitteln Mobilverträge und Handies und schreiben auch noch die Anwendungen für die iPhones, und so weiter. Dazu gehören wiederum Werbekampagnen, das ist der dritte Bereich. Durch das eigene Rechenzentrum spielt auch Kapazität und Reaktionsschnelligkeit keine Rolle für uns. Selbst das ganze Payment wird schon seit 2003 von uns erfolgreich abgewickelt. Dann haben wir noch einen Unterhaltungsbereich, in dem wir Communities und Online-Games aufbauen. Und die Leute und die Gewerbetreibenden informieren sich über die Zeitung und wir erreichen damit viele lokale und regionale Kontakte.

Marian Semm: Sie haben vorhin gesagt, dass Sie den Werbevertrieb von Oberberg Aktuell noch nicht optimiert haben. Auf der anderen Seite sind Sie in den anderen Geschäftsbereichen weitaus aktiver, scheint mir. Kann ich daraus schließen, dass die Systemhausbirnen und Agenturkirschen süßer schmecken als die Früchte der Online-Zeitung? Oder es mühsamer ist, sich danach zu bücken?

Frank Sczepurek: Es war uns wichtiger, die Lücken in der Wertschöpfungskette zu schließen. Wir haben kürzlich ein Systemhaus gekauft und sind jetzt komplett. Zudem ist unser hohes Know-How die wichtigste Grundlage für künftige Geschäfte. Das ist unsere Versicherung. Jeder Banker würde uns sagen, ihr macht einen großen Fehler, ihr müsst schneller wachsen – aber wir setzen lieber auf Eigenwachstum. Damit haben wir auch schon zwei große Wirtschaftskrisen gemeistert.

Marian Semm: Liegt es daran, dass gute Außendienstler schwer zu finden sind im Oberbergischen Kreis?

Frank Sczepurek: Das Finden ist nicht das Problem, Oberberg Online ist hier eine Marke, die Leute rennen uns die Türe ein. Aber die Organisation muss stimmen, das Arbeitsklima muss passen, die Motivation. Deshalb achten wir sehr darauf, dass neue Mitarbeiter in die Chemie passen. Wir halten auch nichts vom typischen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis. Unsere Firma ist für unsere Mitarbeiter transparent. Auch die Zahlen. Die Mitarbeiter sind alle am Erfolg beteiligt und zwar zu einem großen Prozentsatz, der wohl in Deutschland einmalig sein dürfte. Einiges dauert bei uns vielleicht  länger als bei anderen Unternehmen. Wir sind dafür oft verlacht worden, aber für uns hat es sich ausbezahlt.

Marian Semm: Was müsste denn ein idealer Außendienstler für eine Nur-Online-Zeitung wie die Ihre mitbringen?

Frank Sczepurek: Der ideale Außendienstler, der hat am besten schon seine Kontakte, kennt die Leute. Der geht hin, sagt “machen wir’s wie letztes Jahr” und hat den Auftrag. Und Medienkompetenz ist wichtig. Wenn er die Sache nicht versteht, wird er nur auf sein Geld achten. Und dann wird er auf Dauer nicht die Kunden überzeugen und uns eher schaden.

Marian Semm: Verkaufen bei Ihnen auch Journalisten Anzeigen?

Frank Sczepurek: Ja, die Journalisten sind zwar nicht für den Anzeigenverkauf zuständig – aber jeder von ihnen hat Kontakte und wird auch angesprochen: Was könnense denn für mich machen? Was hammse denn fürne Lösung? Was würdense mir denn vorschlagen? Und die Journalisten pflegen engen Kontakt mit der Agentur und haben ein hohes Verständnis für die Agentur- und Technik-Themen und die Vermarktung. Die Identifikation mit dem Gesamtunternehmen ist auch sehr hoch.

Marian Semm: Jetzt muss ich eine kleine Geschichte loswerden: Ich bin mal als Volontär in einem Restaurant mit einem Tischnachbarn ins Gespräch gekommen. Ich habe ihm erzählt, dass ich an einer aufwändigen Reportage für eine Bau-Beilage arbeite. Der Mann war eine Woche zuvor Verkaufsdirektor einer Fertighausfirma geworden und wollte sofort eine halbe Seite  in dieser Beilage schalten. Ich bin hin zum Anzeigenverkäufer, der hat den Auftrag per Fax besiegelt, 1.400 Mark Umsatz. Dann hat der Redaktionsleiter das mitbekommen und da war dann der Teufel los. Der Journalist soll keine wirtschaftlichen Interessen haben, das ist und bleibt Sache des Verlags. Provision gab es übrigens keine für mich.

Frank Sczepurek: Unsere Redakteure arbeiten sehr nach journalistischen Grundsätzen. Unser Redaktionsleiter achtet sehr drauf – er hat auch schon mal eine Pressemitteilung unserer eigenen Agentur nicht veröffentlicht, weil sie ihm zu werblich erschienen ist. Oder er bringt nur zwei Sätze, obwohl ich als Verleger gerne eine ganze Seite gesehen hätte. Das ärgert mich schon – aber das ist akzeptiert bei uns, denn das macht die Qualität von Oberberg Aktuell aus.

Marian Semm: Was kostet der Betrieb von Oberberg Aktuell?

Frank Sczepurek: Genaue Zahlen möchte ich nicht nennen, aber ich kann soviel sagen: Größter Kostenblock ist das Personal in der Größenordnung von 70% der Gesamtkosten. Der Rest ist der Betrieb und die Weiterentwicklung der Technik und des Konzepts. Viele dieser Kosten fallen sowieso an, da wir die Technik und die Agentur für unsere Kunden vorhalten. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Marian Semm: Wenn ich das anhand ihrer Mitarbeiterzahl hochrechne, komme ich auf Gesamtkosten von etwa einer halben bis dreiviertel Million Euro. Sie erwähnten, dass Sie in manchen Jahren sogar einen Überschuss erwirtschaftet hätten. Da müssen Sie ja schone eine ziemliche Summe einspielen – wie machen Sie das?

Frank Sczepurek: Größte Erlösquelle ist die regionale Vermarktung mit etwa 80% Umsatzanteil. Etwa 10% kommen aus überregionaler Vermarktung, der Rest aus Honoraren für Vorträge und von Kunden, die Dienstleistungen von Oberberg Aktuell einbinden.

Marian Semm: Bekommen Sie Rückmeldungen von regionalen Kunden über den Werbeerfolg? Und in welchen Branchen besonders?

Frank Sczepurek: Wir bekommen diese Rückmeldungen. Durchweg aus verschiedenen Branchen, ob Waschmaschinen oder Alarmanlagen oder Kühlschränke. Die Kunden sehen meistens, wieviele Kunden über die Website kommen. Ein Kunde hat uns berichtet, dass er mehr Besuche über uns hatte als über alle anderen Quellen, aber dessen Website war wohl auch nicht optimiert.

Marian Semm: Dann hätten Sie ja als Agentur und Online-Zeitung die Wahl: Verkaufe ich dem Kunden Suchmaschinenoptimierung oder lasse ich ihn häufiger Online-Werbung schalten. Was machen Sie?

Frank Sczepurek: Ich würde an die Ursache rangehen, in diesem Fall ganz klar die Webseitenoptimierung für die Suchmaschinen.  Der Kunde hat viel mehr davon als von Online-Werbung.  Die Webseite muss funktionieren. Danach kommt die Online-Werbung. Und jede Unaufrichtigkeit fliegt auf  früher oder später. Wenn ich aber sehe, der Kunde schaltet, nur die Website stimmt nicht, kann ich den Kunden anrufen und sagen: Hör mal zu, du musst dies und das anders machen – und habe da natürlich das Folgegeschäft, allerdings für die Agentur und nicht für die Zeitung.

Marian Semm: Wenn Sie in die Zukunft blicken – halten Sie die Augenhöhe mit der Lokalzeitung für ein realistisches Ziel? Nehmen wir mal nicht den Umsatz sondern den Gewinn, schließlich müssen Sie keine Druckmaschine und keinen Logistikapparat unterhalten…

Frank Sczepurek: Inhaltlich sehe ich nicht die Problematik – auf journalistischer Augenhöhe liegen wir schon. Wirtschaftlich machbar ist das, aber wir müssten den Vertrieb ausbauen. Und momentan liegt der Schwerpunkt unserer Aufmerksamkeit auf einem ganz anderen Projekt. Wir entwickeln ein Social-Media-Spielprojekt mit bundesweiter Reichweite. Jedoch wollen und dürfen wir die Zeitung nicht aus den Augen verlieren. Aber auch wir müssen immer wieder neue Prioritäten setzen, da der Markt sich wöchentlich verändert.

Marian Semm: Nehmen wir an, ein Journalist möchte sich mit einem Ortsblog selbständig machen. Braucht er Verbündete? Oder sollte er besser ganz die Finger davon lassen? Das Netz ist schließlich voll von ambitioniert gestarteten Ortsblog-Ruinen, deren Macher nach ein paar Wochen oder Monaten frustriert das Handtuch werfen. Gerade eben hat HüllhorstOnline aufgegeben, da waren sogar lokale Werbepartner mit an Bord und trotzdem hat es wohl nicht gereicht – ich vermute, weil die potenzielle Reichweite zu niedrig lag, die Gemeinde Hüllhorst hat gerade mal 13.000 Einwohner und die auch noch über mehrere Ortsteile verteilt.

Frank Sczepurek: So ein Unternehmen ist schon sehr mutig für einen Journalisten! Ich würde ihm empfehlen, sich von Anfang an Spezialisten zu suchen für die Technik und für die Vermarktung. Nicht selber rumdoktern. Es gibt genug schlaue Leute, die journalistennah sind, die ein Interesse daran haben, so ein Ortsblog oder Regionalportal aufzubauen. Außerdem würde ich als Journalist – wenn das möglich ist – trotzdem noch für mehrere Zeitungen schreiben. Manche Zeitungen gestatten das ja, wir gestatten das übrigens auch. Die Konkurrenz von heute kann morgen der wichtigste Partner sein.

Marian Semm: Könnten Sie sich vorstellen, ein Partner der Zeitungen zu sein? Sie könnten doch jetzt mit ihren ein, zwei Dutzend Journalisten und Fotografen und freien Mitarbeitern zu ihren offensichtlich unter Kostendruck stehenden örtlichen Lokalzeitungen gehen und vorschlagen: Wir liefern dir gegen einen Pauschalbetrag laufend Geschichten aus folgenden fünf Gebieten als Regionalagentur. Und bei der Breite Ihres Geschäfts könnten Sie sogar vermutlich ganz souverän im lokalen Vertrieb zusammenarbeiten.

Frank Sczepurek: Ich würde mich gerne mit den Zeitungen auseinander setzen. In der Vergangenheit sind wir aber eher von oben herab behandelt worden. Wenigstens werden wir nicht mehr belächelt, sondern als Konkurrenz gesehen. Es war zwar nie unsere Absicht – aber für uns ist es schön, wenn die Leute uns sagen: “Wir lesen jetzt nur noch eure Zeitung.”

Marian Semm: Sie sprechen von einer niedrigen fünfstelligen Zahl von Unique Usern pro Tag und von sechs Millionen Page Impressions pro Monat – ist das IVW-geprüft?

Frank Sczepurek: Wir sind unser eigener Provider und setzen unser eigenes Zählverfahren ein – die Zahlen müssten aber vergleichbar sein.

Marian Semm: Ist eine IVW-zertifizierte Messung nicht wichtig für Ihre Kunden?

Frank Sczepurek: Doch, ich denke schon, dass das wichtig wird.  Wir haben uns auch schon mehrmals damit auseinandergesetzt. Aber die IVW nimmt ein Wahnsinnsgeld für etwas, das wir umsonst bekommen. Nur eben nicht IVW geprüft. Ich denke wir werden das nächstes Jahr nochmal prüfen und dann entscheiden.

Marian Semm: Was halten Sie denn eigentlich von Bezahlschranken?

Frank Sczepurek: Hatten wir bis vor vier Jahren. Aber wir haben es abgeschaltet und werden es  abgeschaltet lassen. Wir hatten Payment für besonders aufwändige Artikel und für das Archiv. Die Artikel konnte man sich für je 25 Cent per Telefon in Sekundenschnelle freischalten lassen. Ein relativ einfaches Verfahren. Wir haben es aufgegeben, weil die Leute es einfach nicht nutzen. Wir standen vor der Frage: Wollen wir Leser und Reichweite generieren? Oder wollen wir nur mittelmäßig Geld verdienen?

Marian Semm: Leser und Reichweite helfen Ihnen nur, wenn Sie Werbetreibende gewinnen, die diese Reichweite für sich in Geschäft umwandeln können.

Frank Sczepurek: Ja, da tun wir uns sicher leichter als so ein Ortsblog, weil wir auch einige überregionale Portale betreiben, für die wir auch Werbepakete verkaufen. Einem bundesweit tätigen Unternehmen können wir bei Interesse auch unsere Lokalzeitung als Werbeträger anbieten. Und wenn das dem Kunden oder der Agentur sinnvoll erscheint, bekommen wir die Buchung, was  öfters der Fall ist. Diese Möglichkeit hat ein einzelner Ortsblogger natürlich nicht.

Marian Semm: Finden sich Leser für ein Ortsblog auch in sozialen Netzen? 370 Fans habe ich auf Facebook gesehen. In Gummersbach und 40 Kilometer Umkreis läge ein Potenzial von rund 4.500 Facebook-Mitgliedern, hat mir das Werbeplanungstool von Facebook verraten, da könnten Sie noch aufholen…

Frank Sczepurek: Momentan kochen wir auf Sparflamme und bedienen Facebook automatisch. Mir ist das zu wenig, da muss noch etwas passieren. Aber die Kollegen haben schon alle Vorbereitungen getroffen. Wir kennen uns mit den Schnittstellen von Facebook und Co. bestens aus und werden in den kommenden Tagen wieder für sehr viel Aufmerksamkeit sorgen. Beginnen werden wir mit einer Integration unserer virtuellen Bundesliga www.virtual-kicker.de in Facebook als Game.

Marian Semm: Manche stellen ja fest: Print-Anzeigen sind leichter vermittelbar – und stellen aus Online-Inhalten ein gedrucktes Produkt her, zum Beispiel myheimat. War das nie eine sinnvolle Ergänzung für Sie?

Frank Sczepurek: Wir könnten relativ einfach auf Knopfdruck, automatisiert, den kompletten Satz für eine Print-Zeitung herstellen. Es fehlen dann eigentlich nur ein paar Feinheiten, Überschriften, Textlängen. Aber wir machen es nicht. Das hat mehrere Gründe. Zum einen: Was soll ich mich hier mit dem Wettbewerb anlegen? Wozu soll das gut sein? Unsere Leser sind ja da! Die müssen ja nur ins Netz gehen. Dann brauche ich keine gedruckte Zeitung zu verkaufen. Natürlich könnte ich meine Werbeeinnahmen verdoppeln, vielleicht verdreifachen – aber das kostet auch mehr. Ich möchte es nicht angehen. Wenn das jemand machen möchte in einer Kooperation – ein Verleger kann morgen unsere Inhalte lizenzieren und Oberberg Aktuell drucken.

Marian Semm: Haben Sie mal daran gedacht, mit Oberberg Aktuell in andere Gebiete zu expandieren? Da Ihre Aufmerksamkeit geteilt ist, könnten Sie ja eine Art Franchise-Angebot für Journalisten aufbauen, die so ein Ortsblog oder Regioblog aufziehen möchten?

Frank Sczepurek: Das haben wir sogar fertig. Wir haben das System so entwickelt, dass wir das jedem anbieten können, nicht nur Journalisten, auch Verlagen – inklusive Rechenzentrum und Betreuung. Wir spielen sogar die Werbung ein, wenn das gewünscht wird. Wenn einer wirklich nur schreiben will, können wir ihm in kürzester Zeit ein komplettes Portal zur Verfügung stellen. Natürlich nicht umsonst. Da ist schon eine Investition im sechsstelligen Bereich notwendig

Marian Semm: Ich habe da neulich einen Gedanken gesponnen bei einem Regionalverleger: Wenn ich Sie wäre, habe ich zu ihm gesagt, mit Ihren fünfzehn Lokalausgaben, von denen es einigen sehr gut geht – da wäre ich bescheuert, etwas zu verändern – aber bei den zwei, drei Sorgenkindern, würde ich mich an Ihrer Stelle fragen: Soll ich das in die alten Strukturen hinein sanieren – wo ich doch weiß, so richtig tragfähig ist das nicht mehr? Oder soll ich nicht mein Bestes geben und nach allen heute bekannten Ansätzen etwas Neues zu entwickeln? Ich würde dort alles auf den Kopf stellen: Die Redakteure arbeiten dann stärker als Reporter für einzelne Orte oder Gebiete, sind relativ unabhängig und betreuen entweder sublokale Blogs oder verschiedene Sektionen eines Regionalblogs. Jedenfalls schaffen sie eine sublokale Informationsplattform, an der niemand vorbei kommt, einen unverzichtbaren Agendasetter, eine Abbildung des öffentlichen Lebens.

Frank Sczepurek: Ja, das wäre sehr sinnig.

Marian Semm: Und in meiner Zentrale unterhalte ich einen Newsdesk – der existiert auch schon –, der den Kontakt hält zu diesen dann noch stärker dezentral organisierten Reportern, denn die zentralen Redaktionsräume, in die die Redakteure im Tagesgeschäft eingesperrt sind, die löse ich als allererstes auf. Der Desk hält den Reportern ein wenig den Spiegel vor, steuert sie relativ sanft, indem er auf Dinge aufmerksam macht, die man aus größerer Flughöhe einfach besser sieht. In der Hauptsache aber stellt der Desk aus den lokalen Themen weiterhin eine Lokalzeitung zusammen. Dann ist das Printprodukt die zweite Karriere originärer Online-Inhalte. Ich würde den Anzeigenverkauf massiv verstärken, dort meine besten Leute einsetzen und starke Anreize für das Online-Geschäft setzen – einfach nur, um auszutesten was geht. Am Ende steht im schlimmsten Fall ein Erkenntnisgewinn, ein Sanierungsfall war es ja von Anfang an. Was glauben Sie?

Frank Sczepurek: Den Verlagen ist gar nicht richt klar, dass sie in Zukunft gesehen die Reihenfolge Print-Online umdrehen müssen zu Online-Print. Das wird noch sehr schmerzhaft. Das alte Geschäft wird noch fünf, sechs Jahre funktionieren, vielleicht auch noch zehn. Aber die Richtung ist sonnenklar. Gestern habe ich mir für mein iPad eine geniale App geholt, die kennen Sie sicher…

Marian Semm: …ich rate jetzt mal: Sie meinen Flipboard, mit der ich meine individuellen Nachrichten aus Twitter, Facebook und ein paar anderen Kanälen automatisch aufbereitet in Magazinform durchblättern kann!

Frank Sczepurek: Exakt. Diese App wird den Verlagen, die jetzt mit viel Aufwand eigene Apps programmieren, noch Kopfzerbrechen bereiten…

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Kommentare

  • 10. September 2010, 17:05 Uhr

    Hardy Prothmann meint

    Hallo Marian,

    super interessantes Interview. Glückwunsch.

    Gruß
    Hardy Prothmann

  • 10. September 2010, 17:31 Uhr

    marian_semm meint

    Danke, Hardy!

  • 13. September 2010, 08:42 Uhr

    Matthias Spielkamp meint

    Ja, ein wirklich sehr interessantes Gespräch (halb so lang hätte es aber auch getan). Bei Oberberg Aktuell gibt es allerdings eine ganze Menge des von Euch (zu Recht) so geschmähten Bratwurst-Journalimus…

    • 13. September 2010, 09:11 Uhr

      marian_semm meint

      Ja, halb so lang hätte es auch getan. Denke ich mir seit der Transkription, es war schwer auf den Punkt zu kommen. Ich hatte mir am Anfang gedacht: Ich spreche mit Frank Sczepurek einfach nur über die Online-Zeitung. Aber es würde der Sache nicht gerecht, denn während des Gesprächs ist mir klar geworden, dass Oberberg Aktuell so nur zusammen mit Oberberg Online entstehen konnte. Daher die Ausführlichkeit und damit die Länge…

      Das mit dem Bratwurstjournalistmus sieht der Hardy Prothmann sicher deutlich kritischer als ich. Ich gebe ihm aus journalistischer Sicht Recht. Aus verlegerischer Sicht sage ich: Das Publish-then-filter-Paradigma regelt das und der Leser kann entscheiden, was er lesen will. Solange das die Marke nicht beschädigt… Denn im Gegensatz zur gedruckten Zeitung ist der Platz unbegrenzt. Auch das hat Grenzen, denn die Aufmerksamkeit meines Publikums ist nicht unendlich…

      Mir ist aufgefallen, dass die Kommentarfreudigkeit der Nutzer von Oberberg Aktuell sich von der des Heddesheimblogs deutlich unterscheidet. Bei Oberberg Aktuell gibt es viele Beiträge, die überhaupt nicht kommentiert werden. Im Heddesheimblog geht es bei sehr vielen Beiträgen gleich mal hoch her.

      Oberberg Aktuell ist der alten Tante Zeitung vielleicht doch etwas näher – also eher Lokalzeitung 1.5 als Lokalzeitung 2.0.

  • 13. September 2010, 13:16 Uhr

    Lars Hennemann meint

    Auch wenn ich nicht alle Ansichten des Verlegers(?)/Herausgebers(?)/Machers(?) von Oberberg Aktuell teile (er widerspricht sich ja selbst, indem er der guten alten Zeitung erst den Totenschein ausstellt und sich ihr anschließend als Online-Beiboot andient), so finde ich das Interview trotz der Länge sehr spannend und erhellend. Insbesondere da, wo es in die nahe Zukunft blickt. Wir reden als Branche so viel über die Verpackung unserer Inhalte, sei es Papier, Online, Mobile, iPad, etc etc. Das ist auch wichtig, aber auf Dauer wird nur der übrig bleiben, der seine Leser (und damit seine Kunden) überrascht, der ihnen das Gefühl gibt, ohne sie dümmer zu sein, schlechter informiert. Deswegen werden die Themenkarriere Online-Print, die (über Desks gesteuerte) Dramaturgie eines Themas und damit das Storytelling die journalistischen Mega-Aufgaben der nächsten Jahre sein. Nur wer etwas zu sagen hat wird auch nachgefragt sein und bleiben. Und einem Vorredner möchte ich deswegen ausdrücklich recht geben: Auch das cleverste Online-Portal ist keine Entschuldigung für Bratwurst-Journalismus.

  • 14. September 2010, 10:33 Uhr

    Wolfram A. Zabel meint

    Schönen Dank für das interessante Interview! Zwei Anmerkungen dazu: Trotz des ambitionierten Projektes scheint der bisherige Erfolg vor allem damit zusammenzuhängen, dass Oberberg Aktuell zu Grenzkosten betrieben werden kann (Journalisten-Honorare ausgenommen).

    Und so wird es für journalistische Einzelkämpfer schwierig werden, ein vergleichbares Projekt hochzuziehen. Zitat: “Wenn einer wirklich nur schreiben will, können wir ihm in kürzester Zeit ein komplettes Portal zur Verfügung stellen. Natürlich nicht umsonst. Da ist schon eine Investition im sechsstelligen Bereich notwendig.”

    BTW: Bei den beschriebenen Umsätzen erscheint mir der Begriff “Wahnsinnsgeld” für die IVW-Prüfung Online etwas deplatziert.

    • 14. September 2010, 12:29 Uhr

      marian_semm meint

      Einigen wir uns auf Grenzunternehmerlohn, denn die hauptberuflichen Journalisten – die ich mit den Ortsbloggern vergleichen würde – werden bei Oberberg Aktuell ja bezahlt. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Marktausschöpfung durchaus optimieren und sich so auch ein bescheidener Unternehmerlohn erwirtschaften ließe. Dass aber Oberberg Online andere Felder wichtiger sind, ist sicher auch ein Hinweis darauf, dass in anderen Geschäftsfeldern leichter und besser Geld zu verdienen ist.

      Das Problem für einen Einzelkämpfer sehe ich vor allem darin, dass er sich enorm selbst einbringen muss, ohne dass er eine Garantie hat, wirklich etwas in Gang zu setzen, was ihn dann dauerhaft ernährt. Ohne Ersparnisse oder einen Job, den man nebenher noch betreiben kann, oder die Bereitschaft in extrem bescheidenen Verhältnissen zu leben, bekommt man das sicher nicht hin.

      Abgesehen davon: Eine Investition im sechsstelligen Bereich nur in Technik würde ich einem Ortsblogger nicht empfehlen, ich würde es Schritt für Schritt durchdringen und mit aktuellen Werkzeugen aufbauen, von denen viele auch für den kleinen Geldbeutel zur Verfügung stehen.

  • 14. September 2010, 12:33 Uhr

    marian_semm meint

    Falk Lüke hat mich darauf aufmerksam gemacht, bereits 2004 war Oberberg Aktuell wohl schon kostendeckend, wennauch mit erheblich kleinerer Mannschaft.

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17821/1.html

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