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	<title>Marian Semm - Büro für Medieninnovation &#187; Vermarktung</title>
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	<description>Marian Semm - Büro für Medieninnovation</description>
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		<title>&#8220;Das kommerzielle Denken geht mir ab&#8221; &#8211; über die Pflege des Schwarms (Serie Lokalzeitung 2.0 &#8211; Folge 5)</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 08:56:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Raum, vor dem deutsche Zeitungsverleger Respekt haben könnten, misst keine 20 Quadratmeter und liegt in einem unscheinbaren Gebäude in einem unscheinbaren Dorf in den Ausläufern des bayerischen Waldes. Von hier aus dirigiert Michael Wagner einen Schwarm von fünf Fotografen, knapp fünfzig Online-Redakteuren und 1.500 freiwilligen Datenpflegern aus den Fußballvereinen Ostbayerns. Vor drei Jahren, im Alter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Raum, vor dem deutsche Zeitungsverleger Respekt haben könnten, misst keine 20 Quadratmeter und liegt in einem unscheinbaren Gebäude in einem unscheinbaren Dorf in den Ausläufern des bayerischen Waldes. Von hier aus dirigiert Michael Wagner einen Schwarm von fünf Fotografen, knapp fünfzig Online-Redakteuren und 1.500 freiwilligen Datenpflegern aus den Fußballvereinen Ostbayerns. Vor drei Jahren, im Alter von 16 Jahren, hat er die regionale Sportnachrichten-Website <a title="Fußball Passau" href="http://www.fussball-passau.de/">Fußball Passau</a></em><em> <a title="Die PNP zur Gründung von FuPa" href="http://www.fussball-passau.de/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=50&amp;Itemid=246">gegründet</a></em><em> und erreicht damit pro Tag etwa 10.000 Besucher, die zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Page-Impressions pro Monat verursachen. Mit einem regionalen Themenportal spielt er also mit in der Liga der kleineren bis mittleren Regionalzeitungsverlage.</em></p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Herr Wagner, wie begeistert man fünfzig feste Mitarbeiter?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Am besten mit Unverbindlichkeit. Ich sage den Mitarbeitern &#8220;du kannst jederzeit aufhören, du verpflichtest dich zu nichts.&#8221;</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Aber sie sprechen sie schon aktiv an, sie warten nicht darauf, dass sie freiwillig zu Ihnen kommen.</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Nein, eigentlich melden sich die Leute, die Lust haben mitzumachen, bei mir.</p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_1021" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/03/Bildschirmfoto-2010-03-26-um-09.17.35.png"><img class="size-medium wp-image-1021" title="Fußball Passau" src="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/03/Bildschirmfoto-2010-03-26-um-09.17.35-300x204.png" alt="" width="300" height="204" /></a><p class="wp-caption-text">Fußball Passau pflegt den Schwarm, Honorar ist die Ausnahme.</p></div>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Honorar gibt es keins, richtig? Woher diese Anziehungskraft?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Wir haben schon ein Wir-Gefühl, die Leute merken, dass es uns wirklich um den Regionalfußball geht. Und bei uns lebt der Fußball. Alle paar Kilometer ein Verein, in jedem Ort. Das interessiert alle hier bei uns.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Neben den fünfzig festen Mitarbeitern haben Sie auch noch 1500 Leute in den Vereinen, die die Profilseiten pflegen. Wie kümmert man sich um die?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Die bekommen einen Zugang und können ihre Angaben pflegen. Die machen das von sich aus. Kontakt haben wir kaum.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Und das funktioniert wirklich alles ohne einen Cent Honorar?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Wir haben eine kleine Aufwandsentschädigung. Aber nur für Fotografen, wenn die für uns zu einem Spiel fahren. Ein geringes Benzingeld. Und in unserem Monatsmagazin Querpass, das ist gedruckt, da haben wir ab und zu einen Autoren, der bekommt 20 Cent für die Zeile – aber das ist die absolute Ausnahme, wir nehmen keine Beiträge an. Und Online gibt es nichts, das tät gar nicht gehen.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Die Mitarbeiter machen das freiwillig.</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Ich chatte mit vielen ganz regelmäßig über Skype und ab und zu telefoniere ich. Und hin und wieder gibt es auch Teamtreffen, zum Beispiel zum Saisonabschluss oder Weihnachtsfeiern. Auch damit sich die Mitarbeiter untereinander besser kennen lernen. Die wissen auch, dass da kein Millionengeschäft dahinter steckt. Das ist mir wichtig, dass es so bleibt.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Sie wollen gar kein Geschäft machen?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Naja ein Geschäft wird es nie werde. Ich versuche momentan das Ganze finanziell aufzubauen, weil es zeitlich einfach nicht mehr anders geht. Seit August bin ich selbständig und lebe momentan vom Gründungszuschuss. Ich habe keine großen Belastungen – kein Auto, keine Freundin und das Zimmer hier stellt mir mein Vater zur Verfügung. Aber ein bisschen was brauche ich, momentan muss ich mit so 450 Euro im Monat auskommen.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Ist das überhaupt möglich, mit FuPa Geld zu verdienen?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Möglich ist das schon, man muss es einfach mit der Zeit aufbauen. Wir bieten für Firmen interessante Werbeflächen.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Aber über Vermarkter kommen Sie aber sicher nicht auf mehr als einen Euro für Tausend Seitenabrufe?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Eher weniger. Aber wir vermarkten auch selbst, und zwar lokal, dazu haben wir Bannerplätze auf der Startseite für 99 Euro pro Tag und auf den Ligenseiten für 25 Euro pro Monat. Auf die Startseite kommen an die 10.000 Nutzer pro Tag.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Und um das zu ergänzen, produzieren Sie jetzt zum Online-Auftritt FuPa den gedruckten <a title="Querpass" href="http://www.querpass.net/">Querpass</a>, ihr monatliches Fußballmagazin.</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Das hat nichts mit dem Internet zu tun. So ein Magazin gab&#8217;s hier schon mal vor zehn Jahren, das hat uns gut gefallen, aber es gab es nur für kurze Zeit. Wir versuchen das jetzt halt wieder.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Und da drucken Sie Ihre Internet-Artkel ab?</p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_1022" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/03/michael_wagner.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1022" title="Michael Wagner" src="http://www.marian-semm.de/wp-content/uploads/2010/03/michael_wagner-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Michael Wagner, Betreiber von Fußball Passau und Herausgeber des regionalen Fußballmagazins Querpass.</p></div>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Nein, überhaupt nicht. Online machen wir aktuelle Nachrichten und Statistik, im Magazin drucken wir nur Hintergrund und Sachen zum Schmunzeln. Alle Beiträge werden eigens und nur für das Magazin geschrieben. Das sind ganz andere Inhalte und Themen. Und Tabellen machen ja gar keinen Sinn in einem Monatsmagazin. Wir schreiben über Spieler aus der Region, die es zu was gebracht haben in der Bayernliga oder der zweiten Bundesliga, hier <em>(zeigt auf eine Ausgabe)</em>: Unterhaching, FC Augsburg. Und haben ein Foto von der Spielerfrau des Monats, eine Rubrik &#8220;Talente der Region&#8221; und neulich haben wir festgestellt, dass es drei Brüder gibt, die in der gleichen Liga spielen, aber in drei verschiedenen Vereinen.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Ich habe eben nachgezählt: In der Ausgabe Januar/Februar finde ich siebeneinhalb Seiten Werbung bei insgesamt 44 Seiten. Und es ähnelt mehr Kicker oder SportBild als dem regionalen Sportteil einer Zeitung. Das sieht nach Aufwand aus. Trägt sich denn das Magazin?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Ja, es trägt sich – und wir haben schon 300 feste Abonnenten bei einem Preis von 2,90 Euro. Die zweite Ausgabe wurde über 1000 mal verkauft.  Gedruckt haben wir zweieinhalbtausend Magazine, die meistenverkaufen wir an Tankstellen und auf dem Fußballplatz. Wir sind überzeugt, dass wir unsere Verkaufszahlen von Ausgabe zu Ausgabe steigern können, aber auch das ist schwer. Nicht alle jungen Leute sind dazu  bereit, heutzutage ein Print-Magazin zu kaufen.</p>
<p><strong>Marian Semm: </strong>Aber eine Werbung für ein Magazin &#8211; für wieviel Euro sagen Sie?</p>
<p><strong>Michael Wagner: </strong>Für 350 Euro pro Seite.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Also Werbung in einem Magazin mit 2.500 Exemplaren Auflage, die drei Mal so teuer ist, verkauft sich leichter als ein Banner auf einer Seite mit 10.000 Visits?</p>
<p><strong>Michael Wagner: </strong>Das Internet muss man vielen halt erst mal erklären. Online-Werbung wird besser, aber es wird schon noch seine Zeit dauern, bis sich das durchgesetzt hat.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Was sind Sie denn eigentlich? Unternehmer, klar. Und sonst? Journalist? Informatiker?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Nein, Journalist bin ich nicht. Überhaupt nicht. Das kann ich gar nicht. Ich war schlecht in Deutsch. Und ab und zu muss ich etwas schreiben. Schlimm. Da fühle ich mich unwohl. Ich bin Informatiker, Fotograf, Organisator, Ideengeber. Und Marketing mache ich auch. Aber bin ich Unternehmer? Formal bin ich Geschäftführer der FuPa GmbH. Aber mir fehlt die Kaltschnäuzigkeit und das kommerzielle Denken geht mir ab.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Wo geht Ihre Reise denn hin?</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Da gibt es einige Pläne. Aber über die rede ich nicht so gerne. Die Regionen Landshut und Straubing haben im letzten halben Jahr brutal zugelegt. Aber wir können da noch besser werden.</p>
<p><strong>Marian Semm:</strong> Da sie ja ihre Datenbank schon mal haben, könnten Sie ja relativ einfach ihr Gebiet vergrößern.</p>
<p><strong>Michael Wagner:</strong> Es gibt diese Gedanken. Aber die Datenbank allein ist es auch nicht. Es muss jemand dahinter stehen und in der Region präsent sein, die Leute kennen und das alles publik machen.</p>
<p><em>Mehr über Michael Wagner und seine Projekte FuPa und Querpass bei </em><a title="Christian Jakubetz: Wie ein 20-jähriger einen Verlag demontiert" href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=2683"><em>Christian Jakubetz</em></a><em> und bei der </em><a title="Medienagentur Denk: PNP versucht Klickkönig zu ködern." href="http://www.mediendenk.com/index.php?AID=0000022389"><em>Medienagentur Denk</em></a><em>.</em></p>
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		<title>Die Ökonomie des Ortsblogs (Serie Lokalzeitung 2.0 – Folge 4)</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 10:14:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn wir die Lokalzeitung 2.0 zu Ende denken wie in Folge 1 beschrieben, ist das ein vorwiegend hyperlokales Medium – ein journalistisches Online-Produkt in Zeiten der Link-Ökonomie braucht ein klares Profil viel notwendiger als einen Mantel, einen Reiseteil oder eine Autoseite. Ich bin überzeugt: Die erfolgreiche Lokalzeitung 2.0 dreht sich zu mehr als 95% um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir die Lokalzeitung 2.0 zu Ende denken wie in <a title="Marian Semm: Der begeisterte Leser" href="http://www.marian-semm.de/2009/12/serie-lokalzeitung-2-0-folge-1-der-begeisterte-leser/">Folge 1</a> beschrieben, ist das ein vorwiegend hyperlokales Medium – ein journalistisches Online-Produkt in Zeiten der Link-Ökonomie braucht ein klares Profil viel notwendiger als einen Mantel, einen Reiseteil oder eine Autoseite. Ich bin überzeugt: Die erfolgreiche Lokalzeitung 2.0 dreht sich zu mehr als 95% um lokale und regionale Themen. Wollen wir da nicht mal einen Blick auf die kleinste funktionierende Einheit werfen, die hyperlokale Zelle sozusagen?</p>
<p>Wie sieht so eine hyperlokale Zelle aus? Ich würde ein Mittel- oder Unterzentrum sehen, eine Stadt mit etwas Umland und einer gesunden Wirtschaft, keine Schlafstadt. Das heddesheimblog wäre eigentlich ein idealer Kandidat – allerdings gibt dessen Betreiber, Hardy Prothmann, zu, dass sich ein Blog für einen Wirkungskreis von 12.000 Einwohnern allein nicht rechnen wird, es sei denn er würde lebenslang auf freie Tage und Urlaub verzichten. Weshalb der heddesheimblog durch Blogs in Nachbarorten ergänzt wird, um eine Größenordnung von 35.000 Einwohnern zu erreichen. Eine Zelle mit 35.000 Einwohnern also, der wir durch ihre Lage im Rhein-Neckar-Raum eine gewisse Wirtschaftskraft zugrunde legen können. Wenn es hier nicht funktioniert, wo denn dann? Die <a title="News Innovation: News Ecosystem" href="http://newsinnovation.com/category/news-ecosystem/">Studenten um Jeff Jarvis</a> haben zwar mit Zellengrößen mit 20.000 Einwohnern kalkuliert – allerdings stand das Projekt unter der Annahme, dass die gedruckte Lokalzeitung nicht mehr existiert.</p>
<p>Prothmann hat in einem <a title="Interview mit Hardy Prothmann" href="http://marian-semm.de/2010/01/die-meisten-verlage-haben-vergessen-wo-sie-herkommen-serie-lokalzeitung-2-0-folge-3/">Interview mit mir</a> dargestellt, dass er absehbar davon leben kann, bei anderen hyperlokalen Blogs höre ich, dass vierstellige Monatsumsätze durchaus realistisch sind – und, was die lokale Vermarktung angeht, keinen großartigen TKP-Schwankungen unterliegen, die einigen Regionalzeitungen derzeit besondere Kopfzerbrechen bereiten, nämlich denen, die vor allem auf überregionale Vermarktung gesetzt haben. Die Messgröße TKP an sich scheint in der lokalen Vermarktung kaum eine Rolle zu spielen.</p>
<p>Wenn es einem gelernten Journalisten wie Prothmann gelingt, quasi in Nebentätigkeit einen vierstelligen Betrag im Monat zu aquirieren – wieviel vermag da ein professioneller Verkäufer umzusetzen?</p>
<p>Machen wir uns mit den Größenordnungen vertraut: Welchen Werbeumsatz würde eine durchschnittliche regionale Tageszeitung in dieser hyperlokalen Zelle erreichen? Legen wir zugrunde: Ein Zeitungsabo auf fünf Einwohner, einen monatlichen Bruttoabopreis von 25 Euro und ein <a title="BDZV-Schaubild: Kosten- und Erlösstruktur westdeutscher Tageszeitungen 2008" href="http://www.bdzv.de/schaubilder+M5b0984c7761.html">paritätisches Umsatzverhältnis Abo zu Anzeigen</a>.</p>
<p>Jahresanzeigennettoumsatz = Jahresabonnementumsatz = 35.000 Einwohner / 5 Einwohner pro Zeitungsabo * 12 Monate * 25 Euro pro Monat / 1,07 (Faktor, um die Mehrwertsteuer zu eliminieren)</p>
<p>Das Ergebnis: Bei einer Regionalzeitung würden anteilig auf diese 35.000 Einwohner gerechnet knapp zwei Millionen Euro Anzeigennettoumsatz pro Jahr erzielt. Aber: Einige Anzeigenmärkte der Tageszeitungen sind für ein Lokalblog schwer zu erreichen, nach <a title="BDZV: Entwicklung verschiedener Rubriken am Anzeigenmarkt 2008" href="http://www.bdzv.de/schaubilder+M5e2bb5f8bcc.html">Auswertung des BDZV entfallen auf lokale Geschäftsanzeigen etwa 25% des Anzeigenumsatzes</a>. Damit haben wir ein Potenzial in der Größenordnung von einer halben Million Euro pro Jahr.</p>
<p>Es ist nicht unrealistisch, dass ein Ortsblog einen Anteil an diesem Potenzial erreichen kann. Hardy Prothmann sagt ohnehin, dass er mit seinem Blog hauptsächlich Neukunden gewinne und eher den Anzeigenverlagen schade als der Zeitung.Aber es ist nicht zu kühn, einen Marktanteil von 25 Prozent bezogen auf das oben genannte Potenzial anzusetzen. Zielumsatz aus regionaler Anzeigenvermarktung also: 125.000 Euro pro Jahr.</p>
<p>Dann bestünde noch die Möglichkeit, überregionale Vermarktung einzubinden – AdScene, Linklift, AmazonPartnerNet, Google AdSense und so weiter&#8230; Hubert Burdas &#8220;lousy pennies&#8221; von denen auch Prothmann nicht allzuviel hält (&#8220;das nutze ich als Lückenfüller&#8221;). Die sich allerdings durchaus summieren können – aber es bleibt ein Spiel mit einigen Unbekannten. Als Anhaltspunkt: Das heddesheimblog mit seinem primären Zielpublikum von 12.000 Einwohnern berichtete <a title="heddesheimblog: Zugriffsstatistik Januar 2010" href="http://heddesheimblog.de/2010/02/01/in-eigener-sache-seitenzugriffe-steigen-um-34-prozent/">für den Januar 2010 von knapp 750.000 Seitenzugriffen</a>. Das erscheint mir für den Normalbetrieb eines Lokalblogs als sehr hoch und ist vermutlich auch dem Rummel um das Blog geschuldet. Immerhin sollen 85% der Zugriffe aus der Region kommen. Um einen Zielumsatz für die überregionale Vermarktung unserer hyperlokalen Zelle zu kalkulieren, würde ich eine Anzahl Unique User von 30% auf die Einwohnerzahl unterstellen; jeder Unique User besucht im Schnitt die Seite zehn Mal pro Monat und ruft dabei zehn Seiten auf. Ergebnis: Eine Million Page Impressions pro Monat. Bei durchschnittlich drei gebuchten Werbemitteln pro Page Impression und durchschnittlich 50 Cent pro Tausend Kontakte kommen wir im Jahr auf einen Umsatz von knapp 20.000 Euro. Ein ganz ordentlicher Lückenfüller, so betrachtet.</p>
<h3>Umsatz: 145.000 Euro pro Jahr</h3>
<p>Vernachlässigen wir zusätzliche Einnahmequellen, ist das ein Jahresumsatz von 145.000 Euro – sicher keine Größenordnung für einen Verlag, aber für einen Kleinunternehmer? Was können wir uns leisten von diesen 145.000 Euro? Wir sehen für den Unternehmer ein Äquivalent eines Gehalts vor von 3.200 Euro, das entspricht in etwa einem Redakteur im dritten Jahr. Wir sollten 35 Prozent für Sozialversicherungen aufschlagen, macht pro Jahr rund 60.000 Euro, außerdem legen wir 15.000 Euro für das unternehmerische Risiko beiseite, das entspricht einer Umsatzrendite von gut zehn Prozent. Für die Aquise lokaler Anzeigen müssen wir etwas mehr als die üblichen 15 Provision Agenturprovision vorsehen, denn wir setzen tendenziell kleinere Beträge um, als die gedruckte Tageszeitung, während der Aufwand vergleichbar bleibt. Also 20, 25 oder 30 Prozent. Lassen Sie uns pauschal 30 Prozent Provision ansetzen, das macht 35.000 Euro. Für Honorare sehen wir 15.000 bis 20.000 Euro vor, für Fahrtkosten, Rechner, Software, Hosting, Telefon, UMTS-Zugang, Kameras, Räume, Designarbeiten, Systemverwaltung und Buchhaltung ebenfalls 15.000 bis 20.000 Euro.</p>
<p>Ist ein Anzeigenverkäufer bereit, für 30 Prozent zu arbeiten? Das Problem ist: 30 Prozent von was? Für im Tageszeitunggeschäft übliche Verkäuferumsatzziele von einer Viertel Million Euro aufwärts wären 30 Prozent ein fürstlicher Lohn. In einem Lokalblog kostet es angesichts niedriger Einzelbeträge mehr Mühe, ein vergleichbares Umsatzvolumen zu erreichen. Und doch glaube ich, dass es funktionieren kann. Die 30 Prozent machen bei unserem Zielumsatz von 125.000 Euro knapp 38.000 Euro aus – einen guten Vollzeitvertreter bekommen wir dafür nicht. Aber vielleicht gewinnen wir eine lokale Agentur dafür. Oder einen Handelsvertreter, der neben anderen Publikationen, Waren, Dienstleistungen unser Ortsblog vertritt.</p>
<p>So wie wir beim Lokalblog etwas ganz anderes als eine Lokalredaktion im Auge haben – so können wir auch beim Anzeigenverkäufer etwas unkonventioneller denken. Ich hätte mir meinen Großvater gut in dieser Rolle vorstellen können – wenn man die Handlungsobjekte der jeweiligen Zeit übertragen kann. Mein Großvater war als Flüchtling nach dem Krieg in einem oberfränkischen Dorf untergekommen und hat später seine bescheidene Existenz aufgebessert, indem er nach Feierabend aus seinem Wohnzimmer heraus Versicherungen verkauft hat. In den Tagen nach seinem Tod bin ich staunend über einem Berg Aktenordner gesessen – er hatte in seiner Freizeit im Laufe der Jahre das komplette Dorf versichert. Und wie mir einige Leute versichert haben, ging es ihm nicht nur um ein Zusatzeinkommen, sondern auch, ihm, dem Flüchtling, um gesellschaftliche Bedeutung. Er hatte keinen Hof und kein Hektar Land, keine Familientradition seit die Schweden durchgezogen sind. Sein Werkzeug war die Schreibmaschine. Er hat den Dorfbewohnern damit nicht nur Versicherungen verkauft, sondern – unentgeltlich – auch Eingaben an Ämter, Anstalten und andere Behörden geschrieben und ebenso untentgeltlich in vielen Vereinen die Kassen geführt. Jeder, der ein Problem mit der Rentenversicherung oder dem Finanzamt hatte, kam zu ihm und fragte ihn um Rat. Vielleicht hat <a title="Jeff Jarvis: What ad sales people hear" href="http://www.buzzmachine.com/2010/02/05/newbiznews-what-ad-sales-people-hear/">Jeff Jarvis ähnliches im Sinn</a>, wenn er vom Bürger-Anzeigenverkäufer (&#8220;citizen ad sales&#8221;) spricht: &#8220;Most important, I think, is that we won’t be selling media to merchants — banners ‘n’ buttons — so much as we will be selling service: helping them with all their digital needs.&#8221;</p>
<p>Eine Gewähr, dass so ein Experiment nicht in einer prekären Situation endet, haben wir nicht. Wir haben eine Aufbauphase zu überstehen, in der wir höhere Kosten als Umsätze haben werden. Die Kunst wird in der Wahl der Orte, im unternehmerischen Geschick und in der Ausdauer liegen. Mit jedem Monat wird das Internet selbstverständlicher und jede gestrichene Stelle einer Lokalredaktion ist eine neue Chance für einen Ortsblogger. Wer wenig zu verlieren hat – Volontäre ohne Chance einer Übernahme, Studenten, die sich nebenbei versuchen wollen, ambitionierte Ortschronisten –, der wird getragen vom Geist des Neuen und der kann nur gewinnen.</p>
<h3>Alternativen: Paid Content, Spenden</h3>
<p>Ein Wort zu alternativen Finanzierungsmodellen, Paid Content, Spenden. Mal angenommen, wir würden als Abo-Ortsblog noch ein Viertel derer erreichen, die uns im Reichweitenmodell besuchen, das wären etwa 2.500 User (entspricht sieben Prozent des Einzugsbereichs), drei Euro Abopreis pro Monat und wir lägen bei etwa 90.000 Euro. Klar, wir hätten höheren Verwaltungsaufwand und da wir die Reichweite geviertelt haben, können wir für die überregionale Vermarktung nur noch 5.000 statt 20.000 Euro ansetzen. Auch die lokale Vermarktung wird auf die ein oder andere Weise die niedrigere Reichweite zu spüren bekommen – ich könnte mir vorstellen, dass das nicht gravierend ist, setzen wir also 15 Prozent Einbuße an. Damit lägen wir bei gut 100.000 Euro an lokalem Werbeumsatz plus 90.000 Euro Aboumsatz plus 5.000 Euro für überregionale Werbung, in Summe 195.000 Euro. Aber fragen Sie mal den Leiter eines Lesermarktbereiches, wie leicht 2.500 Abonnements zu gewinnen sind. 30 Anzeigen sind da vergleichsweise leicht verkauft.</p>
<p>Vielleicht lässt sich das Reichweitenmodell einigermaßen organisch umbauen zu einem Freemium-Modell: Drei, fünf oder acht Seiten am Stück unbehelligt ansehen, danach blendet sich immer eine Seite oder eine Box ein, die um den Abschluss eine Abonnements bittet – die ich aber wegklicken kann. Das hat auch ein bisschen Spenden-Touch. Ich kann mir gut vorstellen, dass das funktioniert. Man muss ja nicht. Aber es bequemer. Drei Euro im Monat, ich bitte Sie! Paid Content im Ortsblog – entspricht nicht der reinen Lehre nach Jeff Jarvis, Clay Shirky und Co. Aber das Gegenargument, dass Jarvis anführt, nämlich dass man mit Paywall stets vor dem Newcomer in der Garage auf der Hut sein sollte, mag für Verlage gelten, ein Ortsblog hat vergleichbare Kostenstrukturen und muss den Wettbewerb aus der Garage nicht fürchten.</p>
<p>Preisfrage: Wie könnte denn eine Lokalzeitung das beste aus dieser Situation machen? Erstens: Er könnte dem Ortsblogger die Sorge der Vermarktung abnehmen – zumindest, wenn der Ortsblogger das zulässt und die Verkaufsstrukturen der Lokalzeitung dafür geeignet sind. Dafür kommen aber nur Verlage in Frage, die in den letzten zehn Jahren ihre Hausaufgaben gemacht haben und ihre Strukturen agenturartig ausgerichtet und ihre Verkäufer gut ausgebildet haben. Es gibt sie, aber es sind nicht allzu viele. Zweitens: Der Ortsblogger könnte der Zeitung als lokale Quelle dienen, als Agentur, die die Zeitung mit Inhalten beliefert. Drittens: Der Zeitungsverlag könnte ein Ortsblog auch selbst betreiben. Einen ambitionierten Redakteur, umgerüstet zum mobilen Journalisten, ein wenig Technik, ein wenig Design, einen motivierten Außendienstler. Könnte. Was mag ihn nur zurückhalten?</p>
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		<title>Der begeisterte Leser (Serie Lokalzeitung 2.0 &#8211; Folge 1)</title>
		<link>http://www.marian-semm.de/2009/12/serie-lokalzeitung-2-0-folge-1-der-begeisterte-leser/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 14:28:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wird vielleicht alles nur schlecht geredet? Ist es vielleicht doch möglich, profitabel Lokaljournalismus im Netz zu betreiben? Die Anzeichen dafür mehren sich. Die ersten lokalen Blogger verkünden, dass sie bald von ihrer Bloggerei leben können, dabei werden Anzeigen nur nebenbei verkauft. (Was man da wohl mit einer professionellen Verkaufsorganisation anstellen könnte?) Mit dieser Serie &#8220;Lokalzeitung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wird vielleicht alles nur schlecht geredet? Ist es vielleicht doch möglich, profitabel Lokaljournalismus im Netz zu betreiben? Die Anzeichen dafür mehren sich. Die ersten lokalen Blogger verkünden, dass sie bald von ihrer Bloggerei leben können, dabei werden Anzeigen nur nebenbei verkauft. (Was man da wohl mit einer professionellen Verkaufsorganisation anstellen könnte?) Mit dieser Serie &#8220;Lokalzeitung 2.0&#8243; gehe ich dem profitablen Lokaljournalismus im Netz auf die Spur. Im ersten Teil geht es um den Nutzwert als Grundlage, in den folgenden (noch ungeschriebenen) Teilen möchte ich mich auseinandersetzen mit Finanzierungsmodellen, Organisation, Werkzeugen und schließlich einer Gegenüberstellung, was eine Lokalzeitung 1.0 von einer Lokalzeitung 2.0 eigentlich trennt.</em></p>
<p><em> </em>Die intensiv diskutierte Frage, ob Paid oder Free Content, geht an zwei wesentlich wichtigeren Fragen vorbei: (1) Wie begeistere ich Leser? (2) Wie bringe ich sie regelmäßig dazu, mein Produkt ausführlich zu nutzen? Wer diese Fragen nicht schlüssig beantworten kann, muss sich keine Gedanken darüber machen, ob sein Angebot Abo- oder Werbefinanziert ist. Und der eine oder andere Verlag, der jetzt über Paid Content diskutiert, sollte sich dieser Fragen nochmal ganz genau annehmen.  Ich habe <a title="Marian Semm über die Tinte der Mönche" href="http://www.marian-semm.de/2009/10/die-tinte-der-moenche-ueber-wertschoepfung-im-journalismus/">meine persönlichen Präferenzen zur Lokalzeitung beschrieben</a>, hier nochmal die Kernpunkte, was Lokalnachrichten angeht: Mich persönlich interessieren lokale Nachrichten und zwar bitte nicht erst übermorgen, Polizei und Gericht, auch die Lokalpolitik und gute lokale Wirtschaftsberichterstattungen (bitte keine Spendenübergaben). Lokale Kultur, vor allem Kleinkunst und Musik, vom lokalen Sport nur Eishockey und Tennis. Andere Leser haben ein anderes Interessenprofil und jeder von ihnen hat eine leicht abweichende Vorstellung vom Begriff &#8220;lokal&#8221;. Ich kenne Sportbegeisterte, denen der Sport im Lokalteil der Zeitung zu dünn ist (mir ist er zu dick) und ich kenne lokalpolitisch engagierte Menschen, die sich fast stundenlang an Bleiwüsten über Kreistagssitzungen ergötzen können.</p>
<h4>Lokalzeitung 1.0: Fasse Dich kurz!</h4>
<p>Ich kann mich noch gut an den Aufkleber am Telefonhäuschen meines Heimatdorfes Ende der 70er Jahre erinnern: &#8220;Fasse Dich kurz!&#8221;. Und ähnlich lautet ein Paradigma der Lokalzeitung 1.0 bis heute: &#8220;Platz ist knapp&#8221;. Ich kann von der Zeitung eine Informationsbreite erwarten, aber die Tiefe ist begrenzt – einerseits aus ökonomischen Gründen, auch Text-Anzeigen-Verhältnis genannt, andererseits weil sie allgemein verständlich sein will.</p>
<p>Die Lokalzeitung 1.0 hat aber zunehmend ein Problem, das kürzlich im Dossier der ZEIT so gut und ausführlich beschrieben worden ist, das ich jetzt einfach dorthin <a title="Deutschland entblättert - Dossier der ZEIT" href="http://www.zeit.de/2009/49/DOS-Medien">verlinke</a>. Ich verlinke jetzt einfach mal, kann sein, dass Sie das schon nicht mehr lesen, weil ich Sie auf ein anderes Angebot im Web geführt habe. Aber wenn Sie das immer noch lesen, haben Sie einen guten Grund. Das erinnert mich an eine Diskussion, die ich in den 90er Jahren mit dem Leiter einer Lokalredaktion geführt hatte – es ging um meine 25 Zeilen zu einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks über unsere Stadt und der Redaktionsleiter bat mich beim Gegenlesen, den Text so umzuformulieren, dass die Worte &#8220;Bayerischer Rundfunk&#8221; nicht mehr drin vorkommen. Begründung: Die Chefredaktion sehe es nicht gerne, wenn die Aufmerksamkeit zu einem anderen Medium gelenkt würde. Und: &#8220;Alles wichtige steht bei uns.&#8221;</p>
<p>&#8220;Platz ist knapp&#8221; und &#8220;Alles wichtige steht bei uns&#8221; sind der Geist der Lokalzeitung 1.0. Im gedruckten Medium mag das seine Berechtigung haben.</p>
<h4>Lokalzeitung 2.0: Platz gibt es genug!</h4>
<p>Den unbegrenzten Platz im Internet wissen Zeitungen oft nicht zu nutzen, da wandern stapelweise Kreisklasse-Fußball-Berichte unversehens in den Papierkorb nur weil im Print-Produkt kein Platz ist. Da wird die Anzahl der Online-Artikel per Dienstanweisung oder technisch begrenzt, mit dem Hinweis, man wolle die Print-Auflage nicht kannibalisieren – und überhaupt: Im Netz herrsche ein anderes Nutzungsverhalten, es würden ganz andere Dinge gelesen und vor allem müsse der Text kurz sein und diesen Mehraufwand wolle man nicht immer&#8230; und so weiter. Jedoch: Dass ein Bedarf beispielsweise für Spielberichte in jeder Liga besteht und dass das auch gelesen wird, zeigt der Erfolg von <a title="FuPa – das regionale Fußballportal" href="http://www.fussball-passau.de/">Fußball Passau</a>, über dessen Hintergründe auch <a title="Wie ein 20-Jähriger einen Verlag demontiert" href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=2683">hier</a> zu lesen ist – ein Lehrbeispiel für das <a title="Wikipedia: The Long Tail" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Longtail">Longtail</a>-Phänomen im Lokaljournalismus.</p>
<p>Das &#8220;Alles wichtige steht bei uns&#8221; lebt auch in den Köpfen weiter, Zeitungswebsites tun sich erkennbar schwer, externe Links zu setzen – mal ganz abgesehen davon, dass viele Redaktionssysteme das nicht so toll unterstützen. Aber schlagen Sie doch mal einem Online-Redakteur vor, auf eine interessante Diskussion zu verlinken, die sich im Forum eines Wettbewerbers abspielt&#8230; gute Güte! Und grotesk genug: In so mancher Online-Redaktion werden dpa-Meldungen umgeschrieben, um mit möglichst ausgefallenen – aber treffenden – Begriffen bei Google News möglichst gut gelistet zu werden. Was könnte die Online-Redaktion einer (sic!) Regionalzeitung auch sinnvolleres tun, als Welt-Nachrichten umzuschreiben? Herr im Himmel!</p>
<p>Die Lokalzeitung 2.0 hat dagegen die neuen Rahmenbedingungen verstanden und operiert mit &#8220;Platz gibt es genug, her mit der Nachricht!&#8221; und &#8220;Wir wissen eine Menge, nicht alles, wir zeigen dir aber in jedem Fall, wo du es findest!&#8221; Daraus ergibt sich wie von selbst: Eine sagenhafte Tiefe, die es jedem Nutzer erlaubt, das zu finden was ihn interessiert, dem Sportbegeisterten seine Spielberichte und dem Kulturfreund seine Konzertkritik. Unbesehen ob es die Redaktion selbst hergestellt hat, ein Mitarbeiter oder ein anderer Leser – oder ob wir uns dazu bekennen, es selbst nicht so gut zu können wie eine andere Quelle im Netz – und einen Link setzen. Damit säht man Vertrauen.</p>
<h4>Die Bratwurst und das Chateaubriand</h4>
<p>Natürlich wird auch über Qualität zu sprechen sein. Hardy Prothmann, Betreiber des heddesheimblog, hat bei der DJV-Tagung &#8220;Besser Online&#8221; im November 2009 den Begriff <a title="Bratwurstjournalismus erklärt" href="http://blog.nz-online.de/vipraum/2009/11/23/was-ist-ein-bratwurstjournalist/">Bratwurstjournalismus</a> geprägt. Ich glaube allerdings, dass der Bratwurstjournalismus vor allem im gedruckten Blatt ein Ärgernis ist – im Online-Medium ist er nur dann ärgerlich, wenn er andere Inhalte verdrängt, weil die Anzahl der Inhalte künstlich verknappt wird oder die Aufmerksamkeit der Redaktion von Chateaubriandbeiträgen ablenkt. Oder wenn das Online-Medium so aufgebaut ist, dass ich an den Bratwurstberichten nicht vorbeikomme und die Lust verliere.</p>
<p>Und natürlich erwartet der begeisterte Leser journalistische Qualität. Aber die schlägt sich nicht nur in brillianten Texten nieder, sondern in einem dem Ereignis oder der Story passenden Ausdrucksform. Und da ist das Repertoire im Netz deutlich vielfältiger. Statt sich 80 Zeilen über ein Blasmusikkonzert des örtlichen Vereins aus den Rippen zu schwitzen, auf dem schmalen Grat zwischen Lobhudelei, Abtippen des Programms und unfairer weil für Laien zu scharfer Kritik ist doch allen mit einem Videobeitrag mehr gedient. Oder will irgendjemand behaupten, 80 Zeilen Blei könnten das besser darstellen? Wir sind doch nicht die F.A.Z. und es geht auch nicht um die Wiener Philharmoniker! Der Landrat hat Stress mit den Chefärzten des Kreisklinikums &#8211; warum kein Interview als Video? Das transportiert mehr als der gedruckte Text – und möglicherweise mehr als dem Landrat lieb ist. Vertiefen wir Ereignisse durch Links. Wann gab es schon einmal so ein Hochwasser! Rückblenden in das eigene Archiv, in fremde Archive. Wie war das noch, als die Eisenbahn in unsere Stadt kam? Wie war das nochmal mit dem Brauch in A-Dorf? Welche Vereine gibt es in B-Stadt? Wie war das vor der Gebietsreform? Warum sind die Bauern in C-Dorf immer noch sauer? Wie hat sich der Milchpreis entwickelt? Welche Feste sind 2011 geplant? Regionales Wiki. Die Heimatzeitung aller Jahrzehnte voll digitalisiert und zugreifbar. Gebt den Ortschronisten eine Plattform! Macht es zu Ihrem Projekt!</p>
<h4>Der Informationsberg und das Sieb</h4>
<p>Wenn wir so einen großen Informationsberg anhäufen und den lokalen Longtail nutzen, müssen wir unsern Lesern ein gutes Sieb geben. Heißt, wir brauchen starke Filter – konzeptionell und technisch existieren die schon. Da wären die sozialen Filter, die das Nutzungsverhalten umdrehen nach dem Motto: Alles wichtige kommt zu mir, wie das <a title="Monty Metzger: Wichtige Nachrichten erreichen mich einfach" href="http://www.monty.de/?p=118">Monty Metzger </a>beschreibt. Da <span style="text-decoration: line-through;">wären starke Suchmaschinen</span> wäre Google. Und da wären einmal die Struktur der Lokalzeitung 2.0, in der sich ein Leser wiederfinden sollte und eine gute Suche, die bitteschön relevante Treffer zu Tage fördert, so wie wir das von Google gewohnt sind. Nebenbei bemerkt: So eine Suche könnte neben den Abrufstatistiken auch ein gutes Werkzeug sein, um zu verstehen, welche Inhalte die Leser interessieren – was geklickt worden wäre.</p>
<p>Wie sieht die Struktur einer Lokalzeitung 2.0 aus? Ich glaube, wir brauchen einfache, vom (begeisterten!) Leser durchschaubare Strukturen, mit den klassischen Ressorts liegen wir nicht verkehrt: Nachrichten, Politik, Kultur, Wirtschaft, Sport. Das lässt sich sicher verfeinern, hier geht es ums Prinzip. Wir brauchen eine weitere Komponente, die den Punkt oder die Fläche des Geschehens wiedergibt. Damit könnte ich schon mal in zwei, mit einer Einschränkung nach der Zeit in drei Dimensionen filtern.</p>
<h4>Nachrichten werden &#8220;sozial&#8221;</h4>
<p>Seit Jahrzehnten wird die &#8220;personalisierte&#8221; Zeitung diskutiert, bei der der Leser seine Präferenzen einstellt (viel Sport, wenig Kultur, ein bisschen Wirtschaft, alles von Autor x, nichts von Autor y) und fortan Beiträge erhält, die zu diesem Profil passen. Semantische Analyse war eines der Buzzwords auf der IFRAexpo 2009 in Wien im Oktober, weil es die semantische Analyse erlaubt,  Texte zu klassifizieren. Das ist wichtig, um die Arbeit redaktionsintern zu strukturieren und es könnte auch Grundlage für die personalisierte Zeitung sein. Wenn das allerdings so läuft wie bei vielen Veranstaltungskalendern, stellt man sich selbst ein Bein, indem man etwa klassische Konzerte unter &#8220;Konzerte&#8221; einsortieren lässt und Rockkonzerte unter &#8220;Rock/Pop/Jazz&#8221; – wer dann nur nach Konzerten sucht, bekommt halt nur die Klassik. Dumm.</p>
<p>Technisch wäre vieles machbar, aber mit den sozialen Filtern kommen wir schon schon sehr weit – und sie sind flexibler als die personalisierte Zeitung, weil die Bewertung von Menschen in einem flexiblen Rahmen vorgenommen wird und nicht von einer Maschine in dem starren Gerüst der Voreinstellungen. Soziale Filter können auch den Anspruch einiger Chefredakteure erfüllen, die fordern, dass &#8220;eine Zeitung überraschen muss.&#8221; Überraschen kann mich mein sozialer Filter (echte Freunde, Freunde im Netz, bevorzugte Autoren) viel besser und individueller als die zehntausendfach gleiche &#8220;Überraschung&#8221; eines Redakteurs für all seine Leser, die meine persönlichen Präferenzen nicht berücksichtigen kann.</p>
<p>Eine Preisfrage ist sicher, welche Rolle die Website an sich spielt. Die Rolle der Homepage wird überschätzt, wenn die Hälfte bis zwei Drittel der Besuche über soziale Netzwerke oder Suchmaschinen kommen, wie ich annehme, ohne eine gute Quelle nennen zu können (für eine gute Quelle wäre ich dankbar). Google ist gelernt. Facebook wird gerade gelernt. Dass soziale Netze den Portalen längst den Rang abgelaufen haben, beschreibt Holger Schmidt von der F.A.Z. <a title="F.A.Z. - Internet: Portale waren gestern, Netzwerke sind heute" href="http://www.faz.net/s/Rub2F3F4B59BC1F4E6F8AD8A246962CEBCD/Doc~EDD5E47E3CB9C485E88BB8E71A5A63E9F~ATpl~Ecommon~Scontent.html">hier</a>. Eine Leserbriefseite verhält sich zu einem Online-Forum wie ein Krämerladen zu einem Börsenparkett. Und da sind nicht nur Spinner unterwegs, wie ich das immer wieder von Redakteuren 1.0 höre. Ariana Huffington jüngst dazu: <em>News is no longer something we passively take in. We now engage with news, react to news and share news. V</em>ollständiger Text <a title="Ariana Huffington: The News Has Become Social" href="http://www.stoweboyd.com/message/2009/12/arianna-huffington-the-news-has-become-social.html">hier</a>.</p>
<p>Und bei all dem dürfen wir nicht nur an die Vielnutzer und Netzroutiniers denken sondern auch an diejenigen, die nicht mit RSS-Feeds auf Du sind, Stichwort Usability.</p>
<p>Fassen wir zusammen und formulieren wir die fünf Gebote für einen begeisterten Leser:</p>
<ol>
<li>Möglichst viel Tiefe in möglichst vielen Themen.</li>
<li>Vertrauen schaffen. <a title="Buzzmachine: Cover what you do best. Link to the rest." href="http://www.buzzmachine.com/2007/02/22/new-rule-cover-what-you-do-best-link-to-the-rest/">Cover what you do best. Link to the rest.</a></li>
<li><a title="Buzzmachine: Cover what you do best and link to the rest" href="http://www.buzzmachine.com/2007/02/22/new-rule-cover-what-you-do-best-link-to-the-rest/"></a>Soziale Vernetzung ermöglichen und fördern.</li>
<li>Barrierefreiheit für selektive Nutzung, keine Klickviehhaltung.</li>
<li>Orientierung schaffen und an den Normalnutzer denken.</li>
</ol>
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