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“Der Lokaljournalismus muss sich sehr konzentrieren!” – ein Gespräch mit Hardy Prothmann (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 7)

Gut sieben Jahre ist es her, dass ich mich mit Hardy Prothmann unterhalten habe, damals Betreiber des vor zwei Jahren im Rheinneckarblog aufgegangenen Heddesheimblogs. Die Lokalbloggerszene in Deutschland stand damals im Zeichen des Aufbruchs. Heute ist mehr Ernüchterung. Zeit für eine Fortsetzung des Gesprächs.

Marian Semm: Wie geht es Heddesheim und der Firma Pfenning? Dein Antagonist Bürgermeister Kessler scheint dich ja überlebt zu haben…

Hardy Prothmann: Es gab nie einen Kampf auf Leben und Tod. Herr Kessler ist auch nicht „mein“ Antagonist, sondern einfach nur ein herrischer, beratungsresistenter Dorfbürgermeister, außerstande, Fehler einzugestehen. In Heddesheim ist das Pfenning-Projekt umgesetzt worden, aber die großen Versprechungen sind allesamt nicht eingehalten worden: Es sind keine eintausend Arbeitsplätze geschaffen worden, sondern maximal ein paar hundert, davon viele nur umgesiedelt, und auch entsprechend weniger Ausbildungsplätze. Es ist bisher keine Gewerbesteuer in die Gemeinde geflossen, das war auch anders geplant – ein deutlich sechsstelliger Betrag sollte es sein. Die Geschäfte von Pfenning laufen schlecht, wie man aus den Geschäftsberichten ableiten kann und wie wir das als einziges Medium Jahr für Jahr thematisieren. Pfenning ist im Ortsgespräch von Heddesheim  kein Thema mehr, obwohl der Klotz vom Ort Richtung Bergstraße auf 200.000 Quadratmetern gut zu sehen ist. Es wird auch von keinem Medium zum Thema gemacht, nicht vom Mannheimer Morgen, nicht vom SWR. Dabei könnte man mal fragen: Was ist von all den Versprechungen übrig geblieben? Was vom Journalismus übrig geblieben ist, darf man auch fragen.

Marian Semm: Vielleicht ist eine einfache Erklärung, dass Heddesheim mit seinen 11.500 Einwohnern nicht ganz so wichtig ist und dass es größere Skandale gibt, über die berichtet wird? Den letzten größeren Beitrag über Pfenning habe ich im Morgenweb gefunden und er stammt von 2014.

Hardy Prothmann: Unser letzter Beitrag ist von 2016. Ein Update kommt demnächst. Es gibt ja Berichterstattung über Heddesheim vom Mannheimer Morgen, von der Rhein-Neckar-Zeitung und vom SWR. Aber halt nicht zu diesem Thema, sondern den üblichen Bratwurstjournalismus. Wir haben uns mit dem Heddesheimblog zurückgezogen, aber zum Geschäftsbericht von Pfenning machen wir einmal im Jahr ein Update, da steht dann drin, dass Pfenning Umsatz verloren hat in den letzten Jahren und dass es nicht so gut um das Unternehmen steht wie geplant. Aber im politischen Betrieb von Heddesheim werden wir nicht vermisst. Der kritische Umgang mit Lokalpolitik ist von diesem selbst nicht wirklich gewünscht. Übrigens war „Pfenning“ für mich niemals ein „Skandal“, sondern nur die in Beton gegossene Manifestation von durchgeknallten Gemeinderäten, die meinten, das große Rad drehen zu können, obwohl sie gewarnt wurden, dass die Nummer vielleicht zu groß für sie ist. Herr Karl-Martin Pfenning jedenfalls hat Millionen verdient. Ob das zum Wohl der Gemeinde war, darf ich nach wie vor bezweifeln.

Das heddesheimblog im Januar 2010.

Das heddesheimblog im Januar 2010.

Marian Semm: Gilt der von Dir bemängelte unkritische Umgang der Medien vor allem für Heddesheim oder ist das ein generelles Problem?

Hardy Prothmann: Es hängt sehr von der örtlichen Kultur ab. In anderen Orten bleibt man uns gewogen in der Lokalpolitik, etwa in Weinheim und dass, obwohl wir sehr kritisch über die Verwaltung berichtet hatten im Zusammenhang mit einem Bundesparteitag der NPD. Von den meisten anderen Orten werden wir mittlerweile professionell behandelt. Die Stadt Mannheim hat einen professionellen Oberbürgermeister, der sich freut über ein weiteres Medium in einem Monopolgebiet und auch schon mal den Prothmann zum Hintergrundgespräch bittet. Aktuell ist von einer Mehrheit im Mannheimer Gemeinderat übrigens eine historische Entscheidung mit einer Mehrheit zum Grünzug Nordost und einer Bundesgartenschau als Motor für eines der größten Grünprojekte Deutschlands entschieden worden. Es gibt viele Leute, die meinen, daran habe auch die Berichterstattung vom Rheinneckarblog (RNB) erheblichen Anteil. Wir haben sehr kritisch in alle Richtungen dazu berichtet, sind aber auf Basis unserer Recherchen und Analysen davon überzeugt, dass es ein großartiges Projekt ist, das enorme Anstrengungen hinter und vor sich hat, aber einfach ganz herausragend ist. Die Causa Pfenning und die Causa Grünzug zeigen übrigens deutlich, worum es bei uns geht. Wir berichten für unsere Leser zu recherchierten Fakten, die wir einordnen. Pfenning ist ein Rohrkrepierer – ein politischer und wirtschaftlicher Fehler. Der Grünzug Nordost ist politisch eine nicht einfach zu vermittelnde städtebauliche Entwicklung, die unterm Strich einerseits Geld kosten wird, aber Mannheim insgesamt deutlich aufwertet – das ist gut investiertes Geld.

Marian Semm: So eine Umschmeichelung ist ja nicht nur ein Zeichen für Anerkennung des Mediums. Wo sind deine Grenzen zur Instrumentalisierung?

Hardy Prothmann: Es gibt keine Umschmeichelung. Wenn ich eingeladen werde oder um einen Termin bitte, dann ist das harte Arbeit. Ich muss sehr gut vorbereitet sein, weil dieser wirklich sehr außergewöhnliche Oberbürgermeister Dr. Kurz immer extrem gut vorbereitet wird. Dazu ein sehr erfahrener Verwaltungsjurist mit einem Hang zur intellektuellen Meta-Ebene. Wenn ich aus den Gesprächen raus gehe, brummt mir der Schädel, obwohl ich in meine Fähigkeiten durchaus Vertrauen habe. Die Erfahrung mache ich auch woanders – ob Polizeipräsident oder Bürgermeister in den kleineren Ortschaften und zunehmend Unternehmen. Man hat sich an das RNB nicht nur gewöhnt, sondern schätzt die fundierte Berichterstattung. Heute hat gerade ein internationaler Konzern – eine wichtige Traditionsfirma in unserem Gebiet – angerufen, um nachzufragen, ob wir nicht zu einem Pressetermin kommen wollen, man würde sich sehr freuen. Diese Leute verstehen, wie wir arbeiten – kritisch, aber nicht destruktiv. Weisen wir auf Probleme hin, werden wir ernst genommen. Ein Beispiel: Vor ein paar Jahren war ich bei einem Unternehmen auf einer Bilanz-PK. Nachdem die Kollegen mit Fragen durch waren, habe ich meine Fragen gestellt. Hinterher kam der Geschäftsführer – hoch erfreut – und meinte: „Das hab ich meinen Jahren hier noch nicht erlebt. Sie haben uns richtig auf den Zahn gefühlt. Das hat mir Spaß gemacht.“ Drei Wochen später ist das Unternehmen Werbekunde geworden und ist das bis heute. Wirtschaftsberichterstattung war schon immer mein Steckenpferd – im lokal-regionalen Mix geht es aber auch um Schulen und Kindergärten und Mülltonnen.Bildschirmfoto 2017-06-23 um 17.32.25

Marian Semm: Haben sich die acht Jahre Bloggerei eigentlich gelohnt für Dich? Oder hast du das Gefühl, falsch abgebogen zu sein?

Hardy Prothmann: Definiere „gelohnt“. Bis heute lohnt es sich für mich in Bezug auf mein journalistisches Selbstverständnis, sonst würde ich es nicht machen. Es ist ein Wahnsinnsspass bei extrem hoher Belastung, wobei ich die über lange Zeit reichenden 80-Stunden-Wochen auf rund 60 Stunden senken konnte. Das Rheinneckarblog ist mittlerweile ein etabliertes Medium von hoher Relevanz. Wir werden in der Region gelesen, aber auch in Stuttgart,  Berlin und vielen anderen deutschen Großstädten, wo politische und wirtschaftliche Entscheider sitzen. Wir sind auch relevant für Behörden, Abgeordnete und Lobbyvereine.

Marian Semm: Und finanziell?

Hardy Prothmann: Nein und ja. Ich hatte ja 2009 in Heddesheim als eine Art „Bürgerjournalist“ ohne Plan angefangen, einfach rumprobiert und Jahr für Jahr zugeschossen. Da waren schon Überlegungen dabei, aber keine solide Geschäftsplanung. Das hat meine privaten Rücklagen nahezu vollständig aufgezehrt – und die waren nicht unerheblich. Ich habe dann versucht, es auf geschäftlicher Seite besser zu machen und hatte einen täglichen Spagat zwischen den verschiedenen Aufgaben. Ich habe geschuftet wie blöde mit sehr überschaubarem Ergebnis und das war rot. 2015 kam dann die Wende als ein Freund die kaufmännische Beratung übernommen hatte. Er hat mir geholfen, eine Struktur aufzubauen und ein kleines Unternehmen zu formen. 2016 hatte ich trotz höherer Kosten eine Null erreicht und 2017 wird es hoffentlich einen kleinen Gewinn geben, den wir auch brauchen, um zu wachsen, Technik zu erneuern und neue Büroräume mieten zu können

Marian Semm: Der letzte Schritt fällt zeitlich mit dem Rückzug aus Heddesheim zusammen…

Hardy Prothmann: Die Entscheidung ist schon davor gefallen. Ein persönlicher Fehler von mir war: Ich habe mich provozieren lassen und bin zu aggressiv an manche Dinge herangegangen. Ich habe der Verantwortung einer umfassenden respektvollen Berichterstattung nicht immer genügt – das gebe ich selbstkritisch zu. Auch das war eine Erkenntnis des Prozesses durch die Unterstützung eines kühl geschäftlich denkenden Kopfes – diesem besagten Freund, der nicht namentlich erwähnt werden will. Er hat sich auf Basis unserer Freundschaft eingebracht und weil er Journalismus wichtig findet und von seiner Heimatzeitung in der Pfalz seit vielen Jahren enttäuscht ist. Ein bisschen pumpen muss man, Schärfe in der Sache ist auch OK, aber man darf nicht über die Strenge schlagen. Mir fehlte all die Jahre ein Korrektiv. Ich habe einen starken Charakter und manchmal einen Dickschädel. Diesem Freund habe ich sehr, sehr viel zu verdanken, weil er mich teils ausgebremst hat, was zur Beschleunigung der Entwicklung des Unternehmens geführt hat.

Marian Semm: Wir groß ist der Spagat heute?

Hardy Prothmann: Ich habe sechs Mitarbeiter, die mir fest zuarbeiten. Buchhaltung, Sekretariat und Werbeverwaltung habe ich an eine Mitarbeiterin abgegeben. Ich habe einen Steuerberater und die Grafik kaufe ich extern ein. Dazu die technische Dienstleistung von Istlokal (die Istlokal Medienservice UG). Ein paar Inhaltsbereiche habe ich ausgelagert an Mitarbeiter gegeben, die von Tübingen und Ludwigshafen aus zuarbeiten,  Tipps und Termine, den Newsletter und die Gewinnspiele beispielsweise. Dazu kaufe ich zunehmend von externen Autoren ein, die ich mit lokal-regionalen Themen beauftrage. Behalten habe ich neben der Chefredaktion die Kundenakquise und Betreuung. Da habe ich zwei Hüte auf. Das gefällt mir nicht. Aber ich kann die Rollen messerscharf trennen. Täte ich es nicht, würde ich sofort gnadenlos angegriffen werden.

Marian Semm: Was hat sich über die Zeit am inhaltlichen Konzept geändert?

Hardy Prothmann: Ich habe anfangs versucht, der erste zu sein, vor Radio, vor TV, vor der Zeitung – aber da bringst du dich in eine Hetze hinein, die niemand überlebt. Heute machen wir lieber Hintergrundgeschichten, die sich von anderen Medien abheben. Nicht über jeden Unfall berichten – aber den Unfallschwerpunkt thematisieren. Ich habe mir neulich für die Kriminalstatistik zwei Tage Zeit genommen und zehn Stunden an einem Artikel gearbeitet. Das ist eine Investition, die Lokalzeitungen heute nicht mehr häufig leisten. Das Ergebnis waren 90.000 Zugriffe innerhalb von drei Tagen. Das ist hervorragend. Rückmeldungen kamen lokal, regional, aber auch aus ganz Deutschland. Das sind auch potenziell neue Kontakte. Bei der Polizei haben wir ein Stein im Brett – nicht, weil wir alles abnicken, sondern weil wir verständig über Polizeiarbeit berichten.

Marian Semm: Klingt nach einem Appell für weniger Geschwindigkeit und mehr Tiefe. Ich kann mich an den ein oder anderen Redaktionsleiter bei Zeitungen in den 2000er Jahren erinnern, der genau das gefordert hat…

Hardy Prothmann: Der Lokaljournalismus muss sich von der Idee verabschieden, über alles  „Wichtige“ zu berichten, sondern sich sehr konzentrieren. Wir bearbeiten derzeit das Thema Ehrenamt und Vereine ohne jeden Zeitdruck. Beides ist enorm wichtig. Ehrenamt und Vereine sind ein Teil des Rückgrats unserer Gesellschaft. Aber das Engagement wird immer schwieriger. Essensfeste hier und da sind nicht zukunftsfähig. Das treibt mich sehr um und ich habe ehrlich noch keine Lösung, wie man das zukunftsfähig macht, aber ich arbeite dran, weil ich diese Menschen respektiere, ob Kaninchenzüchter oder Wirtschaftsverein. Wir versuchen unsere inhaltliche Ausrichtung so hinzubekommen, dass wir von wichtigen Themen zeitnah berichten, aber vor allem Hintergrund und Zusammenhang bieten. Mut zur Lücke heißt die Devise. Bevor wir irgendwelchen Mist veröffentlichen, lassen wir es lieber. Meist kommt eine zweite Gelegenheit und dann schlagen wir auf. Aktuell hatte ich vergangene Woche eine kommentierende Analyse zu dem oben genannten Grünzug veröffentlicht – dahinter stecken drei Jahre Arbeit und Erfahrung zu dem Thema (und viele Hintergrundgespräche). Plötzlich drehten auf dem letzten Meter vor der Zielgrade alle Medien in unsere Richtung und es kam eine klare Mehrheit im Gemeinderat zustande. Viele Leute aus Verwaltung und Gemeinderat meinten zu mir, das RNB habe erheblichen Anteil an dieser Entwicklung. Ich sage, wir machen unseren Job und überlassen es den Menschen selbst, welche Meinung sie sich bilden wollen. Persönlich freue ich mich natürlich sehr, dass dem RNB mittlerweile soviel Relevanz zugesprochen wird. Aber um das klar zu sagen: Unsere Rolle ist nicht, Politik zu machen, sondern darüber zu berichten. Das können wir mit jedem Artikel nachweisen.

Marian Semm: Und wo führt diese Reise hin?

Hardy Prothmann: Wir wollen noch in diesem Jahr Themenseiten anbieten, also die Hintergründe deutlich ausbauen und auch stärker visualisieren. Der Richard Gutjahr macht das stark! Ist ja auch ein Bildermann. Ich bin ein großer Fan von ihm, weil er sich viel traut. Die Kampagne gegen ihn ist absolut widerwärtig. Wir haben einen Dauerrenner-Artikel über Facebook als Abmahnfalle (“Wann teilen richtig teuer werden kann?“), der seit 2013 immer wieder mit hohen Abrufzahlen aufgerufen wird. Wir arbeiten an einem Dossier zum 200. Jubiläum des Fahrrads  mit ein paar aufwändigen und gut recherchierten Hintergrundartikeln und leider bin ich mit der ursprünglichen Idee schon jetzt gescheitert. Ich wollte hier viel Werbung reinholen, habe das aber im Spagat zwischen journalistischem Tagesgeschäft und vertrieblichem Geschäft nicht leisten können. Da fehlt es noch an „Manpower“. Wir haben aber nicht nur journalistische Ziele, sondern wir wollen mit diesen Dossiers bewusst in den Longtail gehen und Branchen ansprechen, die noch nicht bei uns werben. Das ist auch ein wichtiges Ausbildungsthema: Das Umschreiben von Pressemitteilungen hat noch nie etwas mit Journalismus zu tun gehabt.

Marian Semm: Ich habe auch immer junge Leute im Büro des RNB angetroffen…

Hardy Prothmann: Die erste Volontärin, damals  30, ist mittlerweile Redakteurin bei ARD Online. Der Volontär aus dem vergangenen Jahr, 21 Jahre alt, ist aktiv abgeworben worden. Ich freue mich über die Bestätigung, gut auszubilden. Es wird aber immer schwerer, Mitarbeiter zu finden, die den Anforderungen gewachsen sind. Der Journalismusberuf hat seinen Reiz verloren und bei vielen Bewerbern  sind die notwendigen Vorraussetzungen nicht vorhanden: Zum einen eine fast bedingungslose Neugier, zum anderen Wissen und vor allem die Bereitschaft, sich in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten und dabei eine neutrale Haltung zu bewahren..

Marian Semm: Hast du eine Idee, woran das liegt?

Hardy Prothmann: Das G8 und der verschulte Bachelor lassen den jungen Leuten keine Zeit mehr, als freie Mitarbeiter bei Medien nebenbei zu lernen, so wie ich und andere das früher neben dem Studium bei verschiedenen Medien gemacht haben. Journalismus lernt man im Feld draußen bei den Menschen und intern durch kluge und erfahrene Kollegen. Ich hatte das große Glück, bei tollen Kollegen zu lernen, sonst könnte ich nicht, was ich kann. Und das gebe ich an meine Leute weiter. Übrigens: Ich nehme lieber jemanden mit weniger Erfahrung, als jemand der alte Systeme bereits kennengelernt und noch schlimmer, verinnerlicht hat.

Marian Semm: Ich habe auf dem Rheinneckarblog Werbung gefunden für Veranstaltungen, von Reisebüros und Immobilienmaklern und habe mich gefragt: Was bekommen die Werbekunden für Ihr Geld? Finden die nur das Rheinneckarblog oder den Prothmann gut oder haben die auch etwas davon? Ist das tatsächlich Aufmerksamkeit, also Medialeistung, oder ist das nicht eher eine Art Sponsoring?

Hardy Prothmann: Die Strategie ist, im lokalen Raum erst Relevanz zu erreichen und dann in Reichweite zu gehen. Ich will, dass RNB von  Familien gelesen wird, von Leuten, die am gesellschaftlichen Leben teilhaben und von Entscheidern. Es war ein langer Weg, aber das gelingt. Es dauert halt ein paar Jahre, bis die Zirkel sich an einen gewöhnt haben. Ich habe mit einer Ausnahme keinen Werbekunden verloren. Auch das war zu Beginn eine absolut falsche Entwicklung, weil alles zu sehr auf den Namen Prothmann fokussiert war und nicht auf das journalistische Produkt Lokal-/Regionalblog als Wettbewerber im Markt. Deswegen strenge ich mich sehr an, meine Mitarbeiter als Namen aufzubauen, die als Vertreter dieses Produkts stehen. Nicht Prothmann ist das Blog, sondern die Leute, die dafür arbeiten und unsere Kontakte, die mit uns arbeiten. Zur Medialeistung: Unsere Zahlen sind echt und relevant. Wir bieten kein TTT – Tiere, Titten, Tote. Kein Boulevard. Keinen Scheiß, um möglichst viele Leute zu erreichen, sondern nützliche Informationen von Service bis Hintergrund. Unseren Kunden gefällt das, sonst würden sie kein Geld bei uns ausgeben.

Marian Semm: Was ist aus der schönen Idee geworden, jedem Ort sein individuelles Medium zu geben?

Hardy Prothmann: Es bleibt eine schöne Idee. Das Experiment einer wirtschaftlich erfolgreichen Redaktion im sogenannten Hyperlokalen ist gescheitert. Ich kenne in Deutschland kein Beispiel, das funktioniert hätte. Selbst die erfolgreiche Tegernseer Stimme von Peter Posztos zähle ich nicht dazu. Von außen betrachtet, mag das auf den ersten Blick „hyperlokal“ sein. Tatsächlich ist es ein regionales Angebot mit sehr speziellen infrastrukturellen Bedingungen vor Ort. Der Peter macht das gut – im Gegensatz zu mir sehr viel mehr über das Geschäft getrieben. Er ist ja auch Diplom-Kaufmann und hat mir in dieser Hinsicht viel voraus.

Marian Semm: Ich hatte mal ein bisschen gerechnet vor sieben Jahren und die These aufgestellt, dass man schon eine Stadt mit 30.000 Einwohnern braucht, um so ein alternatives Medium in Gang setzen zu können. Da ist Heddesheim zu klein. Könnte eine Nachbarstadt wie Weinheim mit 44.000 Einwohnern allein funktionieren?

Hardy Prothmann: Einmal liegt es strukturell an der Redaktion – man hat in kleinen Orten durch die Betriebswirtschaft einfach zu wenig Leute für eine tagesaktuell durchgängige Berichterstattung. Zum Zweiten ist das ortsspezifisch, nicht jeder Ort hat eine ausreichende Ereignisdichte. Man muss genau nachsehen: Ist der Ort eher eine Wohnstadt – oder gibt es Tourismus, Sport, Industrie, Gewerbe, Einzelhandel? Weinheim könnte funktionieren mit seinen 44.000 Einwohnern, als Tourismusstandort, mit Gewerbe, Halbindustrie und lebendigem Einzelhandel. Ich denke, ab 25.000 Einwohnern kann es Möglichkeiten geben, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die muss man aber sehr genau untersuchen – also anders als ich damals begonnen habe. In Weinheim gibt es eine eigene Tageszeitung, eine Wurfzeitung mit eigener Redaktion und eine Pressestelle der Stadtverwaltung, die für viele Inhalte in der Tageszeitung und der Wurfzeitung sorgt – auch bei uns. Kostenloser Content, den wir wir die anderen als Service anbieten, was aber nur bedingt mit Journalismus zu tun hat. Insbesondere mit Blick auf die NPD-Bundesparteitage in Weinheim hat das RNB allen lokalen Medien vor Ort gezeigt, wo der Hammer hängt. Ganz bitter war die vollständig verantwortungslose Hetze gegenüber der Polizei, die von einer militanten Antifa in den Hinterhalt gelockt werden sollte. Das sind viele aufgesprungen und haben das Geschäft der AfD besorgt. Staatsverdruss. Wir haben entscheidend zur Aufklärung beigetragen – übrigens mit besten Kontakten zur CDU und zunehmend schlechteren zu den Grünen und nicht erwähnenswerten zur SPD.

Marian Semm: Die Idee war auch, diese lokalen Blogs durch ein Netzwerk miteinander zu verbinden. Was ist daraus geworden?

Hardy Prothmann: Als technische Basis funktioniert das und die Istlokal Medienservice UG hat Kunden, die das verstehen und diese Dienstleistung für kleines Geld nutzen, um sich viel Stress zu sparen. Aber wir haben uns nicht mehr um eine weitere Vermarktung gekümmert, vor allem, weil wir mit unseren eigenen Projekten sehr beschäftigt sind. Das Netzwerk zum Austausch von Informationen und ganzen Stories ist tot. Ich tausche mich noch mit Peter Posztos von der Tegernseer Stimme aus und das war’s. Ich weiß aktuell nicht, wieviele Lokalblogs es neben uns und unseren Kunden noch gibt. Ich sehe keine Entwicklung mehr, so wie 2008 bis 2013.

Marian Semm: Was ist passiert? Was hat sich geändert?

Hardy Prothmann: Ich habe insbesondere von 2010-2014 sehr viel Energie in den Austausch mit anderen Lokalbloggern gesteckt. Viele Gespräche gab es. Viele Tipps habe ich gegeben. Es wurde gesaugt, gesaugt, gesaugt, aber es kam fast nie was zurück. Stimmt nicht – es kam was zurück. Ich habe erleben müssen, dass die Szene ganz überwiegend vollständig unprofessionell war und mir Zeit und Nerven geraubt hat. Ich hätte meine Energie besser in mein Projekt investiert, als in Hohlköpfe mit überzogener Selbsteinschätzung. Ein paar wenige arbeiten hart und mit Konzept, die meisten feiern sich nur selbst und sind dann mal schnell weg.

Ebenfalls interessant: Mein Netzwerk zum Austausch von Informationen mit „klassischen“ Journalisten war schon immer gut und ist in der Zeit noch gewachsen. Ich nenne mal zwei Namen: Christian Lindner. Mit dem habe ich mich oft gekabbelt, aber immer professionell. Ich schätze ihn sehr. Auch seinen Kollegen Marcus Schwarze. Beide haben die Rhein-Zeitung verlassen oder mussten das – nix genaues weiß man nicht. Die Rhein-Zeitung wird es weiter geben, aber ich halte den Schaden für enorm. Der andere Name ist Michael Würz vom Zollern-Alp-Kurier. Den hab ich noch nie getroffen. Wir telefonieren ab und an, meistens geht die Kommunikation per Chat. Er kam im Zuge der Flüchtlingskrise auf mich zu, suchte den Austausch und daraus ist eine sehr gute kollegiale Verbindung entstanden. Der junge Kollege macht einen richtig tollen Job bei der Zeitung. Soviel zu Prothmann, dem angeblichen Zeitungsfresser.

Marian Semm: FuPa ist im gleichen Zeitraum ein kleines Imperium geworden, Michael Wagner sammelt von den Verlagen Geld für Lizenzen seiner Software und für Dienstleistung ein.

Hardy Prothmann: Ich hatte anfangs ein wenig Kontakt zu Michael Wagner und beobachte FuPa nebenbei. Hut ab und Respekt! Ich freue mich, dass der junge Mann Erfolg hat. Aber das ist nicht vergleichbar. Erstens gehört das nicht zum Journalismus, wie ich ihn verstehe – politisch und gesellschaftsrelevant. Zweitens ist das ein Nischenprodukt, das man gut vermarkten kann, weil sich die Großen aus der Nische zurück ziehen – vergleichbar mit den Rubrikenmärkten. Drittens: Sport fehlt bei uns, wenn wir uns als klassische Zeitung verstehen würden. Tun wir aber nicht. Und Sport wird mehr und mehr Thema bei uns – aber eben nicht Bratwurst. Ich freue mich auf Sonntag. Volles Stadion beim SV Waldhof und mein erster Einsatz als Fußballreporter.

Marian Semm: Neben der Werbung  werden beim RNB über Sponsoring und eine Bezahlschranke Einnahmen generiert, richtig? Verlage hadern da mit hohen Prozesskosten für kleine Umsatzgrößen…

Hardy Prothmann: Unsere Top-Partner schließen mit uns einen Jahresvertrag zu einem monatlichen Festpreis ab und sind damit ständig mit Werbung präsent. Wir hatten eine wachsende Zahl von Fördermitgliedern, die uns jährlich mit einem Festbetrag unterstützt haben. Wir haben seit September 2016 eine Zusammenarbeit mit dem österreichischen Start-up Selectyco . Man kann einzelne Artikel über deren System kaufen oder einen Mediapass erwerben für einen pauschalen Zugang. Die Umsätze wachsen Monat für Monat, wir liegen im dreistelligen Bereich, aber unser Wachstum ist durch die Reichweite beschränkt – wir haben im Schnitt 5.000 Zugriffe pro Tag. Da müssen wir weiter experimentieren, beispielsweise, indem wir Artikel erst ein paar Tage nach Veröffentlichung hinter die Paywall setzen.

Marian Semm: Der Konrad Lischka hat vor einiger Zeit mal die Jahresumsätze deutscher Verlage ins Verhältnis gesetzt zur Anzahl Mitarbeiter und ein Durchschnittsumsatz pro Mitarbeiter errechnet. Bei den Regionalverlagen liegt Madsack in seiner Rechnung bei 150.000 € und M. Dumont Schauberg bei 165.000 € Umsatz pro Mitarbeiter. Ich nehme an, da liegt das RNB weit weg.

Hardy Prothmann: Ist doch eine einfache Rechnung: Ein Jungredakteur bekommt branchenüblich 3.000 €, macht für mich als Unternehmer plus 45% Nebenkosten etwa 52.000 € im Jahr. Mit Kosten für Arbeitsplatz, Fahrzeug, technischer Betrieb und Administration sind wir so bei 60.000 € pro Vollzeitstelle. Das können wir uns derzeit zwei Mal leisten…

Marian Semm: Das bedeutet, dass ein Verlag etwa 100.000 € Spielraum mehr besitzt als ein Lokalblog… ich meine: Pro Mitarbeiter…

Hardy Prothmann: Wenn man für einen Mitarbeiter zwischen 100.000 und 200.000 Euro Umsatz rechnet, ist das realistisch. Mein Ziel ist für 2018/2019 eine Umsatzgröße zwischen 200.000 und 400.000 Euro – bei drei bis fünf festen Mitarbeitern. Die meisten Regionalverlage haben als Monopolisten insgesamt noch ein einigermaßen stabiles Geschäft. Aber sie haben hohe Kosten im Nacken, die sie schnell einholen können. Meine „Druckmaschine“ kostet mich als eigener Kunde meiner Firma Istlokal Medienservice UG 99 Euro netto im Monat. Dazu Telco-Kosten von ebenfalls 100 Euro. Mein größter Kostensatz sind die Honorare für Mitarbeiter. Und mit steigenden Umsätzen ziehe ich die Honorare mit, weil die Mitarbeiter am Erfolg beteiligt sein sollen – denn sie erarbeiten den mit – und versuche neue Mitarbeiter zu gewinnen. Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Die hohen Kosten hat der geschätzte Herr Lischka nicht gerechnet. Wenn es uns gelingt, nur die Hälfte der Umsätze von Tageszeitungen pro Mitarbeiter zu erreichen, klingelt es bei uns in der Kasse, was weiteres Wachstum möglich macht. Davon sind wir noch weg, aber wir arbeiten dran.

Marian Semm: Du hattest 2010 gesagt: “Die meisten Verlage haben vergessen, woher sie kommen.” Die meisten, aber nicht alle. Wäre es – nach all den Versuchen – nicht angebracht, genau das zu kopieren? Vielleicht einen gedruckten Rheinneckarblog?

Hardy Prothmann: Erstens: Ich würde das nicht ausschließen. Ich habe bei Print angefangen und gedruckte Produkte sind nach wie vor toll, wenn sie gut gemacht sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Printjournalisten habe ich aber auch schon sehr früh für Hörfunk und Fernsehen gearbeitet und mit intensiv mit dem Internet beschäftigt. Ganz ehrlich? Es gibt nichts, was mehr beeindruckt, als ein großformatiges Foto auf Papier. Ein Still. Ein Moment, der 1.000 Geschichten erzählt und beeindruckt. Ganz ehrlich? Es gibt nichts Großartigeres als einen Film, in dem viele Bilder gezeigt werden, Emotionen, Stimmungen. Ganz ehrlich? Es gibt nichts, was mehr beeindruckt, als ein kluger, differenzierter Text. Das Internet kann das alles – auch die Haptik, wie die Revolution der Smartphones zeigt. Eine Zeitung kann man nicht tippen und wischen. Trotzdem sind alle Mediengattungen wichtig und wenn ich noch ehrlicher werden soll – ich habe insbesondere beim öffentlich-rechtlichen Hörfunk super viel gelernt. Drei bis vier Minuten für einen Beitrag sind eine sehr lange Zeit, um etwas zu erzählen, aber viel zu kurz, um wirklich tief einzusteigen. In 75 Sekunden oder noch kürzeren Soundbytes erzählst Du gar nichts mehr. Das habe ich beim Privatfunk gelernt und deswegen sehr schnell die Entscheidung getroffen, dass das nix für mich ist. Achtung, Werbung: Ich liebe Deutschlandfunk. Die machen mit langen Strecken tolle Arbeit. Sorry für den Ausflug, der musste sein.
Die Verleger haben den Internet-Markt massiv beschädigt, in der Hoffnung ihre Printprodukte zu schützen. Das ging so: Schalte teure Anzeige im Print, online kriegste für lau dazu. Was für eine Katastrophe.

Zur Frage: Ja, ich kann mir Print vorstellen. Aber das will sehr gut überlegt sein und dafür braucht es andere Strukturen, als wir sie haben. Und vor allem Liquidität. Für solche Experimente habe ich aktuell kein Geld.

Zweitens: Es haben nicht alle vergessen, wo sie herkommen: Giovanni di Lorenzo hat es nicht vergessen und Giovanni hat die ZEIT von einer schweren, teils bräsigen Zeitung einfach top in eine neue Zukunft entwickelt. Für Zeit Online gilt dieses Lob nur eingeschränkt – ich kenne Jochen Wegner nicht gut, aber seit langer Zeit. Er hat mich als Focus-Redakteur 2004 als Autoren sehr gut betreut, als ich für Focus über den Tsunami in Thailand berichtet habe – Danke dafür! –, aber aktuell finde ich viel bei Zeit Online nicht überzeugend. Christian Lindner, bis vor kurzem Chefredakteur der Rhein-Zeitung hat in meinen Augen vor allem im Digitalen eine Medaille verdient. Ein Zeitungsmann! Er hat sich was getraut und ist mit hoher Fachkenntnis dran gegangen. Er ist zwar ein Zeitungsgewächs, aber er ist durch und durch journalistisch getrieben und das ist am Ende alles, worauf es ankommt

Marian Semm: Du hast ihm auch gleich einen Job angeboten…

Hardy Prothmann: Das war ein Joke. So einen kann ich nicht bezahlen. Der müsste selbst wollen – ehrenamtlich oder als Investor. Der Mann ist top und braucht kein Papier, glaube ich. Ich war sehr bestürzt über seinen Rauswurf. So geht man nicht um mit jemandem, der im eigenen Haus groß geworden ist und über 37 Jahre lang Top-Leistung abgeliefert hat. Es würde mir auch sehr viel Spaß machen, wenn er Chefredakteur des Mannheimer Morgen würde.

Marian Semm: Wieso das?

Hardy Prothmann: Nun, der aktuelle Chefredakteur Dirk Lübke ist, sagen wir mal „mäßig erfolgreich“. Konkret – die Abo-Zahlen kennen nur eine Richtung, nach unten und das teils deutlich über dem allgemeinen nach-unten-Schnitt der Branche. Die Dr. Haas-Gruppe hat sehr viel Geld in ein Yellow-online-Format, die Headline24 GmbH gesteckt, die Boulevard produziert. Erfolg geht anders. Ist ne Zwischenbemerkung erlaubt?

Marian Semm: Alles was mir keine Abmahnung einbringt…

Hardy Prothmann: Wenn ich nur ein Zehntel von dem Geld für dieses „gelbe Angebot“ zur Verfügung hätte, würde ich hier in der Region zeigen, wo der ganz große journalistische Hammer hängt. Vor ein paar Jahren saß ich mit dem Kollegen Lindner beim Tag des Onlinejournalismus beim Hessischen Rundfunk zusammen auf einer Podiumsdiskussion. Die Moderatorin fragte irgendwann: „Herr Lindner, was würden Sie eigentlich tun, wenn so ein Prothmann in Ihrem Gebiet aufschlagen würde?“ Herr Lindner zögerte eine Sekunde, lächelte sein verschmitztes Lächeln und sagte: „Ich würde versuchen, ihn einzukaufen. Das wäre sicher für beide Seiten von Vorteil.“

Marian Semm: Du würdest Dich kaufen lassen?

Hardy Prothmann: Jeder lässt sich „kaufen“. Wir reden hier von einem besonderen Geschäft. Journalismus produziert keine Schrauben und auch kein Katzenfutter, sondern Inhalte, die wesentlich für die Meinungsbildung der Gesellschaft sind. Und damit wesentlich für ein gutes, aber auch kritisches Miteinander in einer freiheitlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Grundordnung. Journalismus muss, soweit möglich, unabhängig sein. Ich bin wie andere abhängig von einem Einkommen, um mein Leben bezahlen zu können. Ich strenge mich an, um meine Mitarbeiter bezahlen zu können. Wenn jemand beim RNB einsteigen will oder es kaufen will, höre ich mir die Bedingungen an und entscheide, ob es ein gutes Angebot ist oder nicht. Ich vermute, dass ich mit Herrn Lindner hätte handelseinig werden können. Bei Herrn Lübke ist das ausgeschlossen. Er und ich haben überhaupt nicht dieselbe Vorstellung von Journalismus.

Zurück zur Frage: Nein, ich bin unverkäuflich. Aber unsere Arbeit und unser Wissen und unsere Leistung sind käuflich. Das RNB ist ein journalistisches Produkt von vielen, die daran mitwirken.

Marian Semm: Du suchst einen Investor?

Hardy Prothmann: Ja und nein. Ich konzentriere mich täglich darauf, diese kleine Unternehmung erfolgreich zu machen. Wenn aber jemand Geld investieren möchte und das Potenzial erkennt, um damit einen soliden Profit zu machen, unterhalte ich mich gerne über Chancen und Risiken.

Marian Semm: Welche Chancen siehst du für lokale und regionale Blogs in Zukunft?

Hardy Prothmann: Die haben genau keine Chance, wenn nicht konsequent daran gearbeitet wird, dass journalistische Leistung auch bezahlt wird. Nicht einmal ein Arbeitstier wie ich, der Prothmann, hat eine Chance. Das geht nur unternehmerisch und als Team. Man muss planen, entwickeln, formen, festigen, investieren, innovativ sein. Und vermarkten. Ohne Moos ist gerade auch journalistisch nix los. So einfach ist das.

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