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Der Innovation auf der Spur

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Warum Redaktionen jetzt einen Chief Data Officer brauchen…

tl;dr …weil Daten in Zeiten des Roboterjournalismus auf die Chefebene müssen.

Es gibt Zeiten im Leben, in denen ein neuer Trend, eine neue Spielart von etwas bekanntem sich herausschält und die Sicht auf die Welt für immer verändert. Die vergangene Woche ist ein Kandidat dafür, aufgrund zweier Erlebnisse:

  • Erlebnis eins: Der Datenjournalist Marco Maaß zeigt beim NewsCamp (#newscamp15, ich war vor Ort) in Augsburg ein paar Beispiele für Datenjournalismus von Medienhäusern in Deutschland und erklärt, wie man als Datenjournalist vorgeht. So weit so unspektakulär.
  • Erlebnis zwei: Saim Alkan, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur aexea, erläutert am Frankfurter Tag des Onlinejournalismus (#ftoj15, ich war nicht vor Ort) in einem 30-minütigen Vortrag, wie Roboter den Beruf des Journalisten verändern werden. Bäääm!

Beide Erlebnisse setzen etwas voraus, das in deutschen Redaktionen nicht selbstverständlich ist: Das Vorhandensein von Daten. Ein Selbstverständnis im Umgang damit. Und, überhaupt, ein Bewusstsein dafür, dass das nützlich sein könnte – über das Maß der Sporttabellen und mittelmäßig gepflegten Veranstaltungsdatenbanken hinaus. Und ich möchte erläutern, warum das so ist – und vor allem, warum es bis heute rational ist.

Paarungen, Ergebnisse, Tabellen – im Sport ist der Umgang mit Daten Routine. Dabei unterscheiden sich die Redaktionen in ihrem Umgang mit Daten erheblich: In Umfang, Umgang, Qualität, Geschwindigkeit, erfassten Sportarten und Ligen. Meist lässt sich am Umgang mit Sporttabellen, alter Beratertrick, bereits ganz viel herauslesen über Struktur und Strategie der Redaktion: Zentrale Erfassung oder dezentrale Erfassung, Redundanz, manuelle Nachpflege der resultierenden Inhalte, Digital-Schnittstelle ja oder nein, alle Sportarten und Ligen sauber gepflegt – oder nur diejenigen, die es ins Print-Produkt von morgen schaffen? Im Prinzip gilt das selbe für Veranstaltungen, Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen, Notdiensten, Gottesdiensten – man kann es so machen, dass es für die Print-Produkte passt – oder es wird aufwändig. Bis jetzt lohnt es sich kaum, Sportdaten oder Veranstaltungsdaten bis in kleinste Details auszuprägen, zu flüchtig ist das resultierende Produkt.

Man darf die Frage stellen, warum das überhaupt in Datenbanken gepflegt werden muss, wenn es doch so flüchtig ist. Bei den Sportergebnissen ist das deshalb einsichtig, weil die Tabellen auf Ergebnissen beruhen und die Ergebnisse auf Paarungen einer Liga – und weil die Regelwerke je nach Sportart und Liga ziemlich kompliziert sein können. Kollege Computer, hilf!

Bei den Veranstaltungsdaten ist die Sache nicht so eindeutig. Meiner Praxiserfahrung als Berater nach ist die Erfassung von Veranstaltungen in einer Datenbank in vielen Redaktionen ein Nullsummenspiel: Tausche Einsparung bei der Erfassung gegen Komplexität bei Weiterverarbeitung und Ausspielung. Jedenfalls solange keine weiteren organisatorischen Schritte gegangen werden, beispielsweise mit einem zentralen Service-Desk, der Synergien sucht, findet und hebt. Beispielsweise indem jede Veranstaltung redaktionsweit nur ein einziges Mal erfasst wird – auch wenn sie in mehreren Ausgaben erscheinen wird und sich auch im Terminplanungswerkzeug der Redaktion wieder finden soll.

Zusammengefasst bedeutet das: Datenerfassung dient heute dem Effizienzgewinn der Redaktionsarbeit. Die Daten sind Mittel und nicht Zweck. Der Umgang damit, die Ansprüche an Tiefe, Breite und Qualität der Daten, wird meist durch seine direkte Ausspielung in Produkte bestimmt. Motto: Wir erfassen Datum x und Datum y, weil wir beides morgen im Blatt haben möchten. Datum z steht uns zwar zur Verfügung, aber das brauchen wir nicht also lassen wir es weg. Und recht haben sie: Am Jahresende drückt eh ein Admin die Resettaste.

Aber jetzt kommen die Roboter.

Dadurch werden sich erstmals Möglichkeiten ergeben für (und gegen) die Redaktion: Durch die Roboter können nicht nur Assistenten, Sekretariate und Erfassungspools von Routineaufgaben zu entlastet werden – sondern die Kernredaktion kann auf Sicht und, natürlich nur bei entsprechendem Umgang mit Daten, ungeliebte Aufgaben an Kollege Roboter abgeben. Wer sich das nicht vorstellen kann, der sollte sich das Video ab 03:07 ansehen, Saim Alkan hat drei Textpaare dabei und stellt die Frage: „Bot or Not“ – stammt der Text von einem Menschen oder von einem Roboter? (Ich war drei Mal ziemlich ratlos.)

Ich schließe daraus: Der Umgang mit Daten ist der Schlüssel für mehr Effizienz in der Redaktion, für mehr Kapazitäten für die wirklich wichtigen, profilgebenden Themen, für mehr Freiräume für Journalismus in den Redaktionen – und er ist auch Ausgangspunkt für neue Stories und für neue Blickwinkel auf bekannte Themen. Redaktionen brauchen einen professionellen Umgang mit Daten. Und dazu brauchen sie auf der Chefebene einen Profi, einen „Chief Data Officer“.

Denn die betriebswirtschaftlicher Sicht zeigt: Jeder, der die Datenseite beherrscht, kann jetzt den Zeitungen in einigen Bereichen zu ganz niedrigen Grenzkosten große Konkurrenz machen. Was könnten das für Inhalte sein? Saim Alkan gibt im Video bei 18:22 die Antwort – alle Bereiche, in denen es Daten gibt: Sportnachrichten, Wetter, Verkehr, Finanzen und Wirtschaft, Promi-News, Polizeiberichte, Termine und Events, TV-Programm, Musik- und Buchvorstellung (Wohlgemerkt: Nicht die Rezension), Horoskop, Produkttest und -vergleich.

Allerdings: Die Voraussetzungen, die dafür in den Redaktionen geschaffen werden müssen, sind nicht ohne. Und sie sind nicht nur technischer sondern auch organisatorischer Natur. Es wird neue Arten von Arbeitsplätzen in der Redaktion, bzw. in zuarbeitenden Bereichen geben. Und wer sich bei und nach dem Vortrag von Marco Maas im Publikum umgehört hat, bekommt eine Ahnung von der Distanz zwischen Lebenswirklichkeit in deutschen Redaktionen und den Möglichkeiten des Digitaljournalismus.

Dabei ist die Logik doch banal: Den Roboter wird nur derjenige einsetzen können, der auch die Daten dazu zur Verfügung stellen kann. Wer die besseren und vollständigeren Daten hat, kann die Roboter besser nutzen. Auch wenn das „nur“ ein 17-jähriger Hobbyfußballer vom Dorf ist, kann die regionale Tageszeitung schnell alt aussehen.

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