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	<title>Marian Semm - Büro für Medieninnovation &#187; Leute</title>
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	<description>Marian Semm - Büro für Medieninnovation</description>
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		<title>&#8220;Das kommerzielle Denken geht mir ab&#8221; &#8211; über die Pflege des Schwarms (Serie Lokalzeitung 2.0 &#8211; Folge 5)</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 08:56:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>marian_semm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Raum, vor dem deutsche Zeitungsverleger Respekt haben könnten, misst keine 20 Quadratmeter und liegt in einem unscheinbaren Gebäude in einem unscheinbaren Dorf in den Ausläufern des bayerischen Waldes. Von hier aus dirigiert Michael Wagner einen Schwarm von fünf Fotografen, knapp fünfzig Online-Redakteuren und 1.500 freiwilligen Datenpflegern aus den Fußballvereinen Ostbayerns. Vor drei Jahren, im Alter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Raum, vor dem deutsche Zeitungsverleger Respekt haben könnten, misst keine 20 Quadratmeter und liegt in einem unscheinbaren Gebäude in einem unscheinbaren Dorf in den Ausläufern des bayerischen Waldes. Von hier aus dirigiert Michael Wagner einen Schwarm von fünf Fotografen, knapp fünfzig Online-Redakteuren und 1.500 freiwilligen Datenpflegern aus den Fußballvereinen Ostbayerns. Vor drei Jahren, im Alter von 16 Jahren, hat er die regionale Sportnachrichten-Website <a title="Fußball Passau" href="http://www.fussball-passau.de/">Fußball Passau</a></em><em> <a title="Die PNP zur Gründung von FuPa" href="http://www.fussball-passau.de/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=50&amp;Itemid=246">gegründet</a></em><em> und erreicht damit pro Tag etwa 10.000 Besucher, die zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Page-Impressions pro Monat verursachen. Mit einem regionalen Themenportal spielt er also mit in der Liga der kleineren bis mittleren Regionalzeitungsverlage.</em></p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Herr Wagner, wie begeistert man fünfzig feste Mitarbeiter?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Am besten mit Unverbindlichkeit. Ich sage den Mitarbeitern &#8220;du kannst jederzeit aufhören, du verpflichtest dich zu nichts.&#8221;</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Aber sie sprechen sie schon aktiv an, sie warten nicht darauf, dass sie freiwillig zu Ihnen kommen.</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Nein, eigentlich melden sich die Leute, die Lust haben mitzumachen, bei mir.</p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_1021" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/03/Bildschirmfoto-2010-03-26-um-09.17.35.png"><img class="size-medium wp-image-1021" title="Fußball Passau" src="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/03/Bildschirmfoto-2010-03-26-um-09.17.35-300x204.png" alt="" width="300" height="204" /></a><p class="wp-caption-text">Fußball Passau pflegt den Schwarm, Honorar ist die Ausnahme.</p></div>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Honorar gibt es keins, richtig? Woher diese Anziehungskraft?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Wir haben schon ein Wir-Gefühl, die Leute merken, dass es uns wirklich um den Regionalfußball geht. Und bei uns lebt der Fußball. Alle paar Kilometer ein Verein, in jedem Ort. Das interessiert alle hier bei uns.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Neben den fünfzig festen Mitarbeitern haben Sie auch noch 1500 Leute in den Vereinen, die die Profilseiten pflegen. Wie kümmert man sich um die?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Die bekommen einen Zugang und können ihre Angaben pflegen. Die machen das von sich aus. Kontakt haben wir kaum.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Und das funktioniert wirklich alles ohne einen Cent Honorar?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Wir haben eine kleine Aufwandsentschädigung. Aber nur für Fotografen, wenn die für uns zu einem Spiel fahren. Ein geringes Benzingeld. Und in unserem Monatsmagazin Querpass, das ist gedruckt, da haben wir ab und zu einen Autoren, der bekommt 20 Cent für die Zeile – aber das ist die absolute Ausnahme, wir nehmen keine Beiträge an. Und Online gibt es nichts, das tät gar nicht gehen.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Die Mitarbeiter machen das freiwillig.</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Ich chatte mit vielen ganz regelmäßig über Skype und ab und zu telefoniere ich. Und hin und wieder gibt es auch Teamtreffen, zum Beispiel zum Saisonabschluss oder Weihnachtsfeiern. Auch damit sich die Mitarbeiter untereinander besser kennen lernen. Die wissen auch, dass da kein Millionengeschäft dahinter steckt. Das ist mir wichtig, dass es so bleibt.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Sie wollen gar kein Geschäft machen?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Naja ein Geschäft wird es nie werde. Ich versuche momentan das Ganze finanziell aufzubauen, weil es zeitlich einfach nicht mehr anders geht. Seit August bin ich selbständig und lebe momentan vom Gründungszuschuss. Ich habe keine großen Belastungen – kein Auto, keine Freundin und das Zimmer hier stellt mir mein Vater zur Verfügung. Aber ein bisschen was brauche ich, momentan muss ich mit so 450 Euro im Monat auskommen.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Ist das überhaupt möglich, mit FuPa Geld zu verdienen?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Möglich ist das schon, man muss es einfach mit der Zeit aufbauen. Wir bieten für Firmen interessante Werbeflächen.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Aber über Vermarkter kommen Sie aber sicher nicht auf mehr als einen Euro für Tausend Seitenabrufe?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Eher weniger. Aber wir vermarkten auch selbst, und zwar lokal, dazu haben wir Bannerplätze auf der Startseite für 99 Euro pro Tag und auf den Ligenseiten für 25 Euro pro Monat. Auf die Startseite kommen an die 10.000 Nutzer pro Tag.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Und um das zu ergänzen, produzieren Sie jetzt zum Online-Auftritt FuPa den gedruckten <a title="Querpass" href="http://www.querpass.net/">Querpass</a>, ihr monatliches Fußballmagazin.</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Das hat nichts mit dem Internet zu tun. So ein Magazin gab&#8217;s hier schon mal vor zehn Jahren, das hat uns gut gefallen, aber es gab es nur für kurze Zeit. Wir versuchen das jetzt halt wieder.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Und da drucken Sie Ihre Internet-Artkel ab?</p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_1022" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/03/michael_wagner.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1022" title="Michael Wagner" src="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/03/michael_wagner-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Michael Wagner, Betreiber von Fußball Passau und Herausgeber des regionalen Fußballmagazins Querpass.</p></div>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Nein, überhaupt nicht. Online machen wir aktuelle Nachrichten und Statistik, im Magazin drucken wir nur Hintergrund und Sachen zum Schmunzeln. Alle Beiträge werden eigens und nur für das Magazin geschrieben. Das sind ganz andere Inhalte und Themen. Und Tabellen machen ja gar keinen Sinn in einem Monatsmagazin. Wir schreiben über Spieler aus der Region, die es zu was gebracht haben in der Bayernliga oder der zweiten Bundesliga, hier <em>(zeigt auf eine Ausgabe)</em>: Unterhaching, FC Augsburg. Und haben ein Foto von der Spielerfrau des Monats, eine Rubrik &#8220;Talente der Region&#8221; und neulich haben wir festgestellt, dass es drei Brüder gibt, die in der gleichen Liga spielen, aber in drei verschiedenen Vereinen.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Ich habe eben nachgezählt: In der Ausgabe Januar/Februar finde ich siebeneinhalb Seiten Werbung bei insgesamt 44 Seiten. Und es ähnelt mehr Kicker oder SportBild als dem regionalen Sportteil einer Zeitung. Das sieht nach Aufwand aus. Trägt sich denn das Magazin?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Ja, es trägt sich – und wir haben schon 300 feste Abonnenten bei einem Preis von 2,90 Euro. Die zweite Ausgabe wurde über 1000 mal verkauft.  Gedruckt haben wir zweieinhalbtausend Magazine, die meistenverkaufen wir an Tankstellen und auf dem Fußballplatz. Wir sind überzeugt, dass wir unsere Verkaufszahlen von Ausgabe zu Ausgabe steigern können, aber auch das ist schwer. Nicht alle jungen Leute sind dazu  bereit, heutzutage ein Print-Magazin zu kaufen.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Aber eine Werbung für ein Magazin &#8211; für wieviel Euro sagen Sie?</p>
<p><strong>Michael Wagner: </strong>Für 350 Euro pro Seite.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Also Werbung in einem Magazin mit 2.500 Exemplaren Auflage, die drei Mal so teuer ist, verkauft sich leichter als ein Banner auf einer Seite mit 10.000 Visits?</p>
<p><strong>Michael Wagner: </strong>Das Internet muss man vielen halt erst mal erklären. Online-Werbung wird besser, aber es wird schon noch seine Zeit dauern, bis sich das durchgesetzt hat.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Was sind Sie denn eigentlich? Unternehmer, klar. Und sonst? Journalist? Informatiker?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Nein, Journalist bin ich nicht. Überhaupt nicht. Das kann ich gar nicht. Ich war schlecht in Deutsch. Und ab und zu muss ich etwas schreiben. Schlimm. Da fühle ich mich unwohl. Ich bin Informatiker, Fotograf, Organisator, Ideengeber. Und Marketing mache ich auch. Aber bin ich Unternehmer? Formal bin ich Geschäftführer der FuPa GmbH. Aber mir fehlt die Kaltschnäuzigkeit und das kommerzielle Denken geht mir ab.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Wo geht Ihre Reise denn hin?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Da gibt es einige Pläne. Aber über die rede ich nicht so gerne. Die Regionen Landshut und Straubing haben im letzten halben Jahr brutal zugelegt. Aber wir können da noch besser werden.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Da sie ja ihre Datenbank schon mal haben, könnten Sie ja relativ einfach ihr Gebiet vergrößern.</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Es gibt diese Gedanken. Aber die Datenbank allein ist es auch nicht. Es muss jemand dahinter stehen und in der Region präsent sein, die Leute kennen und das alles publik machen.</p>
<p><em>Mehr über Michael Wagner und seine Projekte FuPa und Querpass bei </em><a title="Christian Jakubetz: Wie ein 20-jähriger einen Verlag demontiert" href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=2683"><em>Christian Jakubetz</em></a><em> und bei der </em><a title="Medienagentur Denk: PNP versucht Klickkönig zu ködern." href="http://www.mediendenk.com/index.php?AID=0000022389"><em>Medienagentur Denk</em></a><em>.</em></p>
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		<title>&#8220;Die meisten Verlage haben vergessen, wo sie herkommen&#8221; (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 3)</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 15:51:18 +0000</pubDate>
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Auf der Suche nach profitablem Lokaljournalismus im Internet habe ich mich etwas ausführlicher mit Hardy Prothmann unterhalten, bekannt als Macher des heddesheimblogs, das in meinen Augen eine Art Prototyp für die Lokalzeitung 2.0 darstellen könnte. Ich wollte wissen, ob und wie so ein Lokalblog wirtschaftlich funktioniert und was er dafür tun muss. Zum Beispiel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em> </em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Auf der Suche nach profitablem Lokaljournalismus im Internet habe ich mich etwas ausführlicher mit </em><a title="Hardy Prothmann" href="http://www.prothmann.org/"><em>Hardy Prothmann</em></a><em> unterhalten, bekannt als Macher des </em><a title="heddesheimblog" href="http://heddesheimblog.de/"><em>heddesheimblogs</em></a><em>, das in meinen Augen eine Art Prototyp für die Lokalzeitung 2.0 darstellen könnte. Ich wollte wissen, ob und wie so ein Lokalblog wirtschaftlich funktioniert und was er dafür tun muss. Zum Beispiel auf Urlaub verzichten&#8230; </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Sie betreiben seit Mai 2009 das heddesheimblog – waren Sie seitdem eigentlich in Urlaub?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong><em> </em>Ich habe meinen Urlaub abgesagt, dabei war das meine Hochzeitsreise. Aber der Urlaub war geplant vor der Hochzeit, vor dem Start des Blogs. Der Urlaub fiel mit wichtigen Sitzungen zur geplanten Ansiedlung des Logistikunternehmens Pfenning zusammen. Aus diesem Thema ist das heddesheimblog entstanden. Meine Leserinnen und Leser haben von mir Informationen erwartet. Hätte ich Sie in dieser wichtigen Phase enttäuscht, wären vier Monate Arbeit vergebens gewesen.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Wann können Sie davon leben?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann: </strong>Das heddesheimblog alleine rechnet sich nicht – das war mir von Beginn an klar. Mein Konzept sieht eine regionale Informationsplattform vor mit weiteren lokalen Blogs in den umliegenden Orten. Der technische Aufwand ist nur geringfügig größer, in der Summe kann ich den Werbekunden eine entsprechende Reichweite bieten.</p>
<p><em> </em></p>
<div id="attachment_960" class="wp-caption alignleft" style="width: 501px"><img class="size-large wp-image-960 " title="heddesheimblog" src="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/01/Bildschirmfoto-2010-01-22-um-16.26.53-1024x790.png" alt="Prototyp für die Lokalzeitung 2.0: Das heddesheimblog." width="491" height="379" /><p class="wp-caption-text">Prototyp für die Lokalzeitung 2.0: Das heddesheimblog.</p></div>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Es braucht also eine &#8220;kritische Masse&#8221; an Einwohnern, um hyperlokalen Journalismus zu betreiben?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Im Februar starte ich das dritte lokale Blog in der Römer-Stadt Ladenburg. Mit Heddesheim und Hirschberg decke ich dann einen Einzugsbereich von 35.000 Einwohnern ab, davon lässt sich leben. Ein Ortsblog innerhalb des Verbunds rechnet sich ab etwa 5000 Einwohnern. Drunter ist es unwahrscheinlich, dass es genug journalistische Themen gibt.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Der Bürgermeister von Heddesheim ignoriert Sie wegen Ihrer mitunter harten Berichterstattung standhaft. Gehen die Hirschberger und Ladenburger Bürgermeister souveräner um mit Ihnen?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong><strong> </strong>Das tun sie. Sie wissen um die Währung namens Aufmerksamkeit. Gerade hatte ich einen Termin beim Ladenburger Bürgermeister Rainer Ziegler. Der freut sich auf das neue Angebot. Sicherlich will er aber auch nicht den Fehler seines Heddesheimer Kollegen Kessler wiederholen, dessen pressefeindliches Verhalten seinem Image sehr geschadet hat. Ein Bürgermeister will – positive – Aufmerksamkeit für sein Ansehen und die politische Arbeit. Ich biete Aufmerksamkeit für meine Werbepartner.</p>
<h3>Ziel 2010: Fünf Lokalblogs</h3>
<p><strong>Marian Semm:</strong><em> </em>Und mit jedem weiteren Blog müssen Sie darüber nachdenken, wie Sie ihrer Frau erklären, den nächsten Urlaub zu verschieben?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann (lacht):</strong> Das kann ich nicht bringen. Wir fahren dieses Jahr in Urlaub. Ich arbeite schon jetzt mit freien Mitarbeitern zusammen und ich möchte den Regionalblog in diesem Jahr auf fünf Lokalblogs ausbauen. Dann werde ich drei bis vier Mitarbeiter beschäftigen können, Journalisten, Außendienstler, Techniker.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Und die können Sie anständig bezahlen?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong><em> </em>Was heißt anständig? Ich rechne meine Modelle mit einem Durchschnittsgehalt von 3.000 Euro brutto, der eine bekommt mehr, der andere weniger. Journalisten müssen anständig verdienen. Ich kann meinen Mitarbeitern momentan nur ein kleines Honorar bezahlen, etwa auf dem Niveau des Mannheimer Morgens. Es ist mir äußerst unangenehm, dass ich so wenig bezahlen kann. Alles weniger als 15 Euro pro Stunde ist unanständig und hat nichts mehr mit Verdienst zu tun, sondern nur mit Liebhaberei.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> 3000 Euro Monatsgehalt für drei bis vier Mitarbeiter, Technik, Räume – überschlagen sind das Kosten in der Größenordnung von 200.000 Euro. Wie spielen Sie das wieder ein?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann: </strong>Das Gros durch klassische Anzeigen in den Seitenspalten und in den Artikeln. Klassische Werbung also wie bei der Zeitung – mit dem Unterschied, dass Werbung im Internet 24 Stunden überall abrufbar zur Verfügung steht. Viele Betriebe haben zwar einen Internet-Auftritt, aber sie bekommen kaum Zugriffe. Die Werbung im Blog ist nachhaltig, darin wird nicht wie bei der Zeitung am nächsten Tag der Fisch eingewickelt. Ich komme den Anzeigenkunden, die einen Monat in einem Artikel gebucht haben entgegen und lasse die Werbung auch im Archiv noch stehen, das wirkt also dauerhaft – ich kann an den Statistiken sehen, dass das Archiv gut genutzt wird. Abgesehen davon verbessert die Dauer-Werbung, das sind ja Links, auch das Google-Ranking der Werbenden.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Ihre Preisliste beginnt bei 5 Euro pro Anzeige im Terminkalender – lohnt es sich wirklich, das alles einzusammeln?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann: </strong>Auch Kleinvieh macht Mist. Und es geht auch deutlich teurer. Im vergangenen Jahr wollte die Unternehmensgruppe Pfenning, also der <a title="heddesheimblog zum Thema Pfenning" href="http://heddesheimblog.de/themen/pfenning/">Anlassgeber für meinen Blog</a>, ihre Website Pro-Heddesheim bewerben. Die Anzeige 600 mal 600 Pixel hat sich das Unternehmen mehrere tausend Euro kosten lassen. Ich habe gesagt: Ich bin das Tor zu denen, die Ihr erreichen wollt. Das Unternehmen hat eine 100 Millionen Euro Investion vor, da läßt man sich auch die Werbung etwas kosten. Abgesehen davon: Ich habe für 2010 bereits drei Zusagen von Partnern, die für ein ganzes Jahr eine gewisse Sichtbarkeit auf den Blogs buchen und da fließen auch größere Summen. Das werden Premiumpartner meiner Blogs.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Was haben denn diese Kunden davon?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong><em> </em>Die versprechen sich einen Imagetransfer, das heddesheimblog sei &#8220;modern&#8221; sagen sie, eine &#8220;tolle Idee&#8221;. Vor allem aber sind sie sind unzufrieden mit der Lokalzeitung, weil sie dort in der Berichterstattung nicht stattfinden. Hier wird über die großen Firmen berichtet und über Verbände. Die Mittelständler, Gewerbetreibenden und Selbstständigen sind extrem unzufrieden mit der Zeitung.</p>
<h3>&#8220;Wenn die Kritik zum Storno führt, dann ist das eben so.&#8221;</h3>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Gefährden Sie nicht mit dem wirtschaftlichen Erfolg ihre journalistische Unabhängigkeit?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann: </strong>Das ist ziemlich mühsam für mich, weil ich immer erklären muss, dass ich als Journalist unabhängig bin und dass trotz einer Anzeige oder einer Partnerschaft unabhängig berichtet wird. Offensichtlich ist man anderes gewohnt. Aber wenn es über einen Kunden negative Informationen geben sollte, werden wir darüber berichten. Wenn die Kritik zum Storno führt, dann ist das eben so.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Welchen Raum nimmt überregionale Werbung in ihrer Planung ein? Ihre Homepage ziert momentan ein Werbebanner von AdScale? Oder was ist mit Google AdSense? Oder mit Provisionen aus Buchverkäufen bei Amazon?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Davon halte ich nichts. AdScene und AdSense nutze ich momentan noch, weil es ein wenig Geld bringt. Das nutze ich als Lückenfüller. Mittelfristig werde ich darauf verzichten können. Mit Amazon könnte ich zusammenarbeiten, aber ich bin Lokalpatriot. Ich schließe lieber eine Kooperation mit einem lokalen Buchhändler. Ein Beispiel, das ich verkaufen möchte: Der Buchhändler stellt mir Bücher zur Verfügung und bucht Werbung. Freie Mitarbeiter besprechen das Buch mit dem Hinweis auf unseren Sponsor: Dort könnt Ihr das kaufen. Außerdem denke ich über weitere Formate nach, beispielsweise bezahlte Portraits von Top-Gastronomie. Oder Publikationsflächen für Vereine oder kleine Unternehmen – allerdings werde ich die Beiträge prüfen, damit kein Vereinsgeschwurbel die Leserinnen und Leser langweilt.</p>
<p><em> </em></p>
<div id="attachment_956" class="wp-caption alignright" style="width: 234px"><img class="size-medium wp-image-956 " title="Prothmann2" src="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/01/Prothmann2-224x300.jpg" alt="Hardy Prothmann, Betreiber des heddesheimblogs. Foto: sap" width="224" height="300" /><p class="wp-caption-text">Hardy Prothmann, Betreiber des heddesheimblogs. Foto: sap</p></div>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Und das machen die Buchhändler, die Vereine und Kleinunternehmer mit?</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Hardy Prothmann:</strong> Ja, auch wenn es mühsam ist, die Rolle der Internetwerbung zu erklären. Für viele ist das ein noch nicht ausreichend bekanntes Medium. Außerdem freue ich mich, wenn bald ein Außendienstler diese Aufgabe übernimmt. Ich bin kein Anzeigenverkäufer, sondern Journalist. Sehr gut funktioniert es bei Kunden und Vereinsvorständen, die das Internet verstanden haben. In Heddesheim kommt erschwerend hinzu, dass manchen Unternehmer eine Werbung &#8220;zu heiß&#8221; ist. Die befürchten Nachteile bei der Gemeinde, wenn sie bei mir werben. Das wird sich aber legen.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> In den USA wird die Debatte um die Querfinanzierung des Nachrichtenjournalismus sehr intensiv geführt, da fällt häufig der Vorschlag, Journalismus durch Spenden zu ermöglichen – wäre das nichts für Sie?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Ich habe darüber nachgedacht, einen Spendenbutton anzubringen. Letztlich habe ich darauf verzichtet – und vermutlich auf einige hundert Euro pro Monat, die mir das vielleicht bringen würde. Tatsächlich glaube ich nicht, dass das in Deutschland funktioniert. Das könnte auch negativ wahr genommen werden, nach dem Motto: Jetzt hält er den Hut auf. Ein Gegenbeispiel ist Jens Weinreich, der sich mit dem DFB angelegt hat, verklagt wurde und um Spenden bat. Damit konnten die Fußballfans etwas anfangen, das hat funktioniert. Was ich mir aber vorstellen kann, sind spendenfinanzierte Projekte für aufwändig zu recherchierende Geschichten, die sonst nicht entstehen würden. Beispielsweise einen Beitrag zur Stadthistorie oder ein aufwändiges Vereinsportrait.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Welche Rolle spielt Sport? Michael Wagner hat in Niederbayern mit seinem <a title="Fußball Passau" href="http://www.fussball-passau.de/">Fußball Passau</a> ein kleines Imperium von Hobby-Berichterstattern aufgebaut.</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Fußball Passau ist ein toller Erfolg, den ich genau beobachte. Glückwunsch an Michael Wagner. Ich verstehe nur wenig vom Fussball, sonst könnte ich mir das auch vorstellen – ein regionales Vereinsblog oder Sportblog. Dafür bräuchte ich aber einen Sportreporter. Fürs erste habe ich andere Prioritäten gesetzt.</p>
<h3>Seitenabrufe aus der Dudenstraße</h3>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Müssten Sie mit ihren Aktivitäten nicht eigentlich ganz massiv das Immunsystem des <a title="Mannheimer Morgen" href="http://www.morgenweb.de/">Mannheimer Morgens</a> anregen?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Ich spüre nichts dergleichen. Ich weiß, dass man in der Redaktion über mich redet und ich kann Seitenabrufe aus der Dudenstraße in der Statistik sehen. Und im Lokalteil wird aber über Heddesheim gegenüber der vor-heddesheimblog-Ära überproportional viel berichtet. Wenn man allerdings genau hinschaut, ist das purer <a title="NZ Online: Was ist ein Bratwurstjournalist?" href="http://blog.nz-online.de/vipraum/2009/11/23/was-ist-ein-bratwurstjournalist/">Bratwurstjournalismus</a>: Zwei Artikel mit Allgemeinplätzen, Schwafelei und Gefälligkeiten und drei Terminankündigungen, die normalerweise in den Veranstaltungskalender gehören und als Pseudoartikel aufgepeppt sind. Das ist kein Journalismus.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong><strong> </strong>Mir drängt sich der Eindruck auf, dass Sie vom Geschäft leben, das der Mannheimer Morgen links liegen lässt?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Das ist wohl wahr. Die Online-Vermarktung beim Mannheimer Morgen wird wohl sehr stiefmütterlich betreut. Mir ist das ganz recht, ich sehe kaum regionale und schon gar keine lokale Werbung. Die möchte ich haben. Das ist Teil des Konzepts: Lokal-regionale Berichterstattung zum Anfassen und ebenso die Werbung.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Könnte man also sagen, dass Lokalblogs wie das heddesheimblog in einer Nische operieren, die die Verlage für sich nicht sehen?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann: </strong>Meine Anzeigen sind komplettes Neugeschäft, der Zeitung nehme ich zunächst nichts weg. Wenn ich überhaupt jemandem weh tue, dann den Anzeigenverlagen. Der Mitteilungsblatt-Monopolist <a title="Nussbaum Medien" href="http://www.nussbaum.de/">Nussbaum Medien</a> merkt wohl, dass sein Modell auf lange Sicht bedroht ist und hat <a title="Lokalmatador" href="http://lokalmatador.de/">lokalmatador.de</a> gestartet. Das Angebot hat aber kein gescheites Konzept: Hier mal eine Geschichte aus St. Leon-Roth, dort eine aus Heddesheim, dann aus Hockenheim, jeweils zig Kilometer dazwischen. An die Leser wird überhaupt nicht gedacht. Von dieser Seite habe ich nichts zu befürchten.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Was halten Sie von Mitmachportalen wie <a title="myheimat" href="http://www.myheimat.de/">myheimat</a>?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Nichts. Das ist doch unanständig, einerseits wettern die Verlage gegen Google, andererseits sammeln sie hier kostenlos Content ein und entbinden sich der journalistischer Sorgfaltspflicht. Damit schaden sie der eigenen Produktgattung. Das ist die alte Denke &#8220;wie bekomme ich etwas gedruckt&#8221;. Das mag eine Zeit funktionieren, weil die Menschen erstmal neugierig drauf gucken, aber das nutzt sich schnell ab.</p>
<h3><em>&#8220;Ich bin kein Blogger, sondern Journalist.&#8221;</em></h3>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Vielleicht kommt es Lokalbloggern wie Ihnen&#8230;</p>
<p><strong>Hardy Prothmann: </strong>Stopp. Ich bin kein Blogger, sondern Journalist. Ich nutze Wordpress und Addons als CMS. Das Ergebnis ist Journalismus pur.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Ok. Ihnen kommt es aber ganz gelegen, dass die Verlage bei <a title="BDZV: Zur Lage der Zeitungen in Deutschland 2009" href="http://www.bdzv.de/wirtschaftliche_lage+M5073f767ed6.html">Rückgang der Anzeigenumsätze</a> sparen müssen – und auch die eine oder andere Stelle im Lokalen streichen?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Ich finde diese Strategie der Verlage hervorragend. Im Ernst: Versetzen Sie sich in die Position der Verlage. Die sind so groß, die sehen ihre Füße nicht mehr. Die sehen nicht, worauf sie stehen und dass der lokale Content exklusiv ist und damit wertvoll. Die Verlage denken immer an ihre Druckmaschine und wie sie diese auslasten können. Die denken alles in bedrucktem Papier. In der Steinzeit dachte man in Steintafeln. Irgendwann wurde mit Tinte geschrieben, dann gedruckt. Medien und deren Nutzung ändern sich. Lokaljournalismus wird im Internet eine neue Heimat finden – übrigens auch mobil.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Ich finde interessant, dass auch Online-Redaktionen von Lokalzeitungen lieber spiegel.de nachheifern als internetgerecht Lokaljournalismus zu betreiben: Da ist der Wirbel um eine Sendung im WDR über ein Neurodermitismittel wichtiger als umfassende Lokalberichterstattung, da gibt es einen Liveticker über die Beerdingung von Robert Enke, da wird der Sonntags-Tatort online besprochen. Wenn ich die Lokalnachrichten aufrufe, finde ich dafür nur lieblos aus dem Printsystem kopierte Artikel. Finden Sie das schlau, dass der Tatort ausführlicher behandelt wird als die Lokalnachricht?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Aus meiner Sicht spricht nichts Grundsätzliches dagegen, überregionale Themen aufzugreifen. Beispiel: &#8220;Schlag den Raab&#8221; hatte aktuell 3,7 Millionen Zuschauer, fast 22 Prozent Marktanteil. Das haben sicher auch viele Heddesheimer gesehen und deshalb hat meine Kolumnistin Gabi das auch aufgegriffen. Mir persönlich ist wichtig, überregionale Phänomene zu regionalisieren und zu lokalisieren. Was bedeutet die Rekordverschuldung des Staates für unseren Ort? Wie wirkt sich die Schweinegrippe lokal aus? Ich hatte an einem Freitag im Herbst ein Interview dazu mit einem Heddesheimer Arzt gemacht und en passant erwähnt, dass in dieser Praxis ausreichend Impfstoff vorrätig sei. Am Montag drauf standen Patienten dort Schlange.</p>
<h3>Am Allerwichtigsten: Guter Journalismus.</h3>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Zeitungen denken in ihrem gedruckten Medium und in ihren Verbreitungsgebieten, Sie dagegen denken in einzelnen Orten.</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Und: Ich verlinke nach außen – das fehlt mir bei den Lokalzeitungen. Wenn ich im Netz etwas entdecke, was lokal interessant ist, weise ich meine Leser darauf hin. Und ich lege manche Quellen über Verlinkung offen. Transparente Information ist wichtig. Auch das haben Verlage nicht verstanden. Wenn ich damit Leser zu anderen Seite führe, sage ich: Na und? Die wissen, wo sie hinmüssen, um solche Informationen zu finden. Am Allerwichtigsten aber ist guter Journalismus. Den finden Sie im Netz bei spiegel.de, sueddeutsche.de, welt.de, zeit.de und auch für den anderen Geschmack bei bild.de – aber typischerweise nicht bei den Regionalzeitungen. Dort wird nur die gedruckte Zeitung ins Netz gehievt. Online first hat da noch niemand gehört.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Zeitungsverlage haben in vielerlei Beziehung die besseren Voraussetzungen, einen lokalen Blog zum Erfolg zu führen. Obwohl die Angst in den Verlagen wächst, sehe ich kaum vergleichbare Ansätze bei Verlagen, zumindest nicht, was den starken journalistischen Fokus hat, wie bei Ihnen. Können Sie sich das erklären?</p>
<p><strong>Hardy Prothmann:</strong> Zeitungsverlage sind in erster Linie Druckmaschinenbetreiber, die denken nicht im Traum daran, etwas zu fördern, was die Auslastung der Maschinen in Gefahr bringt. Und Journalismus? Ganz ehrlich: Wie viele Redaktionen leisten sich das noch? Die meisten Verlage haben vergessen, wo sie herkommen. Von der Information. Nach dem Start des heddesheimblogs hat mir ein Leser gesagt: „Das können Sie doch so nicht schreiben?“ Ich fragte, warum? Der Leser: „Im Mannheimer Morgen habe ich noch nie so viel Kritik gelesen, das bin ich gar nicht gewohnt. Kriegen Sie da nicht Ärger?“</p>
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