illustration

Suche

Neueste Kommentare

  • Hardy Prothmann: Hallo Herr Tews, Sie scheinen ein nervöser Mensch zu sein. Und leider auch nicht sonderlich logisch....
  • Andreas Tews: Blödsinn (ist zwar nur eine Korrektur, so wird es aber ungewollt nochmals zur Betonung)
  • Andreas Tews: Mir ist meine Zeit zu schade um auf Ihren Bödsinn länger als mit vier Sätzen zu antworten. Daher beende...
  • Hardy Prothmann: Hallo Herr Tews, schön, dass Sie auch ein wenig im Netz surfen und so gucken, was man über Sie so in...
  • Andreas Tews: Herr Prothmann hat im Interview die Online-Aktivitäten von Nussbaum Medien St. Leon-Rot angesprochen....

Archiv

2015
2014
2013
2011
2010

Der Innovation auf der Spur

Footprints

BAR-TALK: Digitale Innovationen – Was steht in der Zeitung von morgen?

Von Ina Heitzer, Account Executive bei text100.de


„Print ist tot, Print ist tot“, kreischen die Mediengeier des Online-Journalismus, die gierigen Auges seit Jahren über die letzten Bastionen des gedruckten Journalismus kreisen. Aber Print ist nicht tot – das Medium steht lediglich vor einer Renaissance. Wie die aussehen kann, weiß Experte Marian Semm, der das Büro für Medieninnovation leitet. Wie Verlage ihren Weg finden können und wie die Zukunft der Printzeitung aussehen kann, hat er mir im Interview erzählt.

Herr Semm, wie schwer ist es heute schon zu wissen, was die Trends von morgen sind?

Sehr schwer, wenn es um konkrete Vorhersagen geht. Bei allgemeinen Trends ist es etwas einfacher. Ich erinnere mich noch daran, als mir 2004 jemand gesagt hat, dass wir in fünf Jahren mit mobilen Geräten herumlaufen werden, mit denen man ins Internet gehen kann, so richtig selbstverständlich. Und es ist wirklich so eingetreten. Wenn ich aber an den Erfolg oder Misserfolg sozialer Netzwerke wie myspace, Facebook, Google+ oder studiVZ denke, waren Erfolg oder Misserfolg anfangs nicht so vorhersehbar.

Sie leiten ein Büro für Medieninnovationen. Was sind Ihre Aufgaben?

Ich beschäftige mich mit dem bestehenden Geschäft von Medienunternehmen, suche nach Lösungen in Organisation, Abläufen und Technik, um im weitesten Sinne die Qualität von Produkten zu verbessern – und häufig auch, um Kosten zu senken und damit Spielräume zu schaffen. Viele müssen sich gar nicht erst komplett neu erfinden, sondern benötigen vielmehr Unterstützung dabei, aus einer Vielzahl an Möglichkeiten die besten Lösungen zu finden. Wir arbeiten hauptsächlich mit Zeitungs- und Fachverlagen zusammen. In den letzten sieben Jahren haben wir mehr als 70 Projekte realisiert.

Wie gehen Sie bei einem Projekt genau vor?

Es gibt eine Reihe von Methoden und Systematiken, die wir anwenden, um Muster aufzudecken und Kennzahlen einzuordnen. Aber es gehört vor allem Menschenverstand dazu, um herauszufinden, was jemand will und was wichtig ist. Ich finde auch Renitenz eine wichtiger Beratereigenschaft: Sich nicht mit der erstbesten Erklärung zufrieden geben, alle Kennzahlen von mehreren Seiten zu plausibilisieren – auch wenn das dem Controlling nicht gefällt. Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Betriebsblindheit in manchen Unternehmen herrscht und wie viel Ordnung man durch eine externe Sichtweise schaffen kann. Und wie relativ einfache Werkzeuge einen Kunden entscheidende Schritte voran bringen können.

Welche Innovationen brauchen Medienhäuser und Verlage, um junge Menschen zu erreichen?

Ich weiß nicht, ob bei den jungen mit dem klassischen Medienansatz so viel zu holen ist. Es steckt wohl das Kalkül dahinter, eine Basis für künftige Jahrzehnte Geschäft zu schaffen. Aber wir müssen uns eingestehen, dass die jungen Leute kein Problem haben, dass das Produkt Zeitung zu lösen vermag. Die jungen Leute wachsen mit anderen Möglichkeiten auf und haben keine Scheu, diese einzusetzen. Viele ältere sind mit der Tageszeitung sozialisiert und sie gibt wahrscheinlich vielen von ihnen das Gefühl: „Alles wichtige, was ich wissen muss, finde ich in dieser Zeitung.“ Viele Menschen abonnieren eine Zeitung aus Gewohnheit. Das sollte alarmierend sein, denn ihre Leser werden älter und damit auch weniger.

Ist das nicht genau das Argument, um sich vermehrt doch auf eine jüngere Zielgruppe zu konzentrieren?

Ich sehe den Erfolgspfad nicht so richtig. Die Interessen der Menschen sind stark aufgesplittert seit den 80er Jahren. Die einen interessieren sich für eine bestimmte Sorte Computerspiele, die anderen für exotische Sportarten, haben ein extremes Hobby oder pflegen ein bestimmtes Lebensgefühl, auf die eine Zeitschrift namens „Landlust“ plötzlich passt wie die Faust aufs Auge. Zeitungen hatten nie die Absicht, in solche Nischen hinein zu gehen – das gibt das Geschäftsmodell auch nicht her, denn erstens decken Zeitungen geographische Räume ab statt thematische und zweitens sprechen wir hier von ganz anderen Auflagenhöhen.

Wie sieht es in den nächsten Jahren mit Printzeitungen aus? Glauben Sie an eine Zukunft?

Ich bin heute optimistischer als vor drei Jahren. Damals hätte ich gesagt, dass es 2018 nur noch wenige Zeitungstitel geben wird. Ich finde, es gibt zwei Typen von Verlagen: Die einen gehen spielerisch und mehr oder weniger kraftvoll mit der Herausforderung um – und die anderen schaffen es noch nicht mal, ihren Redakteuren zu erklären, dass der schwere Unfall, der zu einem stundenlangen Stau geführt hat, möglichst noch heute online gehen sollte. Viele Verlage investieren in Optik und professionelle Führung, in Dialogfähigkeit und neue Produkte sowie in Experimente auch jenseits des Journalismus. Und wenn man sich mit den Kostenstrukturen beschäftigt, merkt man, wie viel Spielraum da eigentlich da war und häufig immer noch ist. Ich glaube mal so ganz grundsätzlich an eine Zukunft der Zeitung – langfristig vielleicht weniger als tagesaktuelles Printprodukt sondern eher als Kombination von Minuten- und Stundenaktualität als elektronisches Medium und einem, vielleicht sogar, gedruckten Medium mit reflektierenden Elementen. Man müsste eben auch Geld verdienen damit und das geht eigentlich nur, indem man etwas Unverzichtbares erschafft…

Wohin geht die Reise im Internet?

Womit man heute im Netz Geld verdient, dafür wurde vor vielen Jahren der Samen gesät. Es gibt aber keine Garantie dafür, dass der Samen auch wirklich aufgeht und auch nicht, dass nebenan nicht vielleicht eine schönere Pflanze heranwächst. Das ist ein Kosmos für sich, der sich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit entwickelt – und eigentlich nicht zu prognostizieren ist. Ich denke das Beispiel mit myspace, Facebook und studiVZ verdeutlicht das ganz gut. Die Reise im Internet geht zu einer immer stärkeren Verdichtung. Streuverluste, ungenutzte Kapazitäten, klassische Mittler werden ausgeschalten und durch Algorithmen ersetzt – denken Sie an amazon und die Buchhändler, an das gute Geld, dass Sie früher für CDs oder Schallplatten ausgegeben haben und heute genügt die Flatrate bei Spotify – oder an den Streit zwischen Uber und den Taxizentralen.

 Werden wir in 20 Jahren noch iPads haben?

Nein, ich bin sicher, dass wir bis dahin schon ganz andere Geräte haben, die man sich noch gar nicht vorstellen kann. Obwohl ich persönlich ein großer iPad-Fan bin. Als das iPhone 2007 auf den Markt kam, sagte Steve Ballmer, damals CEO von Microsoft: „Das iPhone ist kein Business-Gerät, weil es keine Tastatur hat.“ Mehr irren kann man sich wohl nicht.


Dieser Beitrag ist am 24. Juli 2015 im Kommunizierbar-Blog erschienen.

 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading ... Loading ...

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden

Kommentar abgeben

*Pflichtfeld