(Deutsch) Die Ökonomie des Ortsblogs (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 4)
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[...] Die Ökonomie des Ortsblogs (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 4) [...]
[...] lesenswerten Serie „Lokalzeitung 2.0″ die wichtigsten Punkte unter dem Titel „Die Ökonomie des Ortsblogs” [...]
[...] Die Ökonomie des Ortsblogs (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 4). Zwar schon ein paar Tage alt, aber gleichwohl sehr spannend! Alle warten ja zur Zeit auf erfolgreiche Lokalblogs, die dem Ende der Lokalzeitung etwas entgegen setzen. Marian Semm zeigt auf, dass es sich tatsächlich auch finanziell lohnen kann – vielleicht nicht für Verlage, aber für Kleinunternehmen auf jeden Fall! (Was “die Branche” denkt, berichtet Stefan Wild auf Buzzriders. [...]
[...] wollen die Leser? Einige Versuche mit Ortsblogs und ein Rechenbeispiel lesen sich ganz vielversprechend: Man muss zumindest im Internet absolut lokale Nachrichten [...]
Die Realität ist meiner Phantasie mal wieder einen Schritt voraus – Mitte April startet heinertown.de in Darmstadt. Soweit ich das sehe, ist das Deutschlands erster Paid-Content-Ortsblog (http://www.heinertown.de/).
Darmstadt, ausgerechnet Darmstadt. Ob das Zufall ist?
Zur Erinnerung: Jörg Riebartsch, Chefredakteur des Darmstädter Echos, hat Ende Januar 2010 beim Forum Lokaljournalismus mit folgender Äußerung seine Präferenzen für Totholzmedien klar gemacht: “Wir twittern nicht. Wir bauen mit Mainz Europas modernste Druckerei. Für 105 Mio €” (http://twitter.com/RZChefredakteur/statuses/8319148473). Und ein paar Tage später im eigenen Blatt unter dem Titel “Lokaljournalismus – Stochern im Nebel 4.0″ nachgelegt (http://www.echo-online.de/freizeit/multimedia/medienpublizistik/art2550,632232).
Sollte man gelesen haben…
Tja, die Konkurrenz schläft nicht.
Ohne Deine Zahlen nachgerechnet zu haben (das könnte ich auch gar nicht): Sehr gute Analyse. Heddesheimblog ist erst der Anfang. Meine Prognose: Wir werden in den nächsten 12 Monaten viele lokale Blog-Netzwerke sprießen sehen. Ich frage mich, wann es in Köln losgeht. Ballungsraum von 1 Million Menschen und mit DuMont ein Monopolist, der dringend publizistischen Wettbewerb braucht. Mein erstes Gedanke, als ich heute von heinertown.de gehört habe, war übrigens auch: Aha, Darmstadt….
Ich finde es faszinierend, dass alle glauben, dass das lokale Bloggen bald richtig losgeht. Was Köln angeht: Hier passiert in der Tat im Moment erst wenig. Ich glaube auch nicht, dass der Weg eines Vollangebots der richtige ist. Bei Elfnachelf.de, gestartet im Januar, gehen wir einen anderen Weg: Wir wollen einbeziehen, was schon da ist und einen Mehrwert bieten, indem wir selektieren und sortieren – meines Erachtens eine der wichtigsten Funktionen des Journalismus. Auf Dauer würden wir gerne mehr eigenes machen, aber zwischen Jobs und Uni und ohne Startkapital ist das schwierig. Es gibt zarte andere Versuche von Nachrichtenblogs in Köln, die versuchen ein Vollangebot zu sein, aber alle das Problem haben, zu selten aktualisiert zu werden.
Sie sehen Vollangebote völlig zu recht kritisch, ein erfolgreiches Ortsblog braucht vor allem Focus. Ich glaube allerdings nicht, dass es allein mit dem Einsammeln von Geschichten getan ist und ich glaube auch nicht, dass sich das dauerhaft nebenher machen lässt. Und, völlig richtig, ohne Startkapital wird es schwer.
Ich finde es sehr begrüßenswert, wenn über solche Modelle nachgedacht wird.
Das Problem aber scheint mir, dass sich i.d.R. Leute dazu äußern, die eher von der journalistischen- bzw. Content Seite kommen, aber noch nie eine real Anzeige verkauft haben: Sie haben nicht nur keine Ahnung von “Akquise”, sie können sie nicht mal richtig schreiben.
Sie schreiben: “Wenn es einem gelernten Journalisten wie Prothmann gelingt, quasi in Nebentätigkeit einen vierstelligen Betrag im Monat zu aquirieren – wieviel vermag da ein professioneller Verkäufer umzusetzen?”
Für Umsätze um die 120.000 Euro pro Jahr kriegt man keinen professionellen Verkäufer, auch nicht bei 30% Provision. Ein guter Anzeigenvertreter macht mindestens 120.000 Euro Provision pro Jahr. Mindestens die Hälfte davon braucht er, um von dem Job überhaupt passabel leben zu können. Und die andere Hälfe kriegt er, weil es von dem Fach eben nur wenige gute gibt. Ein neues Medium hat zudem so gut wie keine Chance, einen solchen für sich zu gewinnen.
Die vorgeschlagene Lösung – ein Vertreter, der schon andere Medien vermarktet und das nebenbei macht – geht eben auch nicht: Erstens macht er es dann eben wieder “nebenbei”, zweitens wäre es schon ein mittleres Wunder, ausgerechnet in dieser kleinen Gemeinde einen professionellen Anzeigenvertreter zu finden, der vor Ort bestens verdrahtet ist, nicht für den Wettbewerb arbeitet und obendrein noch freie Kapazitäten hat. Und drittens ist das zeitlich nicht machbar (bitte mal ausrechnen, wie viele Abschlüsse nötig sind, um 120.000 Jahresumsatz zu erreichen und das mit der Anzahl der für einen Abschluss benötigten Kundenbesuche multiplizieren. Diese Zahl entspricht etwa einer Arbeitsstunde, wenn wir uns in einem 35.000 Seelen-Örtchen befinden (kurze Wege); hinzu kommen aber noch Vor- und Nachbearbeitung, die noch einmal mindestens mit dem Faktor 2 zu Buche schlägt).
Alles was ich sagen will, ist im Prinzip: So einfach isses nicht und solche Rechnungen tragen nicht dazu bei, von “Profis” ernstgenommen zu werden. Eher schon sehe ich die Gefahr, dass sich einige “Berufene” inspiriert fühlen, sich unglücklich zu machen…
Man wird sehen, dass es einfach ist, glaube ich auch nicht.
Hardy Prothmann vom heddesheimblog rechnet übrigens mit rund 50 Prozent höheren Umsätzen als meine Modellrechnung. Und es gibt auch Ortsblogs, die vom Vermarktungsansatz her kommen, altona.info zum Beispiel – siehe hier: http://www.mediummagazin.de/archiv/2009/12/kompletter-angriff/ – das erste Jahr mit fünf Sponsoren überstehen und dann: Generalangriff…
Noch mal zu Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, dem Kerngebiet des Darmstädter Echos: Wir haben hier eine merkwürdige Situation. Im Ostkreis erscheinen Monat für Monat ~12 kostenlose Stopfzeitungen mit einem Anzeigenteil von ~50%, plus gewerbliche Texte des Mittelstandes (Solaranlagen, Gartengestaltung, usw.). 4 davon wöchentlich, 3 14-tägig.
Gegenwärtig scheint der Markt gesättigt, aber hallo 12 unterschiedliche Anzeigenblätter!
Deren Anzeigen werden auch zum größeren Teil akquiriert von Nebenbei Anzeigenverkäufern, z.B. Rentnern, mit Anzeigenpreisen von ~1.200 Euro aufwärts, ganzseitig bei Berliner Format. Anzeigen im 1/8 Format kosten entsprechend dem Mehraufwand 40% mehr.
Wir haben uns hier mal die Anzeigenverkäufer angeschaut,und dass ist kein Hexenwerk, weit unter den genannten Anzeigenpreisen der Printblätter gut zu leben.
Ich gehe fest davon aus, das Südhessen im Erscheinungsgebiet des Echo, und der Raum Mannheim/Neckar innerhalb der nächsten 18 Monate einige hyperlokale Online Startups erleben wird, die mit niedrigschwelligen Anzeigenpreisen den Markt umkrempeln.
Peter Löwenstein
Ich bin erst jetzt auf diesen Beitrag gestoßen, finde ihn – und die ganze Serie – aber sehr spannend. Da ich von der journalistischen Seite komme, kann ich die Rechnungen nur schwer nachvollziehen, halte es aber auch für durchaus möglich, mit einem hyperlokalen Blog (-Netzwerk) Geld zu verdienen. Dennoch müssen wir uns bewusst sein, dass es im hyperlokalen Raum ziemlich schwierig sein wird, Werbekunden von einem neuen Medium zu überzeugen. Welcher Tischlermeister oder Eisdielenbesitzer hat schon von Web 2.0 und Blogs gehört? Vermutlich nicht viele.
Mit Werbung allein wird die Finanzierung also wahrscheinlich nicht klappen. Ich halte weitere Ansätze für interessant, zum Beispiel einen Kleinanzeigenmarkt der User. Zudem denke ich, dass man über Cross-Media-Strategien gute Chancen haben kann. Zum Beispiel eine wöchentlich oder 14-tägig erscheinende Printausgabe kann die wichtigsten Inhalte des Blogs zusammenfassen und zusätzliche Werbeeinnahmen in die Kassen spülen. Von Printwerbung dürften auch die Anzeigenkunden begeisterter sein.
Zum Thema myheimat: Prothmann hält nichts von der Seite. Warum? Natürlich wird dort kein knallharter Profijournalismus betrieben. In den Gebieten, in denen Madsack-Tageszeitungen oder Partnerzeitungen von myheimat (Hannover, Augsburg / München) verbreitet sind, scheint das Portal aber trotzdem gut angenommen zu werden. Besonders weil dort auch Printausgaben mit myheimat-Inhalten erscheinen, entsteht eine hohe Nutzerbindung. Und wenn es den Nutzern gefällt – warum soll man ihnen dann nicht so eine Plattform bieten? Myheimat ist doch quasi ein User-generated-good-News-Center. Und anders als über den partizipativen Ansatz halte ich es insgesamt für schwierig, eine hyperlokale Seite aufzubauen. Bürgerjournalismus heißt ja nicht nur, nutzergenerierte Inhalte auf seiner Seite zu veröffentlichen, sondern auch den Nutzern eine Plattform zu bieten.
“Die Beteiligung der Nutzer an der Erstellung der Inhalte gibt ihnen eine persönliche und emotionale Bindung zu unserem Produkt. Ich glaube, dass das entscheidend für die Zukunft unserer Industrie sein wird.” Das hat Mary Lou Fulton, Managerin bei The Bakersfield Californian, gesagt und ich halte es für wahr.
In meiner Bachelorarbeit und meinem Blog beschäftige ich mich auch mit hyperlokalem Journalismus. Falls Interesse besteht, freue ich mich über einen Besuch auf http://www.henning-ohlsen.de
Wow, was für ein toller Artikel. Da steckt viel drin für unserer Redaktion. Danke!
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